Turbostaat live
Auf Händen getragen, in den Armen gelegen: So war's in Köln
18.10.2010, 17:04, Text:
Daniel Decker
Es gibt viel zu feiern, vergangenen Samstag bei Turbostaat in Köln. Tourabschluss, Geburtstage. Doch selbst ohne die Gründe hätten alle gefeiert, sich, die Vorband Ten Volt Shock und natürlich Hauptband Turbostaat.
16.10.2010, Köln, Gebäude 9
Die Indiepolizei hat die Flensburger ja schon länger auf dem Kieker. Sorgten die ersten Veröffentlichungen auf dem Kultlabel Schiffen noch für eindeutigen Jubel, ist es mit dem Wechsel zu Same Same But Different und dem dazugehörigen Vertriebsdeal mit dem Major Warner schnell anders.
Den Besuchern im ausverkauften Gebäude 9 ist die vermeintliche Debatte zu Recht scheißegal. Und bereits bei Ten Volt Shock ist die Halle voll besetzt. Keine übliche Distanz, wie man sie sonst bei Support Acts kennt, die Leute wollen feiern und bekommen, was sie wollen.
Bei Turbostaat selbst kann man sich nur noch wundern, wie denn auch die letzten Überbleibsel von der Bar in die Halle passen. Und gleich beim ersten Song wird die Textsicherheit des Publikums auf die Probe gestellt. Genau genommen müsste Jan Windmeier gar nicht singen, das Publikum skandiert lauthals mit und während vorne der Pit tobt und die Gäste auf Händen getragen werden kann man hinten Verbrüderungsszenen beobachten. Sowas mag man vielleicht sonst nur von Hosen Konzerten kennen (die sich übrigens den gleichen Booker wie Turbostaat teilen), aber ist es kommerziell, wenn sich Leute singend in die Arme fallen? Genau, selbst wenn wäre es egal. Und so wird bei Singles wie „Harm Rochel“ oder „Pennen bei Glufke“ geklatscht und gesungen. Ein Crowdsurfer schafft nach dem Sprung von der Bühne sogar, den kompletten Raum zu durchmessen und fällt fast auf’s Mischpult, als er bei der letzten Reihe ankommt.
Turbostaat wissen ihren hart erarbeiteten Status auszunutzen und glänzen mit außergewöhnlich kraftvollem Sound und guter Lichtshow. Sänger Jan erwähnt, dass sie das erste Mal einen eigenen Lichtmischer auf Tour dabei haben, was sich definitiv bezahlt macht. Der relativ späte Anfang der Show ist bewusst gewählt, um den langjährigen Tourmanager und Merchandiser Friese in seinen Geburtstag zu begleiten, der dann im Zugabenblock auch zur Gitarre greifen darf. Und reichlich spät und mit Zugaben bedacht wird das Publikum dann in die Aftershow Party entlassen, die dem Anlass entsprechend nicht weniger kraftvoll ausfällt.
Und im November geht es dann schon wieder auf Tour…
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