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Roskilde 2011

So war der Freitag: Dunkle Wolken halten

02.07.2011, 14:08, Text: Christian Steinbrink, Foto: Phillip Himburg

Roskilde, das Festival der guten Lösungen: Wie es geht, 75.000 Menschen stressfrei über das Gelände zu leiten, abseitigen Acts und Genres erfolgreich ein Forum zu geben und sogar Conor Oberst nüchtern auf die Bühne zu bringen – hier kann man es lernen.

Conor Oberst ist quirlig, ein Ausbund an Spielfreude und Enthusiasmus. Er geht sogar in die ersten Reihen und begrüßt die harten unter seinen Fans. Wie man den Suffkopp dazu bringt? Man stellt ihn einfach schon um 14 Uhr auf die Bühne, also zu einer Zeit, die selbst ihm zu früh ist, um einen Beaujolais Primeur zu köpfen. Seiner Show tut dieser Kniff mehr als gut. Fans sprechen vom besten Bright Eyes-Auftritt seit langer Zeit. Und die müssen es wissen.
 
Der Herausforderung Auslandsfestival haben sich die Beatsteaks schon mal gestellt, sie stellen sich ihr gerne. Kein Wunder, was soll man auch noch wollen können, wenn man im Heimatland jede Bühne aus dem Stand ausverkauft? Die Arena ist gut gefüllt, als die Berliner auftreten, besser noch als bei ihrem letzten Gig an gleicher Stelle. Für ihre deutschen Fans spielen sie „Hey Du“, mit besten Grüßen. Aber auch die Dänen wissen die Klasse dieser Aushängeschilder mittlerweile zu schätzen.



Ein Publikum von 17.000 nach einem Auftritt wie dem der Beatsteaks komplikationslos von der Bühne weg zu anderen zu führen, gleicht einem Husarenstreich. In Roskilde gelingt es, und es ist nicht nur für Branchentätige spannend zu sehen, warum. Während anderswo einzelne breite Wege über das Gelände führen, ist das Gelände hier teilweise durch Zeltblocks mit Essens- und anderen Verkaufsständen geteilt, mehrere Wege führen von den Bühnen ab, sichtbar gut ausgebildete Crowd Safety Guards zeigen freie Wegstrecke und entschärfen brenzlige Situationen. Es stimmt, wovon langjährige Roskilde-Fans immer schwärmen: hier gehen viele Uhren ein wenig anders, Festival-Slums gibt es nicht, selbst bei Regen.


Auffällig ist auch, wie positiv Acts platziert und angenommen werden, die nicht dem gängigen Rock-Mainstream entsprechen. Ein Soul-Act wie Charles Bradley oder Underground-HipHop wie von Atmosphere spielen im durchaus großen Odeon-Zelt und füllen es bis über die Ränder. Leer bleibt es nur selten, etwa bei Matthew Dears Show mit Liveband, deren an die 80er erinnernder Synthie-Pop aber auch mehr als halbgar kommt. Besser ist der Intro-Titelheld der Juni-Ausgabe Dan Bejar alias Destroyer, der mit achtköpfiger Band den tollen souligen Softrock seines aktuellen Albums „Kaputt“ gibt.
 
Ein gutes Beispiel für die mutige stilistische Vielfalt des Roskilde Festivals ist die Wahl der Hauptbühnen-Headliner des Freitags. Die Mischung Raveonettes, Mastodon, Portishead und M.I.A. dürfte sich kaum ein deutsches Festival von ähnlicher Größenordnung erlauben können. Portishead rehabilitieren sich hier für ihren schwachen Auftritt beim Hurricane und spielen eine glanzvolle Show, bei der selbst ihre Hits aus den 90ern zeitlos frisch wirken. Ihr Auftritt ist vornehm und dezent, groß gesprochen wird nicht, und viele der alten TripHop-Beats sind mittlerweile durch andere tragende Rhythmus-Elemente ersetzt. M.I.A. gewinnt danach durch eine so fragile wie provokante Show, die trotz eines schlanken Setups, schräger Sounds und ratternder Beats die große Bühne der Orange-Stage mit einem sehr freien Acting der zwei Rapperinnen und eines ungelenk über die Bretter turnenden Tänzers ausfüllt. Ohne Zweifel eines der verblüffenden Highlights des gesamten Festivals.

Natürlich bringt auch der Samstag Hochkaräter: The Strokes, Arctic Monkeys, TV On The Radio und Odd Future treten auf, beschlossen wird der Tag von Deadmau5 und Lykke Li.

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