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M.I.A. live

Politisch korrekt: So wars in Köln

18.11.2010, 15:45, Text: Christopher Szwabczynski, Foto: Christopher Szwabczynski


M.I.A.s jüngstes Album "Maya" hinterlässt geteilte Meinungen in der Pop-Landschaft. Ein Konzertabend mit der Sängerin muss aber nicht polarisierend wirken. Die etwas andere Pop-Show geht auf.
 
16.11.2010, Köln, Live Music Hall.
 
Keine Verschnaufpause gönnt Mathangi "Maya" Arulpragasam dem recht zahlreich erschienenen Publikum in der Live Music Hall. Fast ausverkauft ist der vom Kölner E-Werk in die Live Music Hall verschobene Gig. M.I.A. geht nach vorne und womöglich auch darüber hinaus.


Geschockt wird man nach dem Support von Sleigh Bells, die ein verstörend lautes Elektro-Punk Set bieten, eh nicht mehr wirklich. Unangenehm, aber zu genießen scheinen es die Besucher dennoch. M.I.A. betritt nach einem darauf folgenden, halbstündigen tosenden Drum’n’Bass Warm-up die Bühne. Auf Knopfdruck geht das "Power Power" los. Den zwei Tänzern, die M.I.A. begleiten, wird schon nach dem zweiten Song rund 60 Fans auf den Hals gehetzt. "Maya" ruft zum Bühnensturm auf. iTunes-Samples, vorbeirasende Formel 1 Bulliden und abgefeuerte Revolver-Schüsse, auch das kann man scheinbar feiern.


Interessant auch ein Blick in die Geschichte der Mathangi "Maya" Arulpragasam. Ein Flüchtlingskind aus Sri Lanka wird zum Individuum und Sprachrohr einer ganzen Bewegung, stummen Bilderlandschaften aus den Medien der westlichen Welt. Das wissen wohl auch die meisten, die sich hier auf dem Konzert zusammen finden. Mitunter adaptive Hipster, Mittzwanziger, Mittvierziger, ein klares Bild lässt sich nicht fassen. Zum politischen Statement können jedoch alle tanzen. An Glaubwürdigkeit verliert Mathangi auch nicht nach der Heirat mit dem Milliardenschwären Benjamin Bronfman.
 
Zum Grande Finale kommt dann "Born Free" das deutlich weniger schockierend auf Bühne funktioniert als im Videoformat. Im Frühjahr 2010 zettelt M.I.A. mit dem Clip zur ersten "Maya"-Single nämlich einen Skandal an, der die Pop-Kultur extrem spaltet. Der Videoclip, für den Romain Gavras – auch für Justice’ "Stress" verantwortlich - die Regie führt, war bald nicht mehr auf YouTube zu sehen. Live bleibt davon lediglich ein wenig LED-Blut und die Aussagekraft übrig. Ihr drastischer Blick auf die Missstände in der Dritten Welt und ihr Einsatz für ein neues politisches Bewusstsein lässt zwar nicht wirklich auf einen ausgelassen Konzertabend freuen. Dennoch, die vorhandenen Energiereserven werden beim letzten Song für diesen Abend "Paper Planes" verholzt. Hier wird Sozialkritik getanzt.

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