Elisabeth
03.02.2004, 15:50, Text:
Sonja Eismann,
Sonja Eismann
(Rogner & Bernhard, 212 S., € 15)
Jahre, bevor Eric Rohmer zu einem der
einflussreichsten Vertreter des französischen
Autorenkinos werden sollte, veröffentlichte er 1946 im
Pariser Verlag Gallimard unter dem Pseudonym Gilbert
Cordier seinen einzigen Roman: ›Elisabeth‹. 1950
legte sich der 1920 in Nancy als Jean-Marie Maurice
Scherer Geborene das uns bekannte Alias zu, unter
dem er die renommierten Cahiers du cinéma
mitbegründete und so gefeierte Filme wie die Six
contes moraux, den Jahreszeitenzyklus, ›Der Freund
Meiner Freundin‹, ›Das Grüne Leuchten‹ und
unzählige andere von älteren BoBos und jüngeren
Tocotronic-Fans beklatschte Meisterwerke schuf.
Während man diesen vom rührigen Rogner&Bernhard-
Verlag erstmals auf Deutsch herausgegebenen Band
liest, lässt sich die Suche nach der Leinwand im Buch
nicht vermeiden, denn als Rohmer-Fan ist es schlicht
unmöglich, diesen Text nicht vor dem Hintergrund
seines späteren Schaffens zu rezipieren. Und es wird
auch praktisch sofort klar, dass hier der Ausdruck
seiner Filme in einer Nussschale schaukelt: in der
Dialoglastigkeit, dem Nicht-Fokus auf klassische
Progression der Handlung, dem egomanen Zaudern
der Figuren. Die Handlung, in und um eine Kleinstadt
in der Nähe von Paris kurz vor Ausbruch des Zweiten
Weltkriegs angelegt, kreist um den jungen Ingenieur
Michel, der Zweifel an der bevorstehenden Heirat mit
der etwas älteren Irene hat, und den leichtlebigeren
Bernard, der in Paris studiert und sich seine Zeit mit
Planschen im nahe gelegenen Fluss vertreibt. Die
ProtagonistInnen, darunter eine ausgelassene Studi-
Clique aus Paris, werden in alltäglichen (Gesprächs-)
Situationen gezeigt; die einzige Person, über deren
Innenleben man ansatzweise etwas erfährt, ist Michel.
Der besitzt schon die Tugend, die Rohmers Filme
auszeichnet: Er ist als Protagonist deutlich
unsympathisch und nabelschauend auf seine eigenen
Gefühlszustände konzentriert. Meistens bleiben die
gezeichneten Figuren in ihren Dialogen jedoch
merkwürdig zweidimensional und leer. So wünscht
man sich die animierte Bildebene mit Tonfall, Blicken
und Gesten unbedingt dazu und weiß nicht, ob der
sterile Erzählduktus dem dräuenden,
hyperformalistischen Nouveau Roman geschuldet ist
oder eben doch der Tatsache, dass Rohmers Medium
der Film ist.
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