Uwe Schütte

Basis-Diskothek Rock Und Pop

06.01.2005, 15:39, Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Reclam, 232 S., EUR 5

Männer sammeln Platten, stellen Listen über Platten auf und widmen diese dann ihren Frauen: »Nur für dich, Antje!« heißt es bei Uwe Schütte. Da möchte man schon gar nicht mehr weiterlesen. Der Schwanzvergleich im Dienste der Kanonbildung hat in den letzten Jahren immer dreistere Formen angenommen – bis hin zum Tiefschlag des Rolling Stone im November 2004, dessen »500 beste Platten« den Rock-Konservatismus endgültig zementiert haben. Doch Schütte ist etwas anders. Neben dem üblichen, ebenso unerlässlichen wie unerquicklichen, männlich dominierten Kanon Beatles-Dylan-Doors tauchen bei ihm auch Fremdkörper auf: Yo La Tengo, Throbbing Gristle, Mouse On Mars und Bonnie »Prince« Billy unter die 100 besten Platten der Popgeschichte zu wählen zeugt von der selten gewordenen Erkenntnis, dass Bedeutung und Bekanntheit zweierlei Paar Schuhe sind.

Jede der hier ausgewählten Platten ist mit einem zwei- bis dreiseitigen Kommentar versehen worden. Diese Texte, nicht das Konzept des Buches, machen die eigentliche Qualität aus. Schütte gelingt es, selbst so abgegessenes Fallobst wie Van Morrison, Led Zeppelin und die Beach Boys noch einmal mit Anteilnahme und Gespür für historische Zusammenhänge zu würdigen. Und doch bleibt das Buch ein unterm Strich unbefriedigendes Unterfangen, das mal wieder die ständig reproduzierten Säulenheiligen aus der Vergangenheit auflistet und ab den 1990ern komplett ausdünnt. Dass die Gegenwart fast nur noch durch neokonservative Künstler wie Lambchop und Tindersticks vertreten ist, korrespondiert mit dem reaktionären Charakter solcher Listen, die von Jahr zu Jahr in fast deckungsgleicher Form unter die Weihnachtsbäume gekarrt werden.



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