Wie Man Leben Soll
21.04.2004, 15:52, Text:
MichaelMKrumbein,
MichaelMKrumbein
dtv, 240 S., EUR 14,-
Ist man Teenager und hat den 18. Geburtstag noch vor sich, tendiert man dazu, das Erwachsensein zu glorifizieren. Führerschein und die Aussicht darauf, nicht mehr alle Erziehungsversuche der Eltern ertragen zu müssen, lassen einen darauf hoffen, dass einem das tolle und ereignisreiche Leben erst noch bevorsteht. Die Realität sieht aber anders aus: »Erwachsen zu sein bedeutet nicht, freie Entscheidungen treffen zu dürfen. Erwachsen zu sein bedeutet, freie Entscheidungen treffen zu müssen.« Dies ist eine Erkenntnis, die der Protagonist in Thomas Glavinics Roman ›Wie Man Leben Soll‹ gewinnt.
Woher das Geld nehmen, mit dem man seinen Studentenstatus aufrechterhalten will? Was will man eigentlich mit seinem Studium später mal anfangen? Wie bekommt man die Frau, die man haben will, bzw. wie wird man diese dann auch wieder los? Fragen über Fragen, deren Beantwortung dem übergewichtigen und verpickelten Karl Kolostrum einiges abverlangen: Kolostrum verschuldet ungewollt den Tod zweier Verwandter und wird von seinen Bekannten zur Arbeit als Taxifahrer sowie zum Treffen mit Swingerpärchen genötigt. Kolostrum versucht aus all dem wenigstens etwas Positives, nämlich Lebensregeln, abzuleiten. »Merke: Wenn man sich freut, sollte man abwarten, irgendein dickes Ende findet sich bestimmt.« Nicht alle Regeln sind auch für den Leser hilfreich, fast alle Episoden aber, die zu ihnen führen, sind ungemein unterhaltsam. Die Tatsache, dass dem Roman ein Spannungsrahmen fehlt, macht Glavinic durch seinen Wortwitz und seine pointierte Sprache wett. Einziger Wermutstropfen: Der medienkritische Schlenker in die Gegenwart zum Ende des Romans ist doch arg konstruiert.
Artikel kommentieren