
Magnus Mills
Zum König!
21.12.2004, 18:18, Text:
Michael Saager,
Michael Saager
Suhrkamp, 188 S., EUR 16,80
Auf die Frage, was bitte so komisch sein soll an der beschissenen Veranstaltung, die sich Leben nennt, würde der in London lebende Schriftsteller Magnus Mills wahrscheinlich antworten: das meiste, kommt bloß drauf an, wie schräg man draufschaut. Mills – hierzulande ist der Mann immer noch so etwas wie ein Geheimtipp – ist in seiner Heimat ein Star. Er gilt als Meister verquerer Dialoge, grotesker Situationen, anarchischen Wahnwitzes. In seinen beiden Romanen ›Die Herren Der Zäune‹ (2000) und ›Indien Kann Warten‹ (2002) zeigte er, wie das geht: die Beckett’sche Idee des seriösen Absurden mit dem nötigen Unernst – auch für gelegentliches pointiertes Kalauern ist Mills sich nicht zu schade – in ein charmant-trockenes, weniger intellektualistisch durchformtes Unterhaltungsformat zu packen. Auch sein jüngster Roman ›Zum König!‹ arbeitet sich fort an diesem Prinzip.
Mills’ namenloser Ich-Erzähler schätzt sein einsames Leben im surrealen Niemandsland auf der zugigen Hochebene. Zwar hat er weit entfernt lebende Nachbarn, aber Menschen braucht er eigentlich nicht. Ihm reicht es völlig, in seinem dunklen Blechhaus zu sitzen und dem Wind zu lauschen. Zu tun hat er auch: Tag für Tag weht zentnerweise Sand vors Haus. Den muss er wegschaufeln. Als eines Tages eine Frau namens Mary Petrie, die er eigentlich kaum kennt, mit den Worten »Also hier hast du dich die ganze Zeit versteckt« vor der Tür steht, sich kurzerhand einnistet, das herrlich karge Heim gemütlich macht und ihn alsbald mit ihren Launen und ihrem starken Willen beherrscht, zerbricht diese Utopie einsamen Friedens. Jedoch, eine neue Utopie wird an ihrer Stelle errichtet: die Suche nach dem Glück in der größeren Gemeinschaft. In der zweiten Hälfte des Buches – das in seiner ersten trotz der wundervoll ins Leere laufenden Kommunikationsversuche der Protagonisten und einiger subtiler Wendungen vielleicht doch ein wenig handlungsarm ist – geht es um das absurde Panorama einer Stadt aus Blech, die in einem Canyon errichtet werden soll. Seine Sogkraft bezieht der Roman hier aus der so mysteriösen wie charismatischen Figur Michael Hawkins. Als eine Art weltlicher Messias will er die Menschen näher zusammenbringen. Mills, so viel sei verraten, lässt diese Utopie an der unvorhergesehenen Dynamik des Sozialen, an Egoismen und nicht zuletzt an Machtfragen zerschellen. Und irgendwie ist das nun wieder, so wie es sich liest, zutiefst beruhigend.
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