And It Don’t Stop HipHop
17.09.2004, 14:35, Text:
Hannes Loh,
Hannes Loh
Photography By Mika. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 320 S. / 300 Abb., EUR 49,90
Erst kommen die Platten, dann die Bücher und schließlich die Bildbände. Jugendbewegungen, die fett und schwer im Zenit ihres Erfolges hängen, werden von vielen Händen seziert, weil man die Hoffnung nicht aufgibt, wühlend irgendwann auf den Grund der Faszination zu stoßen. Und wenn’s ans Fotografieren geht, sind schnell die Paparazzi da, die schonungslos draufhalten. Rapper sind in ihrem machohaften Gepose ohnehin ein gefundenes Fressen, und was es bisher an Starfotografie auf diesem Gebiet gibt, ist nicht schön anzusehen. Schon deshalb muss man Mika Väisänen für seine Arbeit dankbar sein.
Väisänen nähert sich seinen Motiven nicht aus einem voyeuristischen Interesse. Da er selbst leidenschaftlicher Fan ist und seit acht Jahren als HipHop-Globetrotter von Jam zu Jam, von Battle zu Battle reist, präsentiert er uns einen sehr persönlichen Blick auf eine Szene, eine Kultur, die ihm ans Herz gewachsen ist. Mal schaut Väisänen den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter, mal fängt er eine natürliche, gelassene Geste ein, mal ein neckisches Mimenspiel. Das typische Auf-dicke-Hose-Rumposen gibt’s bei ihm nicht. Deshalb wirkt dieser Bildband auch so intim und unmittelbar – ein fast unheimlicher Kontrast zu den gängigen Inszenierungen der Männer- und Frauenkörper in den Musikvideos. Väisänen hat sie alle getroffen: von Granmixer DST bis Jay-Z, von Double Trouble bis Biz Markie. Dazu kommen jede Menge Überraschungen. Aaliyah ist ebenso zu sehen wie Blade, Rakim oder die Gravediggaz. Viele der Fotos sind in Deutschland entstanden, viele in New York, und Toy Touch wurde sogar in Tokio abgelichtet. Väisänen stellt jedem seiner Fotos einige Zeilen zur Seite, die den Entstehungskontext und die spezielle Situation des Zusammentreffens beleuchten. Das ist nicht nur interessant und belebend, sondern auch witzig. In Hamburg z. B. traf Väisänen Public Enemy; während des Konzertes saß ein Mädchen gelangweilt auf einem Barhocker und gähnte. Chuck D rief: »Musik aus! He du da! Warum bist du überhaupt gekommen?« – dann rockten PE weiter. Ein rundum gelungenes Werk, das tolle Fotos mit netten Anekdoten verbindet. Das Sahnehäubchen ist dann noch ein sechsseitiger autobiografischer Text von KRS One. Und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte die 49 Euro sogar alleine für diese Zeilen ausgegeben!
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