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Alexi Murdoch live

So war’s in Köln: Schottischer Advent

09.12.2011, 14:58, Text: Christian Steinbrink

Nick Drake ist leider schon lange tot, und Leonard Cohen ist auch zu alt, um seine Songs regelmäßig im Konzert darzubieten. Gut, dass es in Alexi Murdoch ein ohne Übertreibung gleichwertiger Ersatz jetzt öfter auf europäische Bühnen schafft.

8.12.11, Köln, Kulturkirche

Die Macht von Stille ist dermaßen vielbeschrieben, dass es einem ziemlich ärgerlichen Klischee gleichkommt, wenn man das heute immer noch tut. Eigentlich eine unbestreitbare Einsicht. Aber dann sitzt man in einer Kirche und hört ein Alexi Murdoch-Konzert, und, was soll man sagen? Alle Erwägungen gegenüber Klischeehaftigkeit oder auch nicht verlieren ihre Bedeutung. Weil sie nur wie Geplapper wirken, während die Songs Alexi Murdochs Zauberei gleichen. Zumal dann, wenn sie in so einem Setting klingen dürfen, wie an diesem Abend in Köln.


Die Kulturkirche hat sich in den letzten Jahren zu der Kölner Spielstätte für die besonderen Konzerte gemausert. Das führte dazu, dass die Termine dort so populär wurden, dass sie regelmäßig ausverkauft waren und ihre Besonderheit ein wenig einbüßten. So weit ist Alexi Murdoch noch nicht, schade für ihn, Glück für uns. Bei seinem Konzert dürfen die Kirchenbänke stehenbleiben, und die nur etwa 250 Fans haben Sitzplatz, um ihm beim musizieren zuzusehen.

Der Schotte hat für seine aktuelle Tour mal wieder auf eine Band verzichtet. Er ist aber ohne Zweifel einer Künstler, die eine Bühne ganz für sich allein tragen können. Das liegt an seiner außergewöhnlichen und sanften Stimme, die zusätzlich noch durch einen verwaschenden, manchmal gar nicht so nötigen Filter tönt, und an seinen virtuosen instrumentellen Fähigkeiten. Er spielt an diesem Abend nicht nur akustische und halbakustische Gitarre, sondern auch ein unorthodox aussehendes Harmonium und Klavier. Er steht oder sitzt im Dunkel vor dem Altar der Kirche, die Songs seiner beiden Alben klingen, und alles wird ganz ruhig. Es ist nicht so häufig zu erleben, dass etwas, das so klamm und reduziert ist, so eine starke Aura besitzt. Dieser Alexi Murdoch-Gig könnte ein perfektes Adventskonzert bei Kerzenschein sein, wären seine Songs ein wenig jenseitiger. Aber egal ob gläubig oder nicht – diese Lieder wirken. Sie wirken so stark, dass die Aufmerksamkeit der Zuhörer einer atemlosen Stille gleicht, die sich, ganz dem perfekten Klischee entsprechend, in aufbrausenden Ovationen entladen.

»Nick Drake, Leonard Cohen, Alexi Murdoch – eine Linie. Große Namen, aber auch ein ebenso großes Folk-Album. Klare Stimme, klamme Arrangements, paradiesische Songs.« So beschrieb ein Intro-Autor Murdochs aktuelles Album »Towards The Sun«, und das ist nicht zu hoch gegriffen. Murdoch gehört zu den wenigen Songwritern seiner Generation, die der Stille ihre Macht zurückgeben können. Das macht nicht zuletzt dieses Konzert klar. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich diese Einsicht auch in der breiten Öffentlichkeit durchsetzt.

Termin Pop-Abo mit Alexi Murdoch
01.06.2012 Dortmund, Konzerthaus » Details | Merken | Tickets | Anreise

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