Locas In Love live
So war's in Köln: Karneval und Achselfürze
04.10.2011, 16:06, Text:
Kerstin Petermann
Freche Pseudo-Franzosen, Matrosen-Punks im Chor und mittendrin Locas in Love. Das Konzert der Kölner Band gerät zu einer Art Ausflug in die Welt der Anarchie.
02.10.2011, Köln, Gebäude 9
Ein Hoch auf den Kontrast. Zwischen frankophilem Spaßpunk und Matrosenrock werden heute Abend, wenn alles gut geht, noch Locas in Love auf der Bühne stehen. Im Gebäude 9 ist irgendwie schon Karneval, aber die …erm… gute, ausgeflippte Art Karneval. Zwischen Baguettes und Baskenmütze springen La More umher und betören mit ihrem betont herausgekehrten französischen Akzent. Mon Dieu, als hätte Napoleon zusammen mit den Goldenen Zitronen Europa überrannt und den Code Ci… d'Anarchie eingeführt.
Und wer dachte: Och, ja. Sonst schaue ich mir Sonntag ja eher den Tatort an, aber Locas in Love ist ja auch ganz nett und ruhig, der hätte eben doch eher wie gewöhnlich den Tatort anschauen sollen. Denn Borowski war bestimmt ruhiger als die nächste Attraktion im Gebäude 9, die verhindert, dass der basserstaunte Kiefer wieder nach oben klappt: Ein Matrosenchor, der Matrosen auf Spirituosen reimt (und nicht zur Turbojugend gehört). Rockaway Shanty schunkeln und starten eine Gegendemo zur Wiedervereinigungsfestrede mit Plakaten, auf denen steht: »Krabben, Krabben her« (vgl. »Gabba Gabba Hey«). Kurz, eine Stimmung, in der man die Menge mit einem Achselfurz verzaubern kann.
Wie da Locas in Love hineinpassen sollen, weiß ich noch nicht. Sie tun es aber. Und das vielleicht, weil sie live um einiges ironischer sind als auf Platte. Vielleicht auch wegen einer Sache, die man Heimvorteil nennt. Das Publikum sagt jedenfalls Ja zum Abend. Das Ja schwappt auf die Bühne und wieder zurück und… und ping-pong-mäßig hin und her. Da ist es auch kaum ein Partystopper, als Björn Sonnenberg »Mabuse« als antideutsches Lied ankündigt. Für Politik wird sich hier heute wohl niemand mehr ernsthaft interessieren. Aber es ist ein Versuch und funktioniert ja manchmal ganz gut. Einfach mal in die schönste Partylaune hineinrufen: »Polizeistund, die kennen wir nicht« oder eben »antideutsch«. Schon passt die gnädige Einbettung des eher gradlinigen Pops von Locas in Love in den Kontext von Matrosen-Wahnsinn und Franzosen-Karneval doch wieder hervorragend. Macht die Kanten, die Locas in Love haben, noch ein wenig schärfer. Polizeistunde ist nach mindestens 3 Zugaben dann doch irgendwann. Ein Achselfurz noch und dann ab nach Hause.
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