Rangleklods, Vinnie Who & Treefight For Sunlight live
So war’s in Köln: Lauter Dänen
16.12.2011, 13:21, Text:
Christian Steinbrink
Die Dänen kommen und bringen drei ihrer hoffnungsvollsten Acts mit. Wie so oft in Skandinavien tut man gut daran, diesen Empfehlungen sein Ohr zu schenken. Christian Steinbrink prüft.
14.12.12, Köln, Stadtgarten
Ist Popmusik förderungswürdig? Und wie lohnend ist es für einen Nationalstaat, in die heimische Popszene zu investieren? Fragen, die mittlerweile ganze Panels beschäftigen, und die mehrere andere europäische Länder für sich schon mit »ja« beantwortet haben. Zumal sie sich dadurch die Möglichkeit eröffnen, auch Acts zu unterstützen, die nicht ganz klar nach Schema F den Massenerfolg suchen. Ein Beispiel dafür, wie man solchen Fördermaßnahmen eine angemessene Struktur geben kann, liefern die Dänen. Sie veranstalten im Sommer ein Festival namens »Spot« in Aarhus, auf dem vornehmlich heimische Acts spielen, laden ein paar Journalisten, zum Beispiel aus Deutschland, ein, und bitten sie darum, ihre Einschätzungen zu den gesehenen Bands abzugeben. Daraus ergibt sich dann ein kunterbuntes Line-Up wie das des ersten »Spot On Denmark«-Festivals im deutschen Westen in Köln. Drei Acts, alle jung, drei unterschiedliche Stile, und alle drei auch noch vielversprechend. Der Opener des Abends, Treefight For Sunlight, ist unter den dreien die einzige Band, die schon einen Albumrelease hierzulande vorzuweisen hat. Ihr selbstbetiteltes und auf dem Traditionsindie Bella Union erschienenes Debüt geht hübsch spielerisch mit aktuellen Folk-Stömungen um, live klingen die Treefighter an diesem Abend doch etwas glatter als erwartet. Herausragend ist mit Sicherheit ihr mehrstimmiger Harmoniegesang, der in manchen Momenten sogar an die Fleet Foxes denken lässt, und ein gelungenes Cover des schwierigen Kate Bush-Hits »Wuthering Heights«. Nicht nur deshalb kann man dieses Quartett im Auge behalten, auch wenn das Genre gegenwärtig richtiggehend vollgestopft zu sein scheint.
Vinnie Who als Mittel-Act entpuppt sich schnell als das unerwartete Highlight des Abends, das sogar noch Luft nach oben besitzt. Die Band um den schon in jungen Jahren mit einer Menge schmierigem Glam ausgestatteten Niels Bagge mag in ihren Videos ziemlich cheesy rüberkommen, live entpuppt sich ihre Musik aber als unwiderstehlich groovende Mischung aus Whitest Boy Alive, Hercules & Love Affair und den Bee Gees. Treibender und discoider Indie-Funk, dessen Performance sogar noch schillernder werden könnte.
Nach diesem den gesamten Stadtgarten begeisternden Auftritt bleibt für Rangleklods leider nur Brosamen übrig. Immerhin schafft es der Produzent, der mit weiblichem Sidekick auftritt, mittels seines Sounds, eine düster-verklebte Atmosphäre aufzubauen. Während der Electro-Sound grell geschminkt an eine Mischung aus Oh Land, Miss Kittin und diverse subtilen Kompakt-Acts wie The Field erinnert, tänzelt Rangleklods selbst wild hinter seinen Armaturen herum und sieht im weiten weißen T-Shirt aus wie ein auflegender Mike Skinner. Potenzial hat dieser Sound ganz bestimmt, er verblasst an diesem Abend aber hinter den klaren Gewinnern: Vinnie Who!
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