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So war das New Fall Festival

Viva La Düsseldorf!

17.10.2011, 10:43, Text: Christian Steinbrink

Rockfestivals bedeuten schon lange nicht mehr nur Bühnen vor Wald und auf Wiesen. Das New Fall Festival in Düsseldorf ist dafür nur der nächste Beweis: Geschmackvolles Booking in gediegenem Ambiente.

11.-16.10.11, Düsseldorf, Robert-Schumann-Saal & Tonhalle

2011 ist zu einem Wendepunkt der deutschen Festivallandschaft geworden: Erstmals sind ehemalige Sure Shots der Festivalkalenders mit großer Reichweite nicht ausverkauft, außerdem versuchen immer mehr Veranstalter mit alternativen Angeboten, ein neues oder zuletzt abgewandertes Publikum zu erreichen. Die Stoßrichtung des Düsseldorfer New Fall Festivals ist dabei nicht zu verkennen: Statt Grasflächen voller Bühnen gibt es hier den äußerst schicken Stiftung Museum-Kunst-Palast mit seinem Robert-Schumann-Saal, statt eines Wochenendes im Zelt fünf Konzertabende mit zwei bis drei Bands, die vielleicht kein Rockpublikum mitreißen, wohl aber Musikfans, für die Bestuhlung kein Ausschlusskriterium ist und die’s hie und da auch mal experimenteller mögen. Und auch die Ticketpreise geben einen Eindruck davon, an welche Zielgruppe sich dieses Festival richtet: Ein älteres Publikum mit einem von Feuilleton und Distinktion geschulten Geschmack und einem Geldbeutel, in den Konzertpreise von rund um 25 Euro keine allzu großen Löcher reißen.


Beste Beispiele für das bewusst und geschmacksbedacht ausgewählte Booking sind neben crediblen Chartstürmern wie Gentleman (Jochen Distelmeyer musste leider kurz vor seinem Auftritt krankheitsbedingt absagen) die Acts der zwei Abende, die Intro begleitet. Am Eröffnungsabend am Dienstag teilen sich der isländische Neoklassik-Komponist Ólafur Arnalds und der New Yorker Songwriter Scott Matthew die Bühne, am Samstag ein Schweden-Duo aus Barde Jens Lekman und der Psych-Folk-Band um José Gonzalez, Junip. Allesamt Acts, die in ihren Szenen hochgeschätzt werden, einem breiten Publikum aber noch weitgehend unbekannt sind. Außerdem alles Acts, die in der Lage sind, dank des besonderen Ambientes des Festivals Konzerte hinzulegen, die im Vergleich zu normalen Clubgigs einen Mehrwert liefern.

Scott Matthew etwa freute sich wie ein Schneekönig über die respektvolle Aufmerksamkeit des Publikums im halb gefüllten Robert-Schumann-Saal und steigert sich im Trio und mit seiner empfindliche wie sinnliche Brüche verursachenden Ukulele in einen wonnevollen Rausch hinein. Der von ihm gepriesene Ólafur Arnalds hat danach dank Staus auf der Anreise und abgesagtem Soundcheck mit kleineren Soundproblemen zu kämpfen, meistert die Dissonanzen zwischen Laptop-Sounds und dem klassischen Instrumentarium aus Piano und Streicher-Quartett aber beachtlich. I-Tüpfelchen auf seinen erinnernswerten Auftritt sind seine Mobile-Visuals und die Seifenblasen, die zum Ende des Gigs aus der Empore schweben. Nur einer von mehreren netten Kniffen, die sich der Veranstalter ausgedacht hat.

Für den Samstag hat das New Fall Festival – ob gewollt oder nicht – eine Zusammenführung von Sandkastenfreunden auf dem Programm: Denn sowohl Jens Lekman als auch José Gonzalez versichern von der Bühne herab, den anderen schon seit diesem Alter zu kennen. Gerade das Lekman-Konzert gerät dabei trotz relativer kleiner Besucherzahl zu einem echten Highlight. Denn Lekman, eine Art Troubadour unter den Songwritern, der regelmäßig skurrile Erlebnisse aus seinem Alltag in seinen Texten zum Thema macht, nimmt das Publikum mit einem liebenswert distanzierten Gestus, seinem trockenen Humor und nicht zuletzt wunderbaren Songs so sehr mit, wie man es in einem derart gesetzten Ambiente nicht für möglich halten konnte. Der anschließende Auftritt von Junip ist zwar überraschend gut besucht, konnte aber gegen Lekmans Entertainer-Qualitäten nicht an und überzeugte eher mit dem für die Band charakteristischen dichten und an mehreren Stellen psychedelisch angehauchten Sound, der nur von Gonzalez' markant heller Stimme und einem in sich zusammenstürzenden Keyboard gebrochen wird.

Mit ihrer Premiere können die Veranstalter des Festivals in jedem Fall zufrieden sein. Alle Konzerte halten, was sie versprachen, und auch die Besucherzahlen sind für ein erstes Mal – trotz der nicht gerade günstigen Ticketpreise - ordentlich. Wenn das Festival in Sachen Booking und Locations das Niveau halten kann, sollte dem New Fall eine angenehme Zukunft blühen.
 



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