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Morrissey live

So war’s in Berlin: Eine Umarmung für Berlin

19.07.2011, 19:05, Text: Christoph Büscher, Foto: Marcel Benoit
[24 Kommentare]

Trotz Geunkes in den Fan-Foren war der Berlin-Auftritt des Ex-Smiths Frontmanns im Rahmen des Citadel Music Festivals eine runde Sache. Bei bestem Wetter verwöhnte Morrissey seine Fans mit vielen Klassikern, überraschte aber auch mit neuen Songs.

18.07.2011, Berlin, Zitadelle
 
Morrissey Fans sind an Leid gewöhnt. Englische Medien berichteten jüngst von Konzertbesuchern, die auf mitgebrachten Fleischprodukten hin gefilzt wurden. Und seit vor knapp einer Woche David Tseng, Betreiber des Fan-Forums morrissey-solo.com, beim Konzert in Kopenhagen des Saales verwiesen und von seinem Idol mit einem „lebenslangen Konzertverbot“ belegt wurde, machen sich mal wieder nicht nur der Guardian, sondern auch viele treue Fans Sorgen um den Geisteszustand des divenhaften Sängers. Doch Hand auf's Herz: solche Dramen sind doch schon immer Teil des Morrissey-Phänomens gewesen.


Die übrigen Vorzeichen standen jedenfalls gut für den einzigen Deutschland-Auftritt der aktuellen Tour. Bestes Sommerwetter und die idyllische Kulisse der Spandauer Zitadelle boten beste Voraussetzungen für einen gelungenen Abend und die Veranstalter hatten alle Bratwurstbuden vom Gelände verbannt, um Probleme mit dem missionarischen Vegetarier Morrissey zu vermeiden.

Nach der unvermeidlichen Vorband „The Heartbreakers“ eröffnete der Meister die Show dann pünktlich zur Show mit der Ansage „I'm Throwing My Arms Around Berlin“, der passenden ausladenden Geste und anschließendem Kniefall, bevor es mit dem Eröffnungssong „I Want The One I Can't Have“ gleich flott zur Sache ging.

Zeit zum Durchatmen blieb den tausenden von Fans in der nicht ganz ausverkauften Zitadelle in der nächsten Stunde kaum. Morrissey und seine fünfköpfige Begleitband hielten die Spannung die ganze Zeit aufrecht, klangen im Ganzen sehr forsch und leicht angriffslustig, was das Publikum anfänglich etwas zögerliche Publikum spätestens bei den Abschlusssongs des regulären Sets, „Meat Is Murder“ und „Irish Blood, English Heart“ aus der Reserve lockte. Die Zeiten, in denen Morrissey seinem Publikum Smiths-Klassiker verweigerte, sind zum Glück vorbei, so, dass das Berliner Publikum „I Know It's Over“ und „There Is A Light That Never Goes Out“ in der zweiten Hälfte des Programms gebührend feiern konnte. Doch auch das Solo-Werk der letzten Jahre ist voller Höhepunkte, was Morrissey gleich nach dem Opener mit großartigen Versionen von „You're The One For Me, Fatty“ und „You Have Killed Me“ eindrucksvoll unterstrich. Sorgfältig eingestreute neue Songs wie „Scandinavia“ oder die bereits im Internet vorgestellten „Action Is My Middle Name“ und „People Are The Same Everywhere“ ließen den Spannungsbogen nicht abflachen, und passten sich trotz weniger Überraschungen nahtlos in die eher rockige Grundstimmung der Show ein.
 
Dem energischen Vorgehen auf der Bühne, das Morrissey auch ohne viel Theatralik und große Gesten dirigierte, stand lediglich ein anfänglich eher etwas abwartendes Publikum entgegen. Es mag an der frühen Abendstunde, dem fortschreitenden Durchschnittsalter oder dem breiten Bühnengraben gelegen haben, dass die Stimmung in den mittleren Reihen erst gegen Ende richtig in Fahrt kam, als dann bei „There Is A Light“ erste Blumensträuße auf die Bühne flogen und neben den Handykameras auch übrige Hände in die Luft flogen. Als nach gut 70 Minuten der Knoten dann geplatzt war und die Fans lautstark Zugaben einforderten, ließ sich der Meister nur zu einem Song hinreißen und setzte der Veranstaltung mit „First Of The Gang To Die“ einen würdigen Abschluss. Die Diskussion um das Verhältnis von deftigem Ticketpreis zu Auftrittsdauer wird an anderer Stelle sicher hitzig geführt werden, doch wie eingangs erwähnt, sollte man als echter Fan das Mozfathers ja einiges gewohnt. Alles in Allem präsentierte sich Morrissey in Berlin in guter Form. Ein Programm, das trotz seiner knappen Form aus so vielen Hits besteht, das macht ihm so schnell einfach keiner nach.



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  • User: Mr Vertigo
  • Mr Vertigo 20.07.2011 | 13:42:56

    Wobei die neuen Song ja nicht gerade so die "Hits" sind.... (wohlwollend ausgedrückt)

  • User: nina myers
  • nina myers 20.07.2011 | 14:05:49

    da ist ein "oder", wo ein "und" sein muss. in dem satz, wo fälschlicherweise ein "n" an "konnte" hängt. inhaltlich erhält der autor aber meine uneingeschränkte zustimmung (und die neuen songs waren gar nicht so schlecht, wie nach erstem hören - gerade von action is my middle name - erwartet).

  • User: nina myers
  • nina myers 20.07.2011 | 14:10:30

    was, bitte, ist "geunkes"? (909 hits bei google und die gefühlte hälfte davon dieser artikel) der genitiv von "geunke"? warum? da hätte, schon rein grammatikalisch, doch noch nicht mal der genitiv hergemusst, wobei eh fraglich sein mag, ob der bei geunke nach einem "s" verlangt.

  • User: nina myers
  • nina myers 20.07.2011 | 14:50:27

    den unterschied zwischen intro und gutem pop-journalismus kann man sich im übrigen exemplarisch beim vergleich des obigen artikels mit jenem vom jens balzer in der berliner zeitung zum gleichen "event" vor augen führen.

  • User: Philip Fassing
  • Philip Fassing 20.07.2011 | 16:02:33

    Danke für den Hinweis, die Stellen sind korrigiert.

  • ladette77 21.07.2011 | 20:39:00

    weiß jemand zufällig, wer der mann auf dem schwarz-weiß-plakat auf der bühne war? ich vermute, es war eine filmszene ...

  • User: nina myers
  • nina myers 21.07.2011 | 21:32:23

    The backdrop for this gig was a change to the one used on the first three gigs of the tour in Perth, Inverness and Dunoon. The new backdrop is taken from the 1962 Italian movie Senilità, which starred Claudia Cardinale and Anthony Franciosa.


    das ist zwar nicht über den gig in berlin, m.e. stimmt es aber auch hier.

  • User: Motortortoise
  • Motortortoise 21.07.2011 | 21:44:07

    ...hat Morrissey jemals länger als 60 - max. 70 Minuten gespielt? Bin froh, dass ich die alten Smiths-Perlen mal live gehört habe, aber letztlich is das echt Abzocke...

  • User: nina myers
  • nina myers 21.07.2011 | 21:45:54

    das konzert dauerte 80 min, aber egal.

  • User: Motortortoise
  • Motortortoise 21.07.2011 | 21:59:41

    Jau... dann is das ja mal ne Steigerung. War nur letztes Jahr in Köln und in Düsseldorf... und da gings jeweils gefühlt nur ne Stunde für immerhin schlappe 50 Tacken... aber wat solls... will dir deinen und meinen Helden nicht madig faseln

  • User: art_i_ficial
  • art_i_ficial 21.07.2011 | 23:49:59
    freedom oy!
    hier im übrigen der artikel von jens balzer. ist wirklich sehr lesenswert, auch wenn ich mich dem positiven tenor nur bedingt anschließen kann. auf mich wirkte der auftritt recht blutarm, ich hätte mir deutlich mehr energie auf der bühne gewünscht. deshalb gab es auch gerade in der mitte des sets ziemliche längen, manchmal sackte die spannung meinem empfinden nach bedenklich ab. und die immergleichen mcdonalds-verweise sind nun auch nicht gerade allerfrischeste kulturkritik... aber das wetter war sehr angenehm und ich bin froh, nun endlich einmal bei einem insgesamt recht schönen morrissey-konzert gewesen zu sein. obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich für ein zweites mal wieder 50 euro hinlegen würde. das ist doch ziemlich viel asche nur für die aura von einem entertainer.

  • User: Sadsongs
  • Sadsongs 25.07.2011 | 10:08:18

    @Motortortoise: Du meinst wahrscheinlich 2009 in Köln. Da hat er auch 75 min gespielt, wie auf der ganzen Tour damals. Für einen britischen Künstler finde ich das absolut ok. Und für Morrissey auch den Preis vertretbar.

    Berichte Tour 2009

    Aber auch eine halbe Stunde Morrissey für 50 € wäre natürlich nicht vergleichbar mit 3 oder 5 Stunden Grönemeyer oder ähnlichen Zeugs.

    Editiert von Sadsongs am 25.07.2011 10:08:55

  • ladette77 26.07.2011 | 20:47:56

    danke nina myers, sehr interessant!

  • User: der kackofant
  • der kackofant 28.07.2011 | 18:58:34
    kannibalist

    +++ Auf einem Konzert in Warschau sagte er über den Amoklauf in Norwegen, dies sei "nichts" im Vergleich zu dem, was McDonald’s und Kentucky Fried Chicken tagtäglich anrichteten. +++


    ...da kann man ja fast von glück reden, dass ihm noch rechtzeitig norwegen eingefallen ist, bevor er noch 'n vergleich mit der geschichte warschaus und mcdonald's raushauen konnte...

  • User: rockotron
  • rockotron 28.07.2011 | 23:03:52
    lackaffe
    ach, der senile opi. darauf erstmal ne bifi...

  • fischschnitten 29.07.2011 | 16:35:18
    dirty diana
    MORRISSEY STATEMENT

    The recent killings in Norway were horrific. As usual in such cases, the media give the killer exactly what he wants: worldwide fame. We aren't told the names of the people who were killed - almost as if they are not considered to be important enough, yet the media frenzy to turn the killer into a Jack The Ripper star is .... repulsive. He should be un-named, not photographed, and quietly led away.
    The comment I made onstage at Warsaw could be further explained this way: Millions of beings are routinely murdered every single day in order to fund profits for McDonalds and KFCruelty, but because these murders are protected by laws, we are asked to feel indifferent about the killings, and to not even dare question them.
    If you quite rightly feel horrified at the Norway killings, then it surely naturally follows that you feel horror at the murder of ANY innocent being. You cannot ignore animal suffering simply because animals "are not us."


    aua

  • User: rockotron
  • rockotron 30.07.2011 | 22:28:07
    lackaffe
    We aren't told the names of the people who were killed - almost as if they are not considered to be important enough, yet the media frenzy to turn the killer into a Jack The Ripper star is

    morrissey sollte mehr bild lesen, die verhält sich nach seinen maßstäben vorbildlich: Link

  • User: nachonils
  • nachonils 31.07.2011 | 00:49:47
    arty arty kunstkritik
    Inhaltlich mag in dem Artikel ja alles stimmen, aber fallen niemandem außer Frau Myers die Fehler und der grauenhafte Stil auf? Haarsträubend!

  • User: Stan Gim
  • Stan Gim 02.08.2011 | 13:33:12

    1. berlin
    morrissey hat zuletzt 1986 mit the smiths konzerte gespielt, die in ihrer länge dem preis/leistungs-gefühl von deutschen konzertgängern entsprechen. seit 1991 spielt er zwischen 60 und 70 minuten. berlin waren exakt 80 minuten.
    dank internetzeitalter kann sich übrigens jeder konzertgänger im vorfeld informieren, was künstler zu bieten haben, wenn die tickets teuer sind. den mehrwert schafft morrissey auf andere art und weise: z.b. die setlist. wenn ein spätgeborener fan zum ersten mal in seinem leben "i want the one i can't have" und "i know it's over" live hört, dann kann dies allein das geld wert sein. wenn morrissey die 1989er single "ouija board " bei dieser tour zum überhaupt allerersten mal live spielt oder einen song wie "speedway" ausgräbt dann ist das monumental. für einen richtigen fan. ob die "you are the quarry und folgende"-käuferschaft unter umständen entäuscht ist, weil sie nur eine handvoll lieder identifizieren kann und keine coldplay konzertlänge geliefert bekommt ist mir und vielen anderen fans herzlich egal. und moz sicher auch. seine fans wiederum sind ihm wichtig. und das merkt man bei jeder tour u.a. an der auswahl der songs.

    2. warschau
    dass morrissey die tiere den menschen gleichstellt ist bekannt seit 1985. diese meinung muss man nicht teilen, kann (und sollte) man aber respektieren. sein kommentar auf der bühne war sicher ungeschickt und ja, sehr provokant. das, was die medien daraus gemacht haben ist geradezu lächerlich (saure-gurken zeit).
    morrisseys medienkritik in seinem letzten statement ist gerechtfertigt. ebenso der hinweis auf eine fleisch-industrie, die in ihrer perversität kaum zu überbieten ist.
    morrisseys vergleich ist auch gar nicht so abwegig. der täter hat ohne jegliche empathie 69 junge menschen konsequent und in aller ruhe getötet. nicht anders würde ein jäger vorgehen, der in ein gehege eindringt und so viele tiere wie möglich erlegen will. oder eben ein angestellter einer fleischfabrik, der jeden tag tausende tiere ihrem schicksal zuführt. ohne empathie, konsequent und in aller ruhe.

    ich selbst bin übrigens kein vegetarier mehr, aber trotzdem nicht so dumm zu glauben, dass fleisch ein grundnahrungsmittel ist.

  • User: der kackofant
  • der kackofant 02.08.2011 | 14:25:13
    kannibalist

    dass morrissey die tiere den menschen gleichstellt ist bekannt seit 1985. diese meinung muss man nicht teilen, kann (und sollte) man aber respektieren.


    nein, das muss man eben nicht. diese gleichsetzung banalisiert so ziemlich alles in der geschichte der menschheit und ist dazu noch so inkonsequet wie selbstgerecht. auch ein morrissey denkt bei tierschutz mehr an süsse kleine robbenbabys als an die kleine ameise, die irgendwann einmal an seinem schuh klebte (oder die fliege an der windschutzscheibe seines tourbusses). tiere, die andere tiere töten sind immernoch gut - menschen, die sowas tun, gehören vor's standgericht... was hat das mit "gleichstellung von mensch und tier" zu tun? sowas ist einfach nicht durchführbar. mit diesem und manch anderen logschen problemen hätte man sich in den letzten 30 jahren ruhig mal auseinandersetzen können, aber naja... wohlfühlhaltungen sind nunmal schlecht dafür geeignet, kritisch hinterfragt zu werden.

    ganz egal, was für komische meinungen man auch pflegen mag: so viel anstand sollte man von jedem erwarten dürfen, sie auch mal an der passenden stelle für sich zu behalten. sollte jemand dafür kein gefühl aufbringen können, ist die kritik an diesem einfach nur berechtigt und nichts anderes.

    nebenbei bemerkt zeigt sich mozzi's fehlendes gefühl für seine mitmenschen auch in dem vorschlag, den focus mehr auf die norwegischen opfer zu rücken, indem man ihre namen veröffentlicht, mal abgesehen davon, dass die antwort auf geäusserte kritik über sein warschau-statement ein komischer ort für abstruse medienschelte sein dürfte.

  • Horst Ueberdruss 02.08.2011 | 14:30:00
    Pipi fucks

    ganz egal, was für komische meinungen man auch pflegen mag: so viel anstand sollte man von jedem erwarten dürfen, sie auch mal an der passenden stelle für sich zu behalten.


    Entbehrt nicht einer gewissen Komik.

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