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Someone Stills Loves You Boris Yeltsin live

Unsterblich: So war's in Düsseldorf

15.10.2010, 00:07, Text: Christian Steinbrink


Der große Präsident ist tot, nicht zuletzt der Alkohol hat ihn zugrunde gerichtet. Die Band, die ihn offenbar aus einer Laune heraus in ihren Namen einbaute, lebt weiter. Nicht an der Spitze der Trendcharts, wohl aber in ihrer gut besuchten Nische.

 

13.10.10, Düsseldorf, Pretty Vacant

 

Sie heißen zwar nicht Jim, Oz, Kevin und Finch, sondern Phil, Will, John Robert und Jonathan, sie könnten aber trotzdem als die vier High School-Nerds aus Phil Weitz' „American Pie“ durchgehen: Someone Still Loves You Boris Yeltsin aus Springfield, Missouri sind keine verschlagenen Rockstars, sondern die unauffälligen Milchgesichter von nebenan, leicht verschroben und etwas still, aber freundlich. Sie sind de facto keine Rockstars, so wie auch Jimmy Eat World nie Rockstars gewesen sind, sie können aber etwas. Nämlich Songs schreiben, ganz losgelöst vom Status Quo des aktuellen Indie-Glamour, sondern Indie-Pop mit Gitarren und Beach Boys-Harmonien.


Das lockt Kritiker und Hipster schon seit 15 Jahren nicht mehr hinter dem Ofen hervor, wohl aber die Fans. Die sind der Band seit drei Alben treu, haben sich stetig vermehrt und nun auch den verrauchten Keller des Pretty Vacant in der Düsseldorfer Altstadt voll gemacht. Es braucht sogar die Einweisung des Veranstalters, damit sich auch der Letzte die Treppe bis nach unten quetschen kann, um auch etwas von der Bühne sehen zu können, nachdem der lokale Support und Songwriter Adrian Pauly sein Solo-Set beendet hat. SSLYBY scheint die Enge direkt vor ihnen etwas zu verängstigen, sie lassen sich aber nichts anmerken. Das geht auch kaum, schließlich lächeln sie zwar offen und freundlich, über nettes Geplauder gehen ihre Entertainer-Qualitäten aber nicht hinaus. Sie können aber etwas anderes, nämlich Songs schreiben, die zwar nicht aufsehenerregend oder schrill sind, sondern einfach und wunderbar melodisch perlen, die hübsche Gitarren-Arrangements besitzen und helle Gesänge. Sowas läuft in den USA im College-Radio oder im Soundtrack von „The O.C.“, ist also Mainstream, hierzulande lässt sich die Fanbase solcher Musik aber noch ziemlich gut und auf eine Szene zugespitzt beschreiben. Und da SSLYBY gemütliche Szenetypen sind, freuen sie sich, über die freundlichen Gesichter vorne, viele jung, viele weiblich.

 

Das, was diese Fans wollen, und was SSLYBY zu geben in der Lage sind, lässt sich auf einen ziemlich einfachen Nenner bringen: Es geht um liebliche Harmonien, Melodien zum Schmelzen, etwas Coming Of Age-Melancholie. Sowas mag auf Erwachsene banal wirken, es ist aber die Klasse ihrer Lieder, die das immer noch jung aussehende Quartett besonders macht und gewinnen lässt. Das sind Ohrwürmer wie das wunderschöne „House Fire“ vom ersten Album „Broom“, oder „Oregon Girl“, der Song, mit dem sie erstmals bekannt wurden. Nach drei Alben haben SSLYBY genügend solcher Songs, um die gute Stunde zu füllen und mit kleinen Highlights zu spicken. Sie sind selbstbewusst genug, um zu wissen, was sie können und nicht können, was zu ihrer Show passt und was ihnen selbst gefällt. Manche Fans erinnern sich zwar mit etwas Wehmut an das erste Konzert der Band im halbleeren Gebäude 9, als man noch genügend Platz zum Tanzen hatte. Aber auch in stickiger Hitze und mit wenig Platz ist ihr Konzert ein sinnlicher bis erhebender Liederabend. Manchmal sogar noch mehr als das.

Termine Someone Still Loves You Boris Yeltsin
16.10.2010 Amsterdam, Paradiso » Details | Merken | Anreise
17.10.2010 Hamburg, Molotow » Details | Merken | Anreise
21.10.2010 Kopenhagen, Lades » Details | Merken | Anreise
22.10.2010 Berlin, Bang Bang Club » Details | Merken | Anreise
23.10.2010 Offenbach, Hafen 2 » Details | Merken | Anreise
24.10.2010 Stuttgart, Jugendhaus West » Details | Merken | Anreise

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