
Martin Büsser
Antifolk. Von Beck Bis Adam Green
18.07.2005, 16:11, Text:
Michael Saager,
Michael Saager
[4 Kommentare]
Ventil, 141 S., EUR 9,90
Selbstverständlich muss ein Buch über Antifolk von Adam Green handeln. Nicht so sehr als Zugeständnis an die potenziellen Käufer des Buches. Nein, die Geschichte dieser subkulturellen New Yorker Musik- und Lebensspielart wäre einfach nur halb erzählt ohne den offenen Mundes in die Welt staunenden Wuschelkopf. Green erfand gemeinsam mit Kimya Dawson die Moldy Peaches, die Antifolkband schlechthin. Es wäre also dumm gewesen, kein Interview mit ihm in den Band zu nehmen. Zumal seine Antworten die jüngere Historie dieser losen Künstlerszene rund um das New Yorker Sidewalk-Café noch einmal anekdotisch bündeln.
Gleichzeitig ist Green seit seinem Album \"Friends Of Mine\" (2003), spätestens aber seit 2005 - seit \"Gemstones\", Suhrkamp-Bändchen und medialer Handreichung seiner Person von Schmidt zu Raab - für den Autor Martin Büsser eine Art Negativspiegelbild für all das, was Antifolk eigentlich sein will: Höchstens in den provokativen, mithin verstörenden Texten des Musikers ließe sich das Unfertige, der sympathisch rumpelnde Garagengeist, der \"geniale Dilettantismus\" des Antifolk noch herbeispüren. Greens jüngste Musiken hingegen erscheinen Büsser entweder allzu glatt poliert oder sie verheddern sich in der groß angelegten narzisstischen Geste: im Selbstbestreben nach \"maximaler Originalität\".
Büsser unterschlägt seine (politische) Einstellung zur (Pop-) Musik in seinem neuen Buch so wenig, wie er das in früheren Büchern - \"Antipop\", \"On The Wild Side\" - getan hat. Man könnte deshalb sagen, der Autor sei berechenbar. Aber wäre das ein Nachteil? Mir persönlich ist sein hartnäckiges Eintreten für ungeschliffene musikalische Kanten, sein permanentes Aufspüren von Brüchen und verschütteten Musikdiskursen im Pop sehr sympathisch. In diesen Komplex einer Suche nach Möglichkeiten (trotz oder wegen eines irre laufenden Kapitalismus) gehört auch Büssers Idee, dass Punk keine musikalische Genrefrage, sondern vor allem eine der Einstellung zu Musik und Gesellschaft sei.
So gesehen ist es nur konsequent, Antifolk, ausgehend von seinen Vorläufern - den Fugs, David Peel, Daniel Johnston, Beat Happening etc. - bis in die Gegenwart Jeffrey Lewis', Dufus' und Kimya Dawsons, als eine Art offene Punkszene zu beschreiben. Eine sympathische Szene: herzlich und kommunikativ aufgeschlossen, musikalisch ähnlich weit gefächert wie die US-amerikanische Punkszene in ihren Anfangstagen im CBGB's. Am Ende seines sorgsam recherchierten und unterhaltsamen Buches nennt Büsser Gründe der enormen Sympathie für Antifolk seitens des Publikums: \"Die Musik gibt einem das Gefühl sofortiger Teilhabe. Sie liefert keine Antworten, verzichtet auf Schlagworte und weist doch unmissverständlich darauf hin, nicht einverstanden zu sein. [...] Antifolk vermittelt das Gefühl, dass es zwar kein Außerhalb der Gesellschaft gibt, vielleicht aber ein Außerhalb der Macht.\" Das mit der Macht hätte Foucault sicherlich anders gesehen, aber das macht ja nichts.
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monii 18.07.2005 | 19:39:43
Adam Green war ihm aber doch angenehm als Coverboy ... das nenne ich mal konsequent!
grrr 18.07.2005 | 20:46:36
Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
na, wenigstens aus der moldy peaches
phase, noch dazu an seinem geburtstag!
monii 19.07.2005 | 09:13:52
Man sollte Künstlern nicht vorwerfen, dass sie sich weiterentwickeln. Was soll das übrhaupt heissen: Negativbeispiel für alles was Antifolk sein will? Soviel ich weiss ist Antifolk keine Musikrichtung, sondern nur eine Community von Leuten, die in diesem Lokal an bestimmten Abenden aufgetreten sind.





