La Dispute live
So war's in Köln: Erfolgreich im Streit
17.01.2012, 17:15, Text:
Christian Steinbrink
Die wahre Schule des Hardcore fängt naturgemäß dann an, die Stirn zu runzeln, wenn Indie-Fans beginnen, sich für ihre Lieblingsbands zu begeistern. Jüngster Fall: La Dispute aus Grand Rapids. Im ausverkauften Kölner Underground konnte das Quintett aber noch einmal alle Grüppchen auf sich vereinigen.
16.01.12, Köln, Underground
Bislang machten La Dispute immer die Ochsentour jeder stolzen Hardcore-Band durch: im Vier-Band-Paket durch die Juzes tingeln, Matratzenburgen und vollgepackte Lieferwägen. Seit sich das Fachmagazin Visions ihrer angenommen und ihr zweites Album »Wildlife« seiner Novemberausgabe beigelegt hat, ist alles anders. Das US-Quintett hat Fans aus allen Spielarten harter Gitarrenmusik hinzugewonnen und gilt 2012, acht Jahre nach ihrer Gründung, als das heiße Ding der Stunde. Die Hotelzimmer für Hurricane und Southside sind schon gebucht, vorher geht es aber noch einmal durch die Clubs, die wenigstens noch eine Ahnung davon vermitteln, wie es einstmals war. Selbstredend alle ausverkauft, und Tickets kosten bei eBay über 60 Euro.
Im Underground bringen sie, guter alter Tradition folgend, mit den Former Thieves und Cannoneer noch einmal zwei Bands mit, die in ihrem Fahrwasser ein paar neue Anhänger einsammeln können. Der absolute Fokus liegt natürlich trotzdem – anders als bei früheren Tourneen – auf La Dispute. Und die fühlen sich sichtbar geehrt. Köln ist der erste Termin einer mehrwöchigen Tour, deshalb ist das Interesse, das der Band um Sänger Jordan Dreyer entgegenschlägt, sicher überwältigend. Auch, weil das Publikum nicht weniger energetisch feiert als früher in den Juzes. Gerade die ersten Reihen sind in ihrer Agilität erstaunlich textsicher, so dass Dreyer sich in Rockstar-Posen üben und das Mikrofon Fans unter die Nase halten kann. Seine Band lässt ihm dafür alle Freiheiten, so gut und sicher kommen selbst die schwierigen, herrlich vertrackten Rhythmuswechsel der aktuellen Songs, die all denen eine lange Nase ziehen, die meinen, zeitgenössischer Hardcore sei eigentlich ziemlich einfältig.
Glücklicherweise haben La Dispute auch nicht das Gefühl, nicht mehr zu ihren Texten und Ambitionen Stellung beziehen zu können. Immer wieder findet Dreyer ein paar ernste Worte, auch auf die Gefahr hin, den Flow der Show zu durchbrechen. Aus seinen Ansagen dingt Dankbarkeit und sympathische Demut. Auch live zeigt sich, dass La Dispute in diesen Monaten an ihrem Höhepunkt angekommen sein müssen und nicht schon darüber hinaus sind, wie eingefleischte Teile ihrer Szene kritteln. Ihre Show dauert mit Zugaben eine gute Stunde, genau richtig, um gleich danach schon Lust auf den nächsten La Dispute-Gig zu haben.
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