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Tina Dico

Spärlich beleuchtet vs. emotional brausend - So war’s in Dortmund

09.10.2010, 12:37, Text: Thorsten Streck

08.10.2010, Dortmund, Konzerthaus

Deutschlands erstes Pop Abo ist schon seit 2006 fest etablierter Bestandteil des Spielplans am Dortmunder Konzerthaus. Und das zu recht. In der Vergangenheit haben an dieser Stelle bereits unzählige Künstler internationalen Formats von Lambchop über Kings Of Convenience bis hin zu Emiliana Torrini feinsten Akustik Pop unter „klassischen“ Rahmenbedingungen dargeboten und somit dem Konzept mehr als nur bloße Berechtigung verliehen. Im popkulturellen Gegenwartskontext stellen klassische Elemente und (Indie) Pop Strukturen ja eh längst keine Unvereinbarkeit mehr dar.

Den Auftakt der diesjährigen Spielzeit bildet die dänische Singer/Songwriterin Tina Dico.

In Deutschland wohl eher noch in der Sparte Newcomer anzusiedeln (wie sie selbst verschmitzt einräumt), hat Dico in ihrer Heimat bereits einige platindekorierte Alben veröffentlicht und es mit dem Song „No Time To Sleep“ sogar zu der zweifelhaften Ehre gebracht, auf dem Soundtrack der US-Tränendrüsen-Fernsehserie „Grey’s Anatomy“ zu erscheinen.

Dico hätte sich an diesem Abend wohl kaum einen besseren Support als den sympathischen isländischen Songschreiber Helgi Jonsson wünschen können. Dessen sparsame Arrangements werden dominiert von seinem immensen Stimmvolumen, das mehrere Oktaven abzudecken scheint. Man mag bereits zu diesem Zeitpunkt überzeugt sein, dass Veranstaltungen wie die Pop Abo Reihe nur zu dem einen Zweck ins Leben gerufen worden sind, um Künstlern wie Jonsson den perfekten Rahmen zu bieten. Wo, wenn nicht in diesen ehrwürdigen Hallen ausbalanciertester Akustik könnten Stimmgewalt und Dringlichkeit eines Protagonisten eine derart gelungene Symbiose eingehen? Mit seinen vom österreichischen Dialekt durchfärbten Anekdoten bringt der junge Mann das Publikum vollends auf seine Seite, bevor er kurz darauf als Bandmitglied Dico’s erneut am Piano Platz nimmt und auch einige Posauneneinlagen gibt.

Die charismatische Dänin weiß stimmlich zu glänzen, ohne Frage. Ihre Folk- Pop Songs gleiten allerdings vor allem im Band Kontext bisweilen in sehr seichte, vorhersehbare Gefilde ab. Ein Manko, dass die Dame jedoch sehr wohl kompensieren kann, wenn sie ohne Begleitwerk nur mit akustischer Gitarre mal melancholisch schwelgende, mal emotional aufbrausende Intermezzi auf die Bühne bringt. In diesen Momenten passt dann doch wieder alles irgendwie zusammen. Die spärlich beleuchtete Bühne bietet das ersehnte Refugium für diese talentierte Songwriterin.

Höhepunkte des mehr als 90-minütigen Sets bilden großen Teilen des Auditoriums geläufige Hits wie „Warm Sand“, „Count To Ten“ oder eben „No Time To Sleep“. Hier drängt sich dann doch die Frage auf, ob sich einfach viele Kenner der dänischen Musikszene oder doch eher Fans bereits erwähnter Fernsehserie unter die Zuschauer gemischt haben.

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