So war das Primavera Sound 2011 - Intro vor Ort: The Flaming Lips, Suicide, Grinderman und mehr Artikelbild (groß)

So war das Primavera Sound 2011

Intro vor Ort: The Flaming Lips, Suicide, Grinderman und mehr

27.05.2011, 11:30, Text: Thomas Venker, Foto: Philipp Böll
[116 Kommentare]

Das Primavera Sound öffnete Mittwoch die Tore mit unter anderem Suicide, Grinderman und die Flaming Lips. Thomas Venker hat ihnen auf die Finger geschaut. Das hier hat er gesehen.

Und am Ende leuchtet dann doch alles hell beim Primavera Sound 2011. The Flaming Lips (Foto) stehen auf der nach einer spanischen Biersorte benannten Hauptbühne und machen mal wieder alles vergessen: Das eigene Leben, die durchschnittlichen Performances der anderen, oder auch Getränkenachschubprobleme, Müdigkeit oder langweilige Gespräche mit noch langweiligeren Leuten. Das Primavera steht in Flammen während ihres Auftritts, Wayne Coyne hebt seine riesigen Hände in die Höhe oder sind es doch künstliche? Wer will es um drei Uhr morgens noch sagen? Die tagsüber gecasteten Tänzerinnen drehen durch wie sonst nur beim Spring Break und das Publikum führt sich auf als ob es gerade kollektiv Prozac geschmissen hat. Es ist also alles so herrlich wie es nur werden kann auf einem Festival.


Das war nicht bei allen Bands des ersten Hauptabends der 2011 Auflage des Primaveras so. Das Racist zum Beispiel rappten sich relativ schlapp durch die Songs ihres an sich hervorragenden letzten Albums »Shut Up, Dude«. Rap live ist eben oft eine enttäuschende Sache. Dass es nicht so sein muss, zeigte ein paar Stunden zuvor Big Boi, der eigentlich nicht viel mehr machte, als präsent zu sein, das aber mit allem was er zu geben hat. Man kann es Charisma nennen, vielleicht aber doch lieber Selbstanspruch. Keine Blödeleien, keine großen Spielereien drumherum: einfach nur tight knackig abliefern. Angenehm erfrischend war das.


Aber bleiben wir doch erstmal bei den Enttäuschungen. Draufhauen macht doch immer Spaß. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Salem sich nicht langweilen, wie sie da zu ihrem Backing-Band ein paar Livegeräusche fabrizieren. Ein sattes Gähnen ist noch zuviel der geschenkten Reaktion. Ähnlich öde war der Auftritt des Glenn Branca Ensemble. Zumindest was Gesichtsprominenz betrifft war diesmal kein Thurston Moore oder jemand aus der vergleichbaren Liga dabei. Und auch was die Skills angeht musste man sich schon wundern. Die große Idee des Brancaschen Gitarrenorchesters reduziert auf ein paar Leute, die mehr oder weniger mit Nulldynamik dem Schlagzeug folgen – und somit den Herr im Ring als Dirigenten obsolet machen. Legende ist ja eh ein großes Wort, heute war es im Kontext mit Glenn Branca ein falsches zudem. Der Auftritt von Seefeel war zwar auch alles andere als originell, visuell gesprochen, aber musikalisch eben überzeugend. Man kann also auch nach vielen Jahren noch mit Verve überraschen und nicht nur den Status verwaltend abliefern. Letzteres hat PIL zwar gemacht, und der Autor fand es auch schrecklich öde, hat jedoch den Verdacht, dass das damit zusammenhing, dass er ihn angeschaut hat. Manchmal ist nur zuhören doch die bessere Wahl.



Was gibt es noch zu sagen?

1. Das Festivalgelände ist in diesem Jahr noch größer, dabei wieder angenehm übersichtlich und leicht begehbar. Die Atmosphäre entspannt und sehr auf die Musik als Hauptereignis zugeschnitten. Ja, das klingt trivial, aber bei den meisten Festivals ist es leider eben nicht so.

2. Grinderman wollte jeder sehen. Zu Unrecht, denn das war das ödeste, was man aus Rock 2011 rausholen kann. Aber die Spanier mögen eben ihren Nick Cave sehr. Was man an sich auch verstehen kann, solo hat er es ja - einen Stromausfall habe ich mir aber trotzdem herbei gewünscht.

3. Gleiches Fazit gilt generell für Gothic-Bands. Schuld sind die Black Dogs. Mal ehrlich, wenn die einzige Idee für eine Band eine Synthieline, über den Kopf gezogene Kapuzenpullis und ein bisschen Hokuspokus sind: Aufgeben.

4. Machen wir natürlich nicht. Denn Morgen und Samstag geht es weiter. Das Primavera 2011 hat ja erst angefangen.

5. Das Schlusswort gehört Suicide. Martiv Rev und Alan Vega sind noch immer die coolsten. Angemessen laut bratzen sie sich durch ihre Hits. Keine Spielereien, keine großen Stories, da sind sie ganz bei Big Boi. Wer es hat muss eben nicht viel Make Up auflegen. Schön dass ich das sehen durfte. 


Bilder vom Festival findet ihr hier.
Mehr vom Primavera Sound 2011 fortlaufend auf intro.de und festivalguide.de.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 
  • User: phillesen
  • phillesen 30.05.2011 | 13:30:40

    mit jarvis cocker aufzug fahren - check

  • User: Bobby Peru
  • Bobby Peru 30.05.2011 | 17:57:48

    Fand ich übrigens großartig jeden Tag Neuigkeiten vom Festival zu lesen - Konzerberichte, Gossip, Stimmungen und so. So stellt man sich Musikjournalismus in Zeiten von Internet mit Facebook, Twitter und ähnlichem vor ...

  • niles crane 30.05.2011 | 18:43:51

    die kritik an soundclashes und bierdesaster ist berechtigt.
    ansonsten aber ein grandioses festival.
    so viele grossartige konzerte auf einem festival habe ich noch nie erleben duerfen:
    pulp, sufjan, mercury rev, the national, dean wareham, belle & sebastian, neubauten, mogwai, explosions in the sky...

  • User: Sadsongs
  • Sadsongs 31.05.2011 | 11:36:51

    Obwohl gewonnene Karten für Sufjan Stevens meine Pläne für Donnerstag gehörig durcheinander geschmissen haben, war das ein sehr gutes Festival. Abgesehen von dem Kartendesaster natürlich.

    Meine Highlights waren ähnlich: Sufjan Stevens, Dean Wareham, Explosions..., Warpaint, The National, irgendwie Mercury Rev, natürlich die soliden Auftritte von Pulp und Belle & Sebastian. Aber auch Suicide zu sehen, war toll. Alan Vega mit seiner Flammenwollmütze war ganz großartig.

    Meine Berichte und Fotos sind hier:
    Link

  • User: Silvana
  • Silvana 31.05.2011 | 13:49:59

    Leider ging es mir mit Animal Collective genau so wie beschrieben. Was bei den Flaming Lips ein grandioses Gesamtbild Live+Video ergab, war bei AC nur anstrengend. Für mich war das beste Live-Konzert tune-yards. Unglaublich, was die Dame mit Loops und Stimme so zaubert. Primavera auf alle Fälle immer eine Reise wert, es ist das einzige Festival wo es tatsächlich um Musik und nicht Party-Charakter geht.

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 01.06.2011 | 18:51:47

    Für mich ist und bleibt das das absolut beste Festival das man sich vorstellen kann. Obwohl es jedes Jahr ein bisschen größer wird und es eigentlich auch immer ein paar organisatorische Schwierigkeiten gibt, wird es trotzdem immer noch besser und ich freu mich jetzt schon auf mein 10. Primavera im nächsten Jahr! Am liebsten würd ich gleich nochmal hingehen und all die Sachen anschauen die ich wegen Überschneidungen ausfallen lassen musste... Besonders toll fand ich dass sie dieses Jahr zu den Wurzeln im Poble Espanyol zurückgekehrt sind... Außerdem war's fantastisch, dass so viele nette Leute dabei waren...

  • User: Hauptmann Fuchs
  • Hauptmann Fuchs 01.06.2011 | 21:23:36
    zur Klärung eines Sachverhalts
    Bestes mir bekanntes festival auf alle fälle, eine für diese größenordnung unglaublich entspanntes publikum und ein lineup das keine wünsche offen lässt. und die organisatorischen probleme sind auch eher eine tradition als etwas worüber es sich ernsthaft zu jammern lohnt (naja, dass am donnerstag bei hochsommerlicher hitze mehrere stunden lang kein tropfen zu trinken erhältlich war, war doch etwas heftig). aber die größenordnung hat dieses jahr doch mein persönliches limit erreicht. großartig war es vor mitternacht, insbesondere auf den kleineren bühnen (bearsuit, aias). aber auf der hauptbühne waren belle & sebastian und pulp kein vergnügen. bei letzteren bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob diese gestalten im nebel wirklich banks/doyle/mackey/senior/webber waren oder doch ein paar pappfiguren. mit 40 fühle ich mich dann doch etwas zu alt für die moshpit in den ersten reihen und so blieb mir nur die dampfplauder-arschloch-zone, in der man die bands nur auf den bildschirmen sehen und kaum hören konnte. das gleiche hätte ich wesentlich bequemer haben können, indem mir das b&s-weihnachtskonzert 2010 aus glasgow bzw. irgendeine pulp-dvd angucke, den ton leise drehe und dazu einen katalanischen nachrichtensender laufen lasse.

    Nachdem zu meinen persönlichen highlights papas fritas im ohnehin für jeden zugänglichen parc central de poblenou gehörten (und auch comet gain dort wesentlich besser rüberkamen als im poble espanyol), überlege ich mir ernsthaft, ob ich nicht nächstes jahr kein ticket kaufe, trotzdem hinfahre und mich auf die park-gigs beschränke.

    Las Robertas

    Von Hauptmann Fuchs | 01.06.2011 21:22

  • User: sallycinnamon
  • sallycinnamon 02.06.2011 | 13:28:57

    Obwohl ich Festivals sonst meide, hats selbst mir gefallen, tolles Gelände, kein Camping, perfektes Wetter, angenehmes Publikum, genügend Sitzplätze, klar einige Überschneidungen waren übel (Emerals/Islet, B&S/Low/No Joy, …) aber alles in allem wars super. Die Vorabkonzerte von Schnaak & Darren Hayman gefielen sehr und ich ärgere mich schwarz Comet Gain im Park verpasst zu haben, da wir im Parc Poblenou gesucht haben und nicht Parc Central de Poblenou. Hier jetzt noch zu lesen, dass der Auftritt im Park besser war als im Poble Espanoyl ärgert ja nun noch mehr...

    Highlights: Comet Gain, Islet, Schnaak, Lichens, Bearsuit...

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 03.06.2011 | 09:57:57

    Kann mir jemand sagen, was das für ein Song im folgenden Video ist?

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 03.06.2011 | 10:05:57

    Hab übrigens Fotos bei Facebook hochgeladen, bin mir aber nicht ganz sicher wer die nun sehen kann und wer nicht. Da ich das Album für Freunde und Freunde von Freunden zugänglich gemacht habe, dürfte es für die meisten hier im Forum vermutlich kein Problem sein? Link

    Bei Pulp hat's mich überrascht wie gut mir das gefallen hat obwohl ich solch großen Konzerten eigentlich selten was abgewinnen kann und auch nie der größte Pulp-Fan war. Ich war allerdings auch relativ weit vorne. B&S fand ich diesmal auf jeden Fall enttäuschender als sonst, weiss aber auch nciht so recht woran das lag...

  • User: Man Called Sun
  • Man Called Sun 03.06.2011 | 11:21:53

    Die beste große musikalische Freiluftveranstaltung auf der ich je war - so relaxt und spannend!

    Highlights: Swans, Animal Collective, Battles, Explosions/Shellac, DM Stith, Sufjan Stevens, Pulp, Caribou und Mercury Rev im Poble Espanol.

  • User: jessiii
  • jessiii 03.06.2011 | 11:41:43

    trotz kleiner hindernisse (chipkartensystem, nächtliche shuttlebusse, die einem vor der nase wegfahren, komisches reservierungsprinzip für das auditorium) war es eine einzige, große freude dort gewesen zu sein :-)

  • User: GossoKing
  • GossoKing 03.06.2011 | 14:01:20
    King
    Wunderbares PS 2011.
    Nissenenmondai, Mercury Rev, PIL, Pere Ubu, Cuzo & Damo Suzuki, Rubik, Suicide, Einstuerzende Neubauten waren aeußerst wohltuend to my ear.
    Pulp servierten froehlichen Schlager, Sufjan Stevens sorgten fuer große Spannung im Altersheimforum, und der Rest war einfach ein perfekter Soundtrack zum Wasweißich.
    Organisatorische Missgeschicke wuerde ich nicht bemaengeln. Sie gehoeren dazu und machen den Gesamtbetrieb spannender.
    Ich gehe naechstes Jahr wieder.

    Editiert von GossoKing am 03.06.2011 14:03:10

  • User: Sadsongs
  • Sadsongs 03.06.2011 | 14:39:47

    Die Pannen haben natürlich genervt; die 40minütigen Spaziergänge nachts ins Hotel, weil nichts mehr fuhr, auch. Aber im Vergleich zu meinem einzigen deutschen Großfestival bisher waren beide Primaveras, die ich erlebt habe, tausendmal angenehmer.

    Fotos habe ich hier gesammlt, falls es jemanden interessiert: Link

  • BadBrain 03.06.2011 | 22:20:34
    zack! regierung gestürzt.
    qwert, schöner song im video. hab jetzt einiges versucht - kann über ecosia keine textfragmente finden, shazaam hat keine idee und nen kommentar hab ich auch nicht finden können. wenn du es rausgefunden hast, lass es mich bitte wissen.

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 04.06.2011 | 12:18:17

    hab bisher leider auch nichts rausgefunden, aber das kommt mir auf jeden fall sehr vertraut vor. hab auch keine lust mir extra einen youtube account anzulegen um dort nachzufragen...

  • BadBrain 04.06.2011 | 12:29:55
    zack! regierung gestürzt.
    im kommentar bei youtube steht ja was von konga music - hab ich grad entdeckt - da finde ich aber lediglich ein spanisches house label. das kanns ja irgendwie nicht sein.

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 04.06.2011 | 12:30:48

    andererseits interessiert es mich jetzt doch... :)

  • User: Bobby Peru
  • Bobby Peru 07.06.2011 | 06:06:35

    Hallo, mal ein paar generelle Fragen zum "Primavera Sound" :

    Was kosten die Karten ? Findet das Festival auf einem Gelände oder an verschiedenen Orten der Stadt statt ? Gezeltet wird garnicht, wenn ich das richtig mitbekommen habe !? Ist es dann schwierig eine preislich gute Unterkunft zu bekommen ? Wo in Barcelona findet´s statt ? Sind die Getränke- und Essenpreise OK ? Wäre schön, wenn mir das jemand beantworten könnte. Hab ich noch was wichtiges vergessen ?

    Vielen Dank vorab !

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 15.06.2011 | 08:58:40

    @BadBrain:
    Thomas Pujols - We Are One

    Lied No. 6 auf dieser Compilation:
    Link

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]