So war das Glastonbury 2010 - am Sonntag: Deutschland vs. England vs. Glasto Artikelbild (groß)

So war das Glastonbury 2010

am Sonntag: Deutschland vs. England vs. Glasto

29.06.2010, 14:49, Text: Christine Franz, Foto: Christine Franz

Die Mutter aller Festivals und die Mutter aller Fußballspiele: Trotz der derben Niederlage Englands gegen den Erzrivalen kippt die Stimmung nicht. Christine Franz war für uns vor Ort.

Sonntag 27.6., 3.pm, Festivalgelände
Holy Fuck, The Drums und Slash haben es schwer heute Nachmittag. Vor den Bühnen ist viel weniger los als sonst. Und das hat natürlich nur einen Grund: Germany vs England. In diversen Bars und auf zwei Großbildleinwänden wird public geviewt. Passend zum Spiel gibt’s heute auf dem Cover der täglichen Festivalzeitung eine Ausschneidemaske im Michael Eavis-England-Flaggen-Design (siehe Foto). Die liegen spätestens nach Lampards nicht gegebenem Tor überall zertreten auf dem Gelände herum. Auch wenn die Stimmung direkt nach dem Spiel erstmal mies ist, die Frau neben mir in der Bar sagt das, was hier trotzdem alle denken: "Don’t let that ruin our Glastonbury. Let’s go out and watch some bands to cheer us up."


Sonntag 27.6.2010, 8.40 pm, Other Stage
James Murphy (LCD Soundsystem) hat sich fein gemacht. Passend zum Wetter und zum Stylo-Publikum trägt er heute Abend einen weißen Anzug. Selbstverständlich ist der Publikums-Hipster-Faktor heute Abend noch ein bisschen höher als sowieso schon bei fast allen Gigs an diesem Wochenende. Vor der Bühne trifft sich die halbe Backstage-Bar zum Poppersschnüffeln. Alex Kapranos sprintet mit seiner Freundin heran um noch die letzten Beats von "All My Friends" mitzukriegen. Hat sich gelohnt. Bevor der Song zu Ende ist, klärt uns James Murphy per Gesangs-Impro dann noch auf, was er vom Festival hält: "Glasto smells like human poo." Nice.
 
Sonntag 27.6.2010, 10.15 pm, Pyramid Stage
Auch wenn sich die Besucher und die UK-Presse vor dem Festival noch über die Headlinerwahl beschwert hatten, zieht Stevie Wonder heute Abend die mit Abstand größte Crowd des Wochenendes. Irgendwie will die Motown-Legende dann doch jeder mal gesehen haben. Absoluter Höhepunkt: am Ende des Gigs kommt Festivalgründer Michael Eavis auf die Bühne, um mit Stevie Wonder "Happy Birthday" zu singen. Aber so richtig wohl fühlt sich Farmer Michael Eavis nicht da oben auf der Bühne. Und fast hätte das schräge Duett zum 40. Festivalgeburtstag gar nicht geklappt. Ein Security Mann wollte den Glasto-Chef nicht auf die Bühne lassen, weil er nicht den richtigen Pass hatte.
 
Sonntag 27.6.2010, 11.30 pm, Queens Head
Während unten im Tal Ash, Orbital und Stevie Wonder ihr Ding machen, spielen Dan Le Sac vs Scroobius Pip oben auf dem Hügel vor 3000 Leuten. Und gehen zu "Superstition" auf die Bühne. Scroobius Pip während des Gigs: "I feel like Chris Martin now". Und meint damit, dass hier alle im Zelt seine Lyrics mitsingen. Trotz Anti-Pop-Themen wie Teenagerschwangerschaften, Selbstverstümmelung, Religion und Unterhauswahlen. Während des Live-Sets demonstriert er, dass sich zu Dan Le Sacs Elektro-Beats nicht nur über Pop&Politics rappen, sondern auch hervorragend stagediven lässt. Zum Schluss gibt’s "Letter From God To Man" und "The Beat". "This could have been the last songs of Glastonbury 2010" meint Pip. Sind sie auch. Und das Highlight für dieses Jahr.

Mehr zum Glastonbury 2010 unter www.intro.de/live/festivals.



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