Gisbert zu Knyphausen live - So wars in  Dortmund: Melancholie und Alltag Artikelbild (groß)

Gisbert zu Knyphausen live

So wars in Dortmund: Melancholie und Alltag

22.02.2011, 13:00, Text: Thorsten Streck, Foto: Sarah Heuser

Als Adliger hat man es dieser Tage ja nicht gerade leicht. Während Freiherr von und zu Guttenberg momentan aus kaum einer Negativschlagzeile wegzudenken ist, schwimmt Gisbert zu Knyphausen, einziger Adelsvertreter unter den Singer/Songwritern des Landes, nach wie vor auf einer ungebremsten Sympathiewelle. So auch an diesem Abend, der dem Pop Abo am Dortmunder Konzerthaus erstmals in dieser Spielzeit ein ausverkauftes Haus bescherte.

18.02.2011, Dortmund, Konzerthaus
 
Knyphausen gilt als perfekte Inkarnation des modernen deutschsprachigen Liedermachers, und dies stellt er wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis.

Im Verlauf des knapp zweistündigen Sets pendelt er unaufgeregt  zwischen  Hits seiner beiden bisherigen Erfolgsalben. Trotz der gewohnt eher zurückhaltenden Art des gebürtigen Rheinhessen ist bei ihm die Spielfreude in diesem  gediegenen Ambiente von Beginn an deutlich spürbar. Sicher ist ihm nicht unbedingt ein Gesangsorgan vom Kaliber einer Sophie Hunger in die Wiege gelegt worden, das unter diesen Rahmenbedingungen zur vollen Entfaltung hätte  gelangen können, aber wen kümmert das schon.  Dieses "Manko" macht Gisbert durch ausgefeilte Arrangements und die unbestrittene Qualität seines Songwritings  mehr als wett. Wie kaum ein anderer versteht er es, in melancholisch-ironischen Selbstreflexionen die alltäglichen Unwägbarkeiten des Lebens zwischen Liebe und Sehnsucht  so prägnant festzuhalten, dass man sie fast schon als selbstverständlich hinnehmen muss. So präsentiert er, getreu dem rein akustischen Motto der Veranstaltungsreihe, Klassiker wie "Erwischt" oder "Kräne" in wunderbar sparsam reduzierten Versionen, lässt aber auch Raum für ausladende Instrumentalparts wie in "Neues Jahr".

In diesen Momenten kann sich seine vierköpfige Begleitband, zu diesem Anlass noch verstärkt durch Felix Weigt an Klavier und Cello, deutlich in den Vordergrund spielen, was dem sympathischen Protagonisten  jedoch durchaus entgegen zu kommen scheint. Nein, im Mittelpunkt stehen, das ist seine Sache nicht. Dennoch gibt es sie auch heute wieder, diese magischen Augenblicke, in denen er ganz allein im Fokus der Aufmerksamkeit steht und die dringliche Intimität förmlich greifbar ist. Etwa bei "Sommertag" oder "Melancholie", dem Herzstück des 2010er Albums "Hurra! Hurra! So Nicht.", die er solo nur mit akustischer Gitarre vorträgt. Wenn er nicht gerade an der Gitarre steht, versucht sich Herr zu Knyphausen noch augenzwinkernd als "mäßig" talentierter Trompeter oder Verkaufstalent für den edlen Tropfen des  väterlichen Weinguts. Spätere Bestellungen nicht ausgeschlossen. Der Mann darf eben fast alles, auch fein auf die einzelnen Songs abgestimmte Visuals, die das Gesamtbild wunderbar abrunden.

Das Publikum ist jedenfalls rundum zufrieden und klatscht die Akteure auch nach sechs Zugaben und dem abschließenden "Flugangst" noch einmal auf die Bühne. Für Gisbert zu Knyphausen ist auch das mittlerweile irgendwie alltäglich.

Fan werden? Anmelden oder einloggen!



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Pop Abo, Gisbert Zu Knyphausen
Intro.de Künstlerseite von Gisbert zu Knyphausen
Alle Artikel von Thorsten Streck
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]