S. Droschl, C. Höller, H. Wiltsche (Hg.)

Techno-Visionen. Neue Sounds, Neue Bildräume

21.05.2005, 10:04, Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Folio, 190 S., EUR 18,50

Vielleicht liegt das Wesen der kulturellen Praxis Techno genau darin, dass sie sich nicht festschreiben lässt und immer kontingent bleibt, dass sie ihre eigene Grenze darstellt und sich aufgrund ihres visionären Charakters beständig selbst in Frage stellen muss. Mit genau dieser Prozesshaftigkeit und der Doppelbedeutung des Wortes “Vision” setzt sich der vorliegende Band auseinander, der Beiträge, Überlegungen und Erkenntnisse versammelt, die in den letzten Jahren rund um Veranstaltungen im Grazer Medienturm gemacht wurden. Die AutorInnen ergründen dabei die vielfältigen Implikationen der Techno-Visionen aus verschiedensten Blickwinkeln.

So spekuliert David Toop beispielsweise über mögliche visuelle Musiken, Verena Kuni zerlegt das v. a. männlich geprägte Modell des Medienkünstlers, und Alexis Waltz spürt dem Noise rund um den Track nach. Spannend ist der Beitrag von Sascha Kösch, der bereits vor vier Jahren eine hier erstmals veröffentlichte Zukunftsvision wagte und mit der konstatierten Selbstdekonstruktion von Tracks durch die Beschaffenheit und Möglichkeiten ihrer Produktionsmittel ganz nah dran ist an den entscheidenden Paradigmenwechseln nicht nur von digitalen Sounds, sondern vom Umgang mit Musik generell.

Zwischen den Zeilen summiert sich zum Erkenntnisgewinn, dass der Begriff Techno viel zu eng gefasst ist, wenn er nur auf (Tanz-) Musik bezogen bleibt. Es geht viel eher um eine Strategie, um ein künstlerisches Verfahren im Einklang mit bestimmten technologischen Mitteln und vielleicht einigen Spritzern zukunftsorientierter Utopien a.k.a. Visionen. Insofern gibt der Band einen wichtigen Anstoß – und liefert einen weiteren Beitrag zur sich offensichtlich rapide beschleunigenden (Selbst-) Historisierung von Techno.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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