Sade live
Die Würde des Alters: So wars in Oberhausen
05.05.2011, 13:11, Text:
Christian Steinbrink
Sade sind eine der Bands, deren Musik seit den 1980ern ohne Verfallserscheinungen überdauert hat. In Oberhausen bekamen 7000 Fans einen Eindruck von der nach wie vor bezaubernd ungreifbaren Aura dieser Soulsongs.
04.05.2011, Oberhausen, König-Pilsener-Arena.
Pop ist zumindest in seinem hochpreisigen Segment zu einer reichlich würdelosen Angelegenheit geworden. Im besten Fall sind es nur aufdringliche, billige Reize, die das Gesamtbild bestimmen, im schlimmeren steht eine Tour durch Chartshows, Warenhäuser oder Großraumdiskotheken an, und die Fressen der Betreffenden blicken von Flächen, auf denen man nie hängen möchte.
Sicher hat auch Sade Adu in den letzten 25 Jahren tausendmal das Angebot bekommen, doch diese oder jene Maßnahme zu durchlaufen, um die Popularität ihrer Band Sade noch um ein paar Prozentpunkte zu steigern. Die in Nigeria geborene Britin hat all das abgelehnt, und das – soviel ist sicher – hat dazu beigetragen, dass ihre Songs bis heute Glanz und Würde behalten haben.
Auch ihre aktuelle Deutschland-Tournee, die erste seit mehr als 15 Jahren, ist geprägt von Würde. Würde, Unnahbarkeit, und richtigen Entscheidungen. Sade entzieht sich dem Zeitgeist, und trotzdem, oder gerade deswegen, strömen Tausende Fans zu ihren Konzerten. In Oberhausen sind es etwa 7000, die eine Show mit Augenmaß zu sehen bekommen, die trotzdem einen ganz außerordentlichen Reiz entwickelt: Ganz ohne Pyrotechnik, Feuerwerk oder Lichtblitze, nur mit perfekt sitzenden Songs, einer routinierten Band mit Lust am Live-Auftritt und der außergewöhnlich glamourösen Aura der in ihren frühen Fünfzigern stehenden Frau Adu.
Tatsächlich sind die Effekte, die Sade in ihre Show einbauen, so dezent, als wären sie aus einem etwas weiter zurückliegenden Jahrzehnt: Die Songs sind in drei Akte aufgeteilt, zwischen denen als aufregendstes Element Stoffbahnen von der Decke fallen; als Zwischenspiele gibt es kurze Film-Sequenzen, und die Songs werden von Videos untermalt, die zumeist ungeschminkt die Elemente der Erde oder Frau Adu in freier Natur abbilden. Hier nervt nichts, nichts wird erzwungen, alles muss aus sich selbst heraus kommen, beziehungsweise aus der Musik.
Auch aus den Songs selbst spricht Würde und das Selbstbewusstsein der Band Sade. Die alten Hits bleiben ausnahmslos im alten Gewand, keine modernen Drum-Patterns oder Laptop-Sounds verwässern die Aura von sanft schwingendem Soul, die Sade immer einzigartig gemacht hat. Die größten Hits werden auch als Hits zelebriert, die Fans stehen und gehen mit, allerdings wird nichts unnötig befeuert oder in aufdringliche Szenen gesetzt. Sade setzen ihre Highlights dosiert, aber nichtsdestotrotz effektvoll: "Smooth Operator" zu Beginn des zweiten Aktes wird genauso gefeiert wie später der Block mit "King Of Sorrow" und "The Sweetest Taboo" oder "No Ordinary Love" und "By Your Side" als großes Finale.
Zu dem Zeitpunkt steht Sade nach mehreren Kleiderwechseln in einem königlich weißen Gewand und offenen Haaren auf der Bühne, und ihr Gesicht sieht trotz zwei Stunden Show kein bisschen angestrengt aus. Das geht nur, wenn man sich vorher als Sängerin nicht verleugnen und oder zum Hampelmann machen muss. Würdevoll und mit Klasse reifen – Legionen von anderen Musikern und Stars können das von Sade lernen. Und nicht nur das.
Termine Sade
07.05.2011 Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle » Details | Merken | Anreise
12.05.2011 Frankfurt / Main, Festhalle » Details | Merken | Anreise
13.05.2011 Berlin, O2-World » Details | Merken | Anreise
19.05.2011 München, Olympiahalle » Details | Merken | Anreise
21.05.2011 Köln, Lanxess-Arena » Details | Merken | Anreise
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