Voodoo Stew
21.01.2003, 16:40, Text:
Felix Klopotek,
Felix Klopotek
(Verbrecher Verlag, 197 S., EUR 14)
Die Texte in “Voodoo Stew” sind zweisprachig auf jeweils gegenüberliegenden Seiten gesetzt. Links das Original (natürlich englisch), rechts die sehr geschmeidige Übersetzung. Weil die deutschen Übersetzungen englischer Texte immer etwas länger ausfallen, gibt es den unschönen Layout-Effekt, dass am Ende der Texte links nur noch leere Seiten stehen, während rechts die deutsche Fassung fortläuft. Genauso unausgewogen wie den Satz muss man sich auch die Texte und ihre Auswahl des bald 50jährigen Exil-New-Yorkers Darius James vorstellen: Die Zusammenstellung wirkt unvermittelt, die Texte selbst fragmentarisch, unambitioniert, dann wieder großmäulig, hyperrealistisch und detailverliebt.
Wer sich nicht direkt mit diesem Schreib- und Denkstil anfreundet, wird beim Lesen nicht über das erste Kapitel hinauskommen. Der afroamerikanische Autor
Darius James, bekannt durch seinen Roman “Negrophobia” und als Autor von “Spin”, “Vibe” und “Village Voice”, legt mit “Voodoo Stew” eine erste Auswahl unveröffentlichter Essays vor, eine zweite soll bald folgen. So eckig, unjournalistisch und auch unliterarisch seine Texte auch erscheinen mögen, sie besitzen einen eigentümlichen Rhythmus, einen mal verschwiegenen, mal direkt ausgesprochenen Kern, der letzten Endes dafür sorgt, dass sie doch witziger, überraschender und radikaler sind, als das, was man sonst unter Popliteratur und Gonzojournalismus versteht. James führt einen subversiven Kampf gegen Essentialismen: “Afro-Pride-Typen sind nicht viel besser als dumme, reaktionäre Weiße.” (Und trotzdem ist seine Ironie gegenüber Afro-Chic immer auch affirmativ!) Er interessiert sich für die Beziehung zwischen Klassenunterdrückung und Rassismus und analysiert stets in seiner idiosynkratischen, bewusst inkonsequenten Methode aus Selbstdenkertum, Respektlosigkeit und hemmungslosem Subjektivismus die Hybridität von Kultur. Wie weiß ist eigentlich schwarze Musik? Und was könnte das für eine Popkultur der Befreiung bedeuten? Aber bitte nicht falsch verstehen: James ist kein Linksliberaler, er setzt auf die zukunftsoptimistische Solidarität der Unterdrückten. In der Reportage über den Film “From Hell” gibt der armenisch-afroamerikanische Regisseur Albert Hughes zu Protokoll: “Die Niggas in Amerika sind eine Schöpfung ihrer Umgebung. Es ist nichts Greifbares. Das einzige, was greifbar ist, ist das, was dabei heraus kommt. Außer, dass wir vielleicht irgendwann mal aus Afrika kamen, aber da gehe ich nicht wieder hin zurück. Das Auftreten und das, was cool ist, ist synthetisch und es ist in Amerika beheimatet, es ist indigen.” Darauf James: “Mit anderen Worten: indigen, weil wir etwas Neues sind, Menschen, die dabei sind, eine neue Kultur zu schaffen...”
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