THE BLACK KEYS LIVE
So war's in Berlin: Blues-Rock und Blessuren
30.01.2012, 15:06, Text:
Maja Schäfer, Foto: Jörg Kröger
Nachdem die Europa-Tour letztes Jahr kurzerhand abgesagt wurde, gab es in Berlin nun endlich die Chance das sagenumwobene US-Duo The Black Keys live zu erleben – Zumindest wenn man sich schnell genug um ein Ticket gekümmert hatte, denn die 7.500 Menschen fassende Arena verkündete schnell: ausverkauft!
28.01.12, Berlin, Arena
In ihrem über 10 jährigen Bandbestehen entwickelten sich The Black Keys vom authentisch-rauen Bluesrock-Geheimtipp zum Stadien füllenden Everybody’s Darling. 2010 brachte mit dem sechsten Album »Brothers« den Durchbruch samt drei Grammy Awards, 2011 mit »El Camino« eine regelrechte Hysterie – und das trotz bewusst zur Schau getragener »fuck everything«-Attitüde, dem Fehlen optischer Vorzüge und ihrem archaischen Faible für Vintage-Instrumente, sowie Aufnahmesessions im eigenen Kellerstudio. Spanier, Holländer, Schweden und die Fans all der anderen Nationen, die das Duo während ihrer Tour nicht beehrt, scheinen heute den Weg nach Berlin auf sich genommen zu haben und stehen nun dicht gedrängt beieinander. Könnte friedliche Sozialutopie sein, ist in Wahrheit ab der ersten Minute eher Misanthropie fördernder Kleinkrieg, inklusive Drängeln, Schubsen und Fluchen auf Sprachen aller Herren Länder. Die (sonst) großartigen Portugal.The Man gebieten dem Gezeter kurz Einhalt und machen den Anfang, haben es sich an diesem Abend aber offensichtlich nicht zum Ziel gesetzt neue Fans dazuzugewinnen. Sänger John Gourley versteckt sich während des gesamten Auftritts hinter Daunenjacke und ins Gesicht gezogener Kapuze und wirkt dadurch noch unnahbarer als sonst. Anhänger der Indie-Rocker aus Alaska warten vergeblich auf bekannte Singles, abgesehen von »People Say« beschränkt sich die Songauswahl beinahe ausschließlich auf unbekanntes Material, langsame Tracks und Coverversionen. Die Stimmung bleibt entsprechend verhalten.
Im Anschluss betreten The Black Keys mit »Howlin‘ For You« die Bühne, das Stehen in den vorderen Reihen wird schnell zur Nahtoderfahrung.
Fotostrecke:The Black Keys live, Hamburg 2012
1) Sänger und Gitarrist Dan Auerbachs Stimme ist live so fantastisch und wandelbar wie auf Platte. Man kann kaum glauben, dass sie zu einem schmächtigen Hellhäutigen gehört, dessen Geburt ihn 50 Jahre von Tin Pan Alley-Zeiten trennt.
2) No offense, aber Drummer Patrick Carney erinnert an eine Mischung aus Dr. House und missgelauntem Nagetier und verspielt jegliche Sympathiepunkte als er dem Publikum bei Applaus des Öfteren den Rücken zuwendet oder mit dem Soundtechniker diskutiert. Weshalb man sich strotz seines virtuosen Schlagzeugspiels schnell wieder auf Punkt 1 konzentriert.
3) Die Bühnenaufmachung besticht durch riesige, kunstvoll arrangierte Scheinwerfer, Leinwände, die geschmackvolle Super-8-Filme zeigen und einzelnen Glühbirnen, die effektvoll eingesetzt werden, um Auerbach oder Carney zu beleuchten.
4) Keyboarder und Bassist sind auch noch anwesend, werden aber von dem unter 3) genannten Bühnenequipment so gut wie nie illuminiert und liegen daher außerhalb des Aufmerksamkeitsradius.
Nach 19 Songs, sowie den Zugaben »Everlasting Light« (hierbei wird passenderweise eine riesige, goldene Discokugel von der Decke herabgelassen), »She’s Long Gone« und »I Got Mine« werden 7.500 verschwitzte Zuschauer in die Hauptstadt entlassen. Die Blessuren sind schnell vergessen, das Gefühl, eins der besten Konzerte des begonnenen Jahres erlebt zu haben, bleibt.
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