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The National live

So wars in Berlin: Intime Gesten in großer Halle

28.02.2011, 12:42, Text: Raphael Schmidt, Foto: David Jacob

The National boten ein intimes Stelldichein in ausladender Stadion-Atmosphäre. Raphael Schmidt war dabei...

Berlin, C-Halle, 25.02.2011
 
Mit den ersten Worten, die Matt Berninger auf der Bühne von sich gibt, könnte er die Gemütslage des semi-aufmerksamen Publikums kaum besser einfangen: “We expected something / something better than before / we expected something more“. The National haben aber mit "High Violet" auch tatsächlich einen krassen Sprung hingelegt. Plötzlich ist dieses große, anonyme Monster C-Halle sogar passend für diese sympathische Band und ihre Songs, die auf Platte bodenständig schön erscheinen und live eine wahrlich majestätische Wirkung entfalten.


Das mag an vielen Gesichtspunkten liegen. Zum Einen stehen längst nicht mehr die fünf Herren um Berninger auf der Bühne, sondern zusätzlich noch zwei Trompeter und ein gelegentlicher Gastmusiker. Zum Anderen sind Songs wie "England" das beste Beispiel für die Wucht, die The National live entwickeln können. Man mag gerade bei erwähntem Song durchaus Assoziationen ins Stadion entwickeln, weiterdenkend kann man aber auch einfach sagen, dass The National es schaffen das Stadion ins (etwas) Kleinere zu transportieren und so für eine aufrichtige Gänsehaut sorgen.


Während also die Bläser in nahezu jedem Song eingesetzt werden, somit jedes Lied in eine gewisse Tragik versetzen und Berninger den perfekten Antihelden mimt, indem er orientierungslos auf der Bühne umherschwirrt und von Minute zu Minute betrunkener wird, erledigt die Band das Übrige. Die Gitarren sind so herrlich verzerrt und laut, die Drums so hochkonzentriert und präzise gespielt, die Videoprojektion im Hintergrund so passend und gleichzeitig in ihrem Super-8 Look so wunderschön. Apropos Berninger – seine Gestik auf der Bühne ist heute eine wahre Pracht, die Zerrissenheit und die gleichzeitig selbstbewusste Darstellung der Songs ergeben eine so wundervolle Symbiose aus Unterhaltung und intimer Konzert-Romantik,

dass man einfach gefesselt ist von diesen anrührenden 90 Minuten. Und sonst? Sonst passt alles. The National beherrschen ihren Job unfassbar gut, jeder Song wird nahezu perfekt an das Publikum rangetragen und jenes frisst aus der Hand. Das eigentliche Highlight kommt aber im Zugabenblock. "Terrible Love", "Mr. November" und "Vanderlyle Crybaby Geeks" – Drei der wohl besten Songs, vorgetragen in einer unfassbaren Intensität und einem Finale, welches in nicht wenige Gesichter die ein oder andere Träne gezaubert hat. Das ist aber eigentlich logisch, wenn Berninger während "Mr. November" quer durch die C-Halle spaziert und den Kontakt zum Publikum näher nicht herstellen könnte um dann "Vanderlyle" komplett ohne Strom vorzutragen.

Und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Eine Halle mit mehr als 5000 Besuchern, jeder einzelne davon ist mucksmäuschenstill und eine Band, die lediglich zwei Gitarren (ohne Strom natürlich) und eine Trompete nutzen um diesen Song vorzutragen. Und das Publikum? Es singt bedächtig mit, traut sich nicht so recht irgendwas zu sagen (Gut so!) und ist einfach gerührt. Und auch wenn jenes Wort bereits geschrieben wurde und es klingt wie eine miese Metapher – Hier hatte jeder, wirklich jeder, mindestens 4 Minuten eine nicht in Worte zu fassende Gänsehaut. Und dann ist Schluss. Einfach so. Man wird entlassen mit dem am gefühlvollsten vorgetragenen Song überhaupt und schließt dann sein Fazit: Auf ein besseres Konzert werden wir 2011 nicht mehr gehen.

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