The Antlers live
So war's in Berlin: Falsche Freunde
28.11.2011, 13:37, Text:
Marius Gutowski
[2 Kommentare]
Die Antlers beehren Berlin und vergessen das Publikum mitzunehmen. Eine Odyssee durch Gitarren-Feedback, Theatralik und nie endenden Falsetto-Gesang.
25.11.2011, Berlin, Magnet
Die Stille während der Songs ist für eine Vorband beeindruckend bedächtig: Dry The River aus London geben an diesem Abend im Magnet den Support für die Antlers. Dabei verrät die Bezeichnung Vorband nur die halbe Wahrheit. Selten war der Applaus für einen Support dermaßen tosend. Und das, obwohl die Briten mit Innovationen geizen. Der mehrstimmige Gesang, die klagende Gitarre, gepaart mit einem rudimentären Schlagzeugspiel, man kennt es bereits. Was fehlt ist Essenz. Die Songs und Melodien besitzen nicht die Strahlkraft von Genregrößen wie den Fleet Foxes und so zieht sich ist der lauwarme Spuk unnötig in die Länge, bis die Antlers Dry the River ablösen.
Geschlagene 48 Minuten dauert es dann, bis deren Frontmann Peter Silberman seine zittrige Stimme zum ersten Mal Richtung Publikum erhebt. Berlin sei die beste Stadt der Welt und das Publikum sowieso ganz und gar »awesome«. Es liegt an der Affektiertheit des kleinen Mannes da vorne am Mikrofon. So gern man ihm diese Worte abkaufen möchte, es geht nicht. Die auf der Bühne zu einem Quartett gewachsene Band aus Brooklyn spielt ein Set, das sich in erster Linie selbst abfeiert. Da wird das Tempo permanent verschleppt, jeder Song zu einer kleinen Postrock-Oper ausgebaut und mit unnötigen Gesten wie der Pistole-an-die-Schläfe angereichert. Falsche Selbstbeweihräucherung an Effektpedalen, Loop-Maschinen und Vintage-Synthesizern. Stark sind die Vier aus Brooklyn nur dann, wenn sie ihren Lo-Fi-Hymnen Raum lassen. Wie bei »Corsicana«, das Silbermann mit seltener Hingabe und nur von der Gitarre begleitet in die hinterste Ecke des Magnet trägt. Es bleibt eines der wenigen Highlights des Abends und man wird das Gefühl nicht los, dass hier eine Band vorspielt, die sich in erster Linie selbst im Weg steht.
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01.12.2011 | 13:29:21
schon sehr gespannt dry the river & the antlers heute in köln zu sehen. interessanter nebenaspekt zur konzertnachlese berlin: beim haldern pop festival waren d.t.r. zweifellos eine der aufregendsten und beeindruckendsten bands... ganz im gegensatz zu den dort eher langweiligen fleet foxes. übrigens: dry the river mit fleet foxes zu vergleichen zeugt nicht gerade von genre-kenntniss. das einzige was beide bands gemeinsam haben sind mehrere männliche sänger mit längeren haaren die auch mal bärte tragen. ansonsten benutzen beide bands u.a. akustische und elektrische gitarren und machen irgendwie folk-indie-musik. fleet foxes allerdings sind eine nette u.s. west-coast-folk gedächtnisband, innovation = null.
die songs von dry the river wiederum stehen deutlich hörbar in der britischen folk-tradition, dazu gesellen sich dann laut-leise dynamiken a la pixies/nirvana sowie bombast-ausbrüche wie bei queen (stellenweise sogar the darkness). ob diese mischung innovativ ist sei dahin gestellt, reißt aber zumindest das publikum mit.
Sportpalast 01.12.2011 | 15:02:27
Lieblingsmistkerl
perter silbermann affektiertheit bei diesem konzert zu attestieren ist natürlich kompletter blödsinn. ich fand das gesamte ensemble äußerst bescheiden und zurückhaltend und erst im verlauf des sets wich die anspannung. seine "hommage" an berlin klang ebenso ehrlich und authentisch und von "mehr gesten als musik" ist mir ebenso wenig in erinnerung, wie dem autor.
das konzert mit respektablen 14 songs (9 allein von Burst Apart) und gesamt 95min war sehr gut und ich fand gerade Darby Cicci an seinen effektgeräten und synthis soundprägend und gut. Silbermanns prägnante stimme verlor sich nicht im rund des Magnet´s und der sound war auch gut. Das Sie z.b. aus "Putting the dog to sleep" gott sei dank keine Up-Tempo nummer gemacht haben, möchte ich ausdrücklich erwähnen. Großartig war´s!
Ich empfehle einfach mal, "Burst Apart" nochmals zu hören.
p.s. habe schon weitaus schlechtere Vorbands ertragen müssen und fand Dry the River auch nicht so schlecht wie der autor hier anführt.
Richtig wurde jedoch festgestellt, dass das Publikum den 30min set mit enthusiastischem Applaus honorierte, ich fand: nicht ganz zu unrecht!
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