The Tallest Man On Earth live
So war’s in Köln: Mucksmäuschenstill
23.05.2011, 17:15, Text:
Carsten Schumacher, Foto: Christian Faustus
Der Dylan aus Dalarna? Das Publikum steht so gedrängt wie hingebungsvoll da, es gäbe Parallelen. Der Künstler spendet Liebe und schuldet weitere Antworten.
22.05.2011, Köln, Essigfabrik.
Energiegeladen schwingt sich Kristian Matsson, bekannt als The Tallest Man On Earth, im Unterhemd auf die Bühne. Der 28-jährige Singer/Songwriter aus dem mittelschwedischen Leksand, Dalarna (nicht zu verwechseln mit Duluth, Minnesota!) dreht seine Runden, als hätte er gerade den Ring betreten. Er bemüht sich um sein Publikum, ist keineswegs vom Tourplan verwirrt, verortet sich ganz richtig und offensichtlich aufrecht erfreut in "Koln" und beginnt. Sein Publikum ist nach stürmischer Begrüßung mucksmäuschenstill. So geschieht es einige Male, dass Matsson im Überschwang nach vollendetem Schlussakkord das Plektrum in die Bühnenecke pfeffert und die letzte Reihe das auch noch akustisch mitbekommt. Und vor ihm steht keinesfalls eine Horde Rentner, die sich nichts zu sagen hätten. Seine Gefolgschaft ist vielmehr blutjung, Jungs und Mädchen gut durchmischt und sehr dankbar. Der anschließende Applaus brandet regelmäßig zu begeistertem Tosen auf.
Matsson spielt ein gutes Set aus den bislang zwei Alben und beiden EPs inklusive Sade-Cover und Duett mit Partnerin Amanda Bergman (aka Hajen, Jaw Lesson, Idiot Wind), das die beiden gekonnt, beseelt, unprätentiös und auf Augenhöhe auf die Bühne bringen wie es Bob Dylan und Joan Baez selten geschafft haben. Und damit soll auch einmal Schluss sein mit den Dylan-Vergleichen – 70ster Geburtstag hin oder her. Matsson entstammt einer Generation, denen die idealistischen Rezepte nicht mehr so leicht von der Hand gehen. Wir hatten ja schon so viel, wir wissen zu viel um die Resultate.
Fotostrecke:The Tallest Man On Earth live, Mai 2011
Und als der vernuschelte Schwede in Dylans Enkelalter doch einmal auf die Probleme der Welt zu sprechen kommt, wirkt er reichlich hilflos. Auf die Gefahr hin, wie ein verdammter Hippie zu klingen, sagt er, sei seine einzige Antwort: "Love". His Bobness wäre das zu wenig, der Post-Dylan-Generation bleibt allerdings nicht viel mehr. Es ist ein Code, es ist eine unumstößliche Essenz, aber es spart allzu deutliche, wuchtig und in endlosen Metaphern und Strophen formulierte Text-Kolosse aus. Zu viele Riesen hat das Wassermann-Zeitalter mit offenem Mund fallen sehen. Der Tallest Man On Earth passt daher lieber auf.
Termine The Tallest Man On Earth
23.05.2011 Berlin, Postbahnhof » Details | Merken | Anreise
24.05.2011 München, Muffathalle » Details | Merken | Anreise
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