
David Foster Wallace
Der Besen Im System
02.02.2005, 16:08, Text:
Michael Saager,
Michael Saager
Was David Foster Wallace anbelangt, ist die Veröffentlichungspolitik des KiWi-Verlages zwar einigermaßen nachvollziehbar, aber dennoch ärgerlich. Vor allem, weil sein wichtigster Roman seit Jahren überfällig ist. Gemeint ist ›Infinite Jest‹ (1996), das dicke Ding von 1080 Seiten, in dem es u. a. um Tennis, Drogen und einen tödlichen Film geht: Wer den einmal gesehen hat, schaut ihn immer wieder und stirbt darüber, schlicht, weil er vergisst zu essen und zu trinken. In den USA gehört ›Infinite Jest‹ längst auf die Liste der big books, die jeder Anglistikstudent gelesen haben sollte. Seit dieser Veröffentlichung ist Wallace Träger eines beinahe Ehrfurcht einflößenden Rufes. Gewiss war es dieser Ruf, der den KiWi-Verlag Jahre später die Geschäftsöhrchen hat gerade stellen lassen.
Na gut, dachte sich der etwas enttäuschte Rezensent, dann wird jetzt wohl endlich – so Gott und der überarbeitete Übersetzer Markus Ingendaay wollen – ›Der Unendliche Spaß‹ erscheinen. Der KiWi-Verlag hingegen dachte sich offensichtlich: Nö, wir bringen jetzt erst Mal Wallace’ schwächstes Buch raus, dann ist das endlich vom Tisch, und Herr Ingendaay kann noch ein bisschen weiterfummeln. Was folgt daraus? Genau, nur noch knapp 1000 Zeichen für die Rezension eines Buches, durch das sich der Rezensent eher gequält hat, ha! Es heißt ›Der Besen Im System‹ und ist wie so viele ambitionierte Debüts nach dem Motto gestrickt: Erst wenn mein Koffer platzt, dann ist er voll. Was alles hat Wallace reingestopft? Zu viele Genres: Familienroman, Thriller, Medien- und Kapitalismussatire, Krimi, Nonsens-Fiction; zu viele Textsorten: innere Monologe, Therapie-Protokolle, Traumnotizen, Alltags-Erzählungen, Gebrabbel. Und vor allem viel zu viele Ideen, die entweder nicht zünden oder mächtig vor sich hin kalauern: ein Nymphensittich, der obszöne Sachen sagt; ein Protagonist namens Vigoros, dessen Libido nichts taugt, hoho. Die Rahmenhandlung – Urgroßmutter der Heldin, eine, hui!, Wittgenstein-Schülerin, verschwindet mit einem Großteil der Bewohner und Angestellten aus dem Altersheim – ist ohnehin nur Ausrede fürs manische, dramaturgisch konfuse Draufloserzählen. Allerdings verließ den Autor nach 624 Seiten plötzlich die Schreibwut – er kratzte sich am Dreitagebart und schrieb unvermittelt: »Ende«.
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