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Dendemann

Trainingsanzug ist Trumpf – so war’s in Köln

08.10.2010, 16:28, Text: Steffen Rieger

Dendemann - Vor knapp drei Monaten noch der vom Indiefan akzeptierte Hiphop-Eindringling auf dem MELT!-Festival, jetzt als Deutschrap-Veteran wieder auf Solo-Tour. Seine Mission: Nicht nur die Renaissance der formschönen Tom Selleck-Gedächtnis-Rotzbremse, sondern vor allem eine klare Aussage: „Stumpf ist Trumpf“.

07.10.2010, Köln, Live Music Hall.

Der Tatort: Die Live Music Hall im schönen Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Der Raum durch geschickte Zuschaueraufteilung zu etwa zwei Dritteln gefüllt. Und Dendemann? Der steht mit 5-köpfiger Live-Band auf der Bühne, die auf den schönen Namen Freie Radikale GbRdH (Gesellschaft bürgerlichen Rechts der Herzen) hört.

Im stilsicheren Retro-Look werden zu Beginn erst mal Songs seines aktuellen Albums durchgeturnt. Das ist er gewohnt, schließlich war er schon vor der Festivalsaison mit „Vom Vintage verweht“ unterwegs. Aber heute weicht die respektvolle Routine aus dem Juli (siehe MELT!) einem ungeschminkten Enthusiasmus, erntet der gebürtige Sauerländer nach kurzer Aufwärmphase diesmal nicht nur höfliche, sondern authentische Begeisterung.

Das Entzücken springt spätestens in dem Moment ungebremst über, als das Geschehen auf der Bühne den vorgegebenen Pfad des aktuellen Werkes verlässt.  Mit einem Reigen aus „Neuinterpretationen“ – so die offizielle Rede – wird zwei Stunden lang mit offener Spielfreude und vor allem jeder Menge Witz Hiphop zelebriert. Egal ob das Rock-Gewand scheppert, die Röhrenjeans kneift oder der Naseninhalt des Protagonisten im Handtuch ein MTV-Logo hinterlässt, das Publikum nimmt es mit ehrlicher und meist textsicherer Begeisterung auf.
Nur der Heiratsantrag eines jungen Mannes an seine Freundin, der im Jamaika-Trainingsanzug die Bühne erklettert, wird vorzeitig beendet. „Zu viel Romantik“, beschließt Dendemann und leitet mit lächelndem Fremdscham-Sarkasmus zum nächsten Lied über.

Selbst Fans der ersten Stunde kommen letztlich auf ihre Kosten. Ganz altmodisch nur mit DJ-Unterstützung werden die Gassenhauer „Danke, gut“ und „Hand aufs Herz“ seiner alten Crew Eins, Zwo in etwas aufgepimpter Version als Abschluss der ersten Zugabe gespielt. Breitflächige Nostalgie, die die Herzen überlaufen lässt.

Und so spannt Dendemann letztlich einen Spannungsbogen über fast 12 Jahre persönlicher Discographie in häufig neuem Gewand. Samt echtem Vintage-Feeling, zu verdanken einer souveränen Begleitband in modisch einwandfreien Retro-Trainingsanzügen.



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