Kathrin Groß-Striffler

Die Hütte

21.05.2005, 10:04, Text: Dörte Miosga, Dörte Miosga

Aufbau, 158 S., EUR 15,90

Die Studentin Johanna, Joanne genannt, bezieht irgendwo in Amerika eine kleine Hütte auf einer Farm, die der älteren Mrs. Burke gehört. Dort mistet sie die Ställe aus, kümmert sich um die Pferde und den Hof. Schnell wird klar, dass Joanne jeden Tag bis zum Umfallen arbeitet und die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Abends kommt die Angst, vor allem vor ihrem Mann Jim und davor, dass er sie finden könnte. Aber auch als sie weiß, dass Jim längst eine andere Frau geheiratet hat, wird die Angst nicht weniger. Und dann kommt eines Tages ein Päckchen, in dem ihre Mutter ihr alte Fotos schickt. Joanne rastet völlig aus, schlägt ihren Hund, tötet ahnungsloses Vieh und malträtiert sich selbst.

Was ist passiert, dass sie trotz totalen Rückzugs aus der menschlichen Zivilisation solche Qualen erleidet?

Mit dem Einzug in die Hütte taucht man zugleich in den Kopf der Protagonistin ein und erlebt die Welt eines zutiefst verletzten Wesens, das sich mit dem Erlebten abmüht: “Schlangen häuten sich, Menschen nicht”, weiß Joanne und kann nicht aus ihrer Haut. Aufatmen am Ende: Sie schafft den Schritt aus der Hütte und ihrem eigenen Psychodrama aus Angst, Verachtung und Wut. Nebenbei beurteilt die Anglistin Groß-Striffler, die den Alfred-Döblin-Preis für diesen Roman bekommen hat, damit das Verhältnis von Deutschen und Amerikanern, Deutschland und den USA: “She’s German”, sagt Jim über seine Frau, wenn er sie anderen vorstellt. Schon dadurch bleibt sie den Amerikanern fremd. Eine Auseinandersetzung mit der kriegerischen Vergangenheit, Sexismus und Rassismus stehen im Zentrum dieses intensiven und vielschichtigen Romans.



Artikel kommentieren
aus Intro #128 (Juni 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Dörte Miosga, Dörte Miosga
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.