Yossel 19. April 1943
18.07.2005, 16:17, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Ehapa, 128 S., EUR 22
&
Pascal Croci
Auschwitz
Ehapa, 90 S., EUR 16
Es wurden wieder Gedichte geschrieben nach Auschwitz, Filme wurden gedreht und neue Superhelden erfunden. Zwar scheint immer noch umstritten, wie ein Erzählen und Bebildern des Holocausts auszusehen habe, doch wie es aussehen kann - auch und gerade in einem Medium wie dem Comic -, hat Art Spiegelman mit \"Maus\" gezeigt. Joe Kubert und Pascal Croci stellen sich in ihren Graphic Novels mit fiktionalen Mitteln, aber doch dokumentarischem Anspruch der Aufgabe, von der Vernichtungsmaschinerie der Nazis in Auschwitz-Birkenau und vom Aufstand im Warschauer Ghetto zu erzählen.
Croci zieht dabei fragmentarisch einen Handlungsstrang durch die grauenvollen Bilder des KZ-Alltags und stellt in seiner Rahmenhandlung eine Kontinuität zur Gegenwart her: Das Ehepaar Kazik und Cessia, das Auschwitz überlebte, wird 1993 in den nationalistischen Wirren des zerfallenen Jugoslawiens wegen Landesverrats hingerichtet. Das Töten geht weiter. Kubert entwirft eine fiktive Stellvertretergeschichte, die so hätte passieren können, und schafft sich dafür Yossel, einen 16-jährigen, Comic-besessenen Jungen, als zeichnend erzählendes Alter Ego. Damit löst er, was bei Croci implizit als Problem bestehen bleibt, nämlich, dass dessen Erzählerrolle nicht wirklich reflektiert wird. Kuberts raue, unfertige Bildsprache lässt nie vergessen, dass nur eine Annäherung an die Wirklichkeit möglich ist, und funktioniert zugleich als narrativer Trick, der größere Nähe zu den Figuren herstellt. Bei der Beschreibung des Aufstands im Warschauer Ghetto rutscht er damit etwas ab in ein heroisches Erzählmuster, ringt der Historie eine spannende Geschichte ab, doch zugleich findet er für die in den KZs stattfindende Entmenschlichung, für die selbst die BewohnerInnen des Ghettos in ihrer Vorstellungswelt kaum Platz haben, einfache und starke Bilder. Koffer, Brillen, Bürsten, selbst die Haare der Deportierten werden in Haufen gesammelt, um von den Nazis weiterverwendet zu werden. \"Alles hatte einen Wert. Alles hatte einen Nutzen. Nur die Menschen und ihr Leben waren wertlos.\"
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