Woodkid live auf dem Eiffelturm - So war's in Paris: Satellite Of Solitude Artikelbild (groß)

Woodkid live auf dem Eiffelturm

So war's in Paris: Satellite Of Solitude

27.01.2012, 16:11, Text: arno raffeiner

Im Zuge der »Special Engagements«, einer gemeinsamen Initiative der Unternehmen Dell und Intel, trat der Künstler Woodkid vergangenen Dienstag auf dem Eiffelturm auf...

24.01.12, Paris, Eiffelturm

»Oh, satellite of love...«, flötete einst Lou Reed in den höchsten ihm möglichen Tönen. Yoann Lemoine wird vermutlich etwas weniger zärtliche Gefühle für moderne Kommunikationstechnologie hegen. Einer der zahllosen Satelliten da oben und dessen vom Sonnensturm geplagte Antennen vermasseln Lemoine gerade seinen bisher wohl größten Live-Auftritt: ein Konzert, das vom so intimen wie edlen Ambiente der Salle Gustave Eiffel in Paris aus via Stream die ganze Welt erreichen sollte. Es könnte eine der atemberaubenden Einstellungen aus Yoann Lemoines Videos sein, ein Bild für Verzweiflung oder für eine elitäre Art von Einsamkeit: Hoch über der Metropole, auf einem stählernen Ungetüm, das selbst wirkt wie eine gigantische surreale Sendeanlage, hat unser Held keinen Empfang. La Tour Eiffel ist an diesem nebligen, regnerischen Wintertag auch ein bisschen Elfenbeinturm. Lemoine ist ein Großmeister der Inszenierung. Seine Videos für Moby, Lana Del Rey oder seine französischen Freunde The Shoes erschaffen eine Atmosphäre diffuser Gefühligkeit und können scheinbar nie opulent genug, niemals zu perfekt sein. Für seinen eigenen Auftritt als Woodkid hat er sich für die Macht der Schlichtheit entschieden. Die Show ist er selbst, das Trademark-Käppi leicht schief auf den Kopf gesetzt. Keine Videoprojektionen, kein visuelles Klimbim.


Der Ärger über die Unzulänglichkeit der Technik ist Lemoine unterschwellig anzumerken, wenn er seine Woodkid-Songs beim fünften Termin der Konzertreihe Noisey Special Engagement also exklusiv vor einem Publikum von rund 250 Auserwählten vorträgt. Aber auch für die legt er sich ins Zeug. Er fährt gleich zwei Drummer mit großer Pauke plus einen Beatboxer auf, eine Bläsersektion und jede Menge Pianoklänge. Er lässt seine eigentümlich näselnde Stimme in den blau erleuchteten, von Purpurteppich ausstaffierten Saal schmeicheln. Und als besonderes Bonbon für seine französische Heimat bringt er neue Songs vom Woodkid-Debütalbum mit, das längst heiß erwartet wird und noch nicht mal komplett im Kasten ist. Vor dem Auftritt hat er erzählt, dass es ein Werk über das Sehnsuchtszeitalter wird: über Kindheit und Jugend und den Verlust der eigenen Unschuld. »The Golden Age« soll es heißen.

Für den Rest des Abends in Paris ist allerdings noch ein wenig goldener Käfig angesagt. Die triumphalen Blechbläserfanfaren des Songs »Iron« – der Höhepunkt der Show – erinnern wieder daran, dass der Eiffelturm zum exklusiven eisernen Gefängnis wurde. Sieben Kameras, ein eigens aus London angereister riesiger Ü-Wagen plus ein Sattelschlepper voll Equipment vor dem Ostpfeiler, das knapp dreißigköpfige Technikteam seit Tagen im Einsatz. Nur leider wollen die Bilder in diesem Moment nicht hinaus in die Welt. »Things like that drive me out of my mind«, sang Lou Reed einst im Satellitensong.



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