Iron & Wine live - So war's in Berlin: Im Berghain waren wir jetzt auch alle mal Artikelbild (groß)

Iron & Wine live

So war's in Berlin: Im Berghain waren wir jetzt auch alle mal

10.02.2011, 15:35, Text: Raphael Schmidt, Foto: Dennis Dirksen

Liest man seit Helene Hegemann ab und an mal andere große deutsche Musik-Publikationen könnte man fast meinen, dass es heutzutage das Ziel eines jeden Autoren ist, einmal das Gefühl beschreiben zu können, wie es war, das erste Mal die heiligen Hallen des Berghains zu betreten. Dieses einmalige Gefühl, diese Zwischenwelt, all das Bla Bla Bla. Man kann ja heute schon sehr glaubwürdig von dem Techno-Tempel berichten, ohne je da gewesen zu sein.
 
08.02.2011,  Berlin, Berghain


Am gestrigen Abend jedenfalls war es für viele das erste Mal und das spürte man schon beim unspektakulären Eingang. Viele betraten die Haupthalle mit Worten wie „Ok – ich verstehe den Hype“, um dann vergebens nach den Toiletten zu suchen. Zugegeben: Das war auch alles etwas komisch da, aber durchaus passend: Nachdem der bemühte Support leider völlig in gegenseitigen Liebesbekundungen der hier anwesenden Pärchen unterging, betrat der eigentliche Grund, Iron & Wine, recht schnell gegen viertel vor Zehn die Bühne.



Und man war gleich gefesselt von Sam Beam’s Ausstrahlung, seinem Humor und der höflichen Wortgewandtheit, einem Publikum zu verstehen zu geben, wie schön es ist, wieder in Berlin zu sein. Das verpackt er nicht in bloße Anbiederungen, sondern in einen gesetzten Humor, grundsympathische Anspielungen und der immer wiederkehrenden Verwunderung über die Location. „Das letzte Mal spielte ich in einer Kirche – was ist nur aus uns geworden?“, scherzte Beam, und er meinte das sicherlich nicht böse.

Nach ein wenig Smalltalk begann er mit drei Mitbewohnern behutsam das Konzert und steigerte sich sanft und Schritt für Schritt tiefer in die Materie: Da wurde erst mit einer der zahlreichen Mitmusikerinnen ein wunderschönes Duett hingelegt, dann wieder alleine „Walking Far From Home“ gespielt und später, als Publikum und auch Beam selbst in Stimmung sind, betritt der Rest der Band die Bühne. Bis zu acht Leute finden nun Platz an ihren Instrumenten und spielen hochkonzentriert, jedoch nie angespannt ein unglaublich intimes Set.

Das hätte man im Vorfeld so vielleicht gar nicht erwartet, aber Beam zeigt sich dabei immer wieder als solider und zugänglicher Typ, scherzt mit dem Publikum und freut sich über Reaktionen. Dabei ist Beam nicht die einzige Attraktion.

Eine Band, die so in sich gekehrt ein Set bestreitet, muss einfach ebenfalls gelobt werden. Teilweise, gerade bei den neuen Stücken wie „Tree By The River“, scheint es fast, als würde die Band sich in Rage spielen, dabei aber nie ausufern, sondern einer eisernern Disziplin unterliegen. Das funktioniert so gut, dass viele Konzertgänger die heiligen Hallen des Techno-Tempels in Stillschweigen verlassen oder sich euphorisch darüber äußern, dass Beam der wohl sympathischste Singer-Songwriter aller Zeiten sein könnte. Könnte er, ist er vielleicht sogar.
 
Eines der sympathischsten Konzerte mit einer superben Leistung der Lichtfigur Beam samt Anhang war das aber schon mal definitiv. Und im Berghain sind wir jetzt auch alle mal gewesen.

Fan werden? Anmelden oder einloggen!



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Iron & Wine
Intro.de Künstlerseite von Iron & Wine
Alle Artikel von Raphael Schmidt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
 
Anzeige
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]