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Lauryn Hill live

So war’s in Mülheim: Sackgasse im Rock

30.01.2012, 15:51, Text: Christian Steinbrink, Foto: Promotion

Nachdem der Auftritt von Lauryn Hill in Berlin zum Desaster geriet, war zumindest der Sound zwei Tage später in Mülheim einwandfrei. Trotzdem hatte die sechsfache Mutter ein paar Entscheidungen getroffen, die ihren Hits nicht wirklich gut bekamen.

28.1.2012, Mülheim, RWE-Halle

Die gute Nachricht zu Beginn: Ein Desaster wie kurz zuvor in Berlin war der Gig von (mittlerweile) Ms. Lauryn Hill im kleinen Mülheim nicht. Der Sound war eben so gut, wie es in einer sonst ziemlich schmucklosen und eher für Sportveranstaltungen bekannten Turnhalle wie der RWE-Halle geht. Sowohl zu Beginn, als DJ Rampage eine Stunde lang ein ziemlich sinnfreies, nichtsdestotrotz aber groovendes Warm-up-Set mit vielen HipHop-Klassikern der 1990er bot. Und auch danach, als eine überdimensionierte Band eine schrille Soundkulisse für die nach wie vor umwerfende Stimme Hills baute. Damit sind aber auch schon die Gründe angedeutet, weswegen Hills Gig den hohen Erwartungen der vielen Fans ihres Albumklassikers »The Miseducation Of…« von 1998 nicht gerecht wurde.


Das Album bestach seinerzeit durch einen sehnigen Soul-Sound, der sich sowohl an R’n’B als auch an die Friedfertigkeit der Native Tongue-Bewegung anlehnte. Von dem daraus resultierenden Vibe war am Samstag in Mülheim nichts zu spüren. Schon das Intro mit dem Roberta Flack-Cover und alten Fugees-Hit »Killing Me Softly« und dem Hills Solohit »Everything Is Everything« ging in einem überladenen, ziemlich rockigen und viel zu schnellen Arrangement unter, so dass auch die großartige Stimme Hills und ihre messerscharf performten Rap-Parts nicht mehr viel retten konnten. Was in den nächsten knapp zwei Stunden folgte, war im Prinzip ein einziger Jam von zwei Gitarristen, einem Schlagzeuger mit Minderwertigkeitskomplex und weiteren hoffnungslos überfrachteten Sound-Schichten. Lauryn Hill als Performerin (mit kurz geschorenem Haar und dunklem Mantel aus Fellimitat) konnte man nichts vorwerfen, ihre Einsätze waren groß wie anno dazumal und hätten mit zurückgenommeneren, souligeren Arrangements sicher perfekt funktioniert. Ihre Entscheidung für eine an saturierte Broadway-Shows erinnernde Big Band war aber sicher die Falsche, daran änderten auch die im Set enthaltenen und vorher kaum für möglich gehaltenen Fugees-Hits nichts. Dass Ms. Lauryn Hill sich aber nicht wieder so lange zurückzieht und schon bald die Kurve zum Besseren bekommt, kann man hoffen. Fitt und bei Stimme ist sie jedenfalls. Zumindest das zeigte ihr Gig deutlich.  

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