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The Thermals Live

So war's in Köln: Ein Konzert zwischen Schwitzen und Lieben

04.04.2011, 17:12, Text: Kerstin Peterman

The Thermals gaben gestern ein intensives Konzert im Gebäude 9

3.April 2011, Gebäude 9, Köln

„Energieeeeee!!!“ schreit Hutch Harris ins Mikro und pumpt damit noch mehr von ebenjener Energie in den Saal. „You only exist to be replaced“ - Alles, was auf der Platte noch nach Unverständnis, Ratlosigkeit, nach Gefühl klingt, ist entweder nicht mehr zu verstehen oder wird von Drumsticks in doppelter... ach was, dreifacher Geschwindigkeit zerknüppelt. Aber es funktioniert. Erschöpfung ist schließlich auch ein Gefühl. Einfach mal Ratlosigkeit in Energie umwandeln. Dann sind nicht nur die Arme auf der Bühne in der Luft. Immer mehr Arme vor der Bühne kommen dazu. The Thermals machen aus dem Spannungsbogen des Konzerts aber auch eine (aufwärtsgerichtete) Spannungsgerade. Nix mit „Wir ruhen uns erstmal gepflegt aus“. The Thermals haben es nicht so mit Pausen. Ein Schelm, wer da nicht pogt und tanzt.


Ja, Du bist gemeint, Mädchen in der ersten Reihe mit der Handtasche. Alle anderen arbeiten und schwitzen. Selbst die Damen von der Vorband The Coathangers machen noch mal mit, am hinteren Bühnenrand - Pogen und Headbangen im Kleinen. Der Mensch rechts außen vor der Bühne fixiert sie dabei so lange, bis die Bassistin ihn bemerkt und zu ihm rüber schaut. Er belohnt ihre Perfomance mit dem Schumi-Daumen. Sie grinst.

Überhaupt ist es bei aller Energie ein sehr freundliches Konzert: Zettelchen fliegen zu Kathy Fosters Füßen. Mögen es Liebesbriefchen gewesen sein. Was in der Schule immer einen etwas peinlichen Beigeschmack hatte (weil es sowieso keine Aussicht auf Erfolg hatte), ist hier sehr niedlich, weil es erstens überhaupt nicht auf den Erfolg ankommt und zweitens eine hübsche Anachronie zu Kathys Rock bildet.

Ebenso niedlich ist die Sängerin der Coathangers, die ins Publikum reinfotografiert und dabei selig lächelt. Soll sie die Fotos doch nach dem Konzert wieder löschen – Da nur das Während-des-Konzerts zählt, ist das egal und vermittelt so etwas wie Wärme und Spaß am Spielen. Das weiß auch Hutch Harris und bedankt sich dreimal nach jedem Lied und kann es gar nicht fassen.

Ob das ‚Cologne’ bei „Cologne rocks“ austauschbar ist, bleibt dabei dem Publikum überlassen. Ist das jetzt schon Dienstleistung? In jedem Fall ist das egal. Denn am Ende ist da ein Junge, der das Leuchten aus den Augen nicht mehr rausbekommt, eine Träne läuft ihm die Wange hinunter, vielleicht ist es auch ein Schweißtropfen, und er bedankt sich bei dem Mädchen, das ihm vor dem Konzert noch eine Karte abgegeben hat. Er wäre sonst nicht ins ausverkaufte Gebäude 9 gekommen und hätte ein tolles Konzert verpasst. Das Danke, das an das Mädchen gerichtet ist, gilt dabei aber eigentlich den Thermals und dem Schweiß, den sie mit uns und für uns vergossen haben.

 

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