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Locas In Love live

Monster über dir: So war's in Köln

25.10.2010, 20:24, Text: Christian Steinbrink

 

Something weird: So richtig wollten die subtil versponnenen Popsongs der Kölner Band Locas In Love bei ihrem Heimspiel nicht zu den zeitgleich gezeigten Trashfilmen passen. Einen grotesken Mehrwert hatte das Experiment trotzdem.


24.10.10, Köln, Filmhaus.


Pommes Frites und Marmelade, Kevin Großkreutz und Schalke 04, Wipers und Saturday Night Fever: Alles Kombinationen, bei denen niemand mit Verstand auf den Gedanken käme, sie könnten zusammenpassen. Beziehungsweise überstiege es den Horizont eines nachvollziehbaren Gedankenganges, würde man sie kombinieren. So ähnlich verhält es sich mit der Idee, die Songs der beiden Locas In Love-Alben "What Matters Is The Poem" und "Saurus" live zu spielen und dahinter Filme wie "Planet der Vampire" und "Frankenstein und die Monster aus dem All" laufen zu lassen. Das passt doch nicht. Oder? Oder was wäre denn, würde man es tatsächlich tun?


Die letzte Frage muss übrig geblieben sein bei den Überlegungen, die Locas In Love-Frontmann Björn Sonnenberg schon mehrere Jahre durch den Kopf gegangen sind. Sagt er jedenfalls von der Bühne des Filmhauses herab. Eine Bühne, die im übrigen gar keine richtige Bühne ist. Das Filmhaus ist ein Programmkino, nie tritt da jemand auf. Sonnenberg ist aber, wie der Rest seiner Band auch, Fan des Kinos und der Programmreihe "Something Weird Cinema", in der Filme nicht selten mit gehörigem Trash-Faktor gezeigt werden, die nicht (mehr) in ein landläufiges Verständnis von Kinounterhaltung passen. Deshalb haben Locas In Love dieses Experiment mit mehr als offenem Ausgang gewagt: Sie spielen in ihrer Heimatstadt des Abschluss ihrer Tour "Two Originals Of..." vor einer großen Leinwand, auf der Vampire und Monster Erde und All verwüsten. Und da stehen sie nun.


Jede andere Band wäre verunsichert durch die Lacher aus dem voll bestuhlten und -besetzten Publikumsraum, die immer wieder an den scheinbar völlig falschen Stellen einsetzen. Denn die Band sieht ja nicht oder nur selten, was in ihrem Rücken gerade passiert. Locas In Love sind auch verunsichert, sie sind aber auch nervenstark. Das führt so weit, dass sich Bassistin Stefanie Schrank und Drummer Christian Schneider manchmal mitten im Song umdrehen und mitschauen. Das ist nahezu grotesk, genauso wie die absolut nicht miteinander in Einklang zu bringenden Eindrücke, denen das Publikum aus vielen eingefleischten Locas-Fans ausgesetzt ist. Da kann ihr großartiges 2007er-Album noch tausendmal "Saurus" heißen.

Der Auftritt der Kölner ist in zwei Hälften geteilt, die Songs der beiden Alben werden tatsächlich streng in ihrer vom Tonträger gewohnten Reihenfolge gespielt. Sie sind schön, besonders die von "Saurus" haben auch Jahre nach Veröffentlichung nichts von ihrer Kraft verloren, sie treten hier und heute aber auf eine ganz unwahrscheinliche Art in Konkurrenz zu einer völlig lächerlichen Epoche von Science Fiction-Filmen. Klar – Locas In Love-Songs sind nicht nur ernst oder nicht nur introvertiert, die Band war schon immer selbstbewusst genug, mit zu eindeutigen Zuschreibungen zu spielen oder sie auch vorzuführen. Sie standen aber auch nie im Verdacht, sich mittels ihrer Musik lächerlich machen zu wollen. Und genau das ist die Haltung, mit der gerade die Nicht-Cineasten im Publikum den Filmen aus den tiefsten 60er-Jahren heute begegnen. Heraus kommt ein Clash zwischen Bild und Ton, nicht so wie bei "Panzerkreuzer Potemkin" und den Pet Shop Boys, wo sich beides auf eine ästhetische Art ergänzte. Die Locas provozieren bewusst Brüche, schaffen Kontraste, die beim besten Willen nicht komplementär zu nennen sind, und kritisieren damit mehr indirekt als direkt die Praxis solcher Neuvertonungen. So ließe sich das zumindest bewerten.

In Wahrheit ist es wahrscheinlich die ergebnisoffene Lust an außerordentlichen Konzertsituationen, die die Band treibt. Und die sie, nachdem sie sich auf ihrer Bühne einigermaßen zurechtgefunden hat, auch genießen kann. Das Publikum in seiner Mehrheit übrigens auch, wahrscheinlich fügt der Großteil diesen Auftritt in das Kuriositätenkabinett seiner Erinnerungen ein. Genau dahin passt auch das Cover von Motörheads "Ace Of Spades", das die Band als Teil ihrer Zugaben nach einem sehr langen Konzert spielt. Danach kommt zum Abschluss noch ein neues Stück vom Anfang 2011 erscheinenden und bislang noch unbetitelten Album. Es heißt ganz pragmatisch "Es ist alles wirklich so schlimm wie es scheint". Nur damit sich auch niemand von einem so avancierten wie gemütlichen Konzertabend wie diesem blenden und einlullen lässt.

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