
Hunter S. Thompson
Screwjack
18.07.2005, 16:14, Text:
Dörte Miosga,
Dörte Miosga
Blumenbar, 60 S., EUR 12
Am 20. Februar 2005 jagte sich Hunter S. Thompson mit einer 45er Magnum eine Kugel in den Kopf. Am 20. August, also ein halbes Jahr nach seinem Freitod, gibt es ein Begräbnis. Mit den Worten \"Er liebte Explosionen\" hat seine Witwe bestätigt, dass seine Asche mit einer Kanone in den Himmel geschossen werden soll. Das Geschütz wird eingebaut in ein ca. 45 Meter großes Monument, das der Gonzo-Faust, Thompsons Logo, nachempfunden ist. Johnny Depp erfüllt Thompsons letzten Wunsch und finanziert das Spektakel.
Niemanden wundert, dass \"Doktor Gonzo\" selbst nach seinem Tod für Aufsehen sorgt, auch wenn seine Literatur keine Explosionen verursachte.
Erreichen die literarischen Ergüsse diesen Rausch? In \"Mescalito\" sitzt Thompson in einem Hotelzimmer in L.A., voll mit Tabletten und Martini. Da diese Dröhnung nicht reicht, nimmt er Meskalin. Was anderes ist nicht vorrätig. Es ist morgens um sieben, eigentlich hat er Deadlines mit Redakteuren in New York, um acht muss er auschecken. Aber irgendwas muss halt eingeworfen werden. Und so startet die Reise: Die Schreibmaschine ändert munter die Farbe, die Tasten funkeln, bis das gesamte Zimmer in gleißendem Licht erscheint. Er genießt dieses \"sehr angenehme Gefühl psychischer Paralyse\". Seine Beine gefrieren, die Putzfrauen durchstreifen das Hotel wie hinkende Wölfe, Marihuanasamen erwecken den Teppich zum Leben. Sein Freund Oskar holt ihn schließlich mit Bier raus aus dem Kaktuswahnsinn. Die zweite Story dreht sich um Kumpel Leach, der sich beim Wetten vertippt und somit Unsummen verloren hat. In dessen Wohnung wimmelt es nur so von Gummipuppen, die er abwechselnd verprügelt. Die asiatische Variante schreit sogar, wenn man sie schlägt. Seit er die Puppen habe, sei seine Ehe besser geworden, meint Leach. Doch dann kommen auch schon die Gläubiger, und der Held verabschiedet sich mit einer 44er Magnum (oho!) in der Hand, während er Thompson in die Augen sieht. \"Screwjack\" schließlich handelt von der Liebe zu einem schwarzen Kater, die sich im Sex-Kampf mit dem wilden Tier entlädt. Thompson liebte es, sich literarisch in Drogentrips und sozialer Aussätzigkeit zu suhlen. Unbestritten ist sein Lebenswerk, den Gonzo-Journalismus begründet zu haben, in dem sich reale Erlebnisse und soziale Analysen mit Fiktion und Drogenvisionen mischen. So breit wie Thompson beim Schreiben war, sollte man auch beim Lesen sein, denn im Delirium ist Gonzo sicher besser zu ertragen.
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