Get Well Soon im Pop-Abo
Weltschmerz in Schön
10.05.2010, 13:06, Text:
Jens Wege, Foto: Sarah Heuser
Melancholie, Drama, Pathos – das sind die Ingredienzien, die Konstantin Gropper mit Get Well Soon zu Mini-Epen verschmilzt. Das funktioniert in verschwitzter Club-Atmosphäre genauso wie in der kühlen Architektur des Dortmunder Konzerthauses, wie ihr Auftritt beweist. Wo sich sonst Dirigenten die Taktstöcke in die Hand geben, entfacht die Band das Kino der großen Gefühle.
Verschneite Zwielicht-Wälder auf großdimensionierter Leinwand und Vogelgezwitscher vom Band stimmen schon mal auf den kommenden Wehmuts-Pop ein. Und wie der kommt. Verspielte Xylofonklänge und Groppers Moll-Gesang wiegen das Publikum in Sicherheit bis zur Zeile „…with Sirens singing“. Dann schwingt sich das Get Well Soon Ensemble energisch in bittersüße Sphären auf, bei denen man nicht weiß, ob man sich bewegen oder bewegt die Augen schließen soll. Im Konzerthaus gilt Letzteres. Gebannt nehmen die Zuschauer die Bilder- und Klangflut von „Seneca´s Silence“ in sich auf, um beim Schlussakkord in Jubel auszubrechen. Und das, obwohl sich hier Szene-Typ und Klassik-Gourmet die Armlehne teilen: Karo-Hemd trifft Kaschmir-Sakko. „Sehr beeindruckend, in diesem großen Haus zu spielen“, wie Konstantin Gropper konstatiert.
Fragile Glockenspiel-Töne wie von Flohmarkt-Spieluhren nehmen mit wuchtigem Bass- und Schlagzeugeinsatz Fahrt auf, synchron zum eingespielten U-Boot bei „Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day“. Strobos und Nebel untermalen die ekstatische Sehnsuchtssymphonie, die das hohe Gewölbe erfüllt. „Mannomann, ich dachte, die ruhigen Sachen kommen im Konzerthaus besser an“, wundert sich der schwarzhaarige Multiinstrumentalist über die Resonanz der etwa tausend Anwesenden.
Wenn man es genau nimmt, sind es eher die Kompositionen des Debüts, die die größten Reaktionen hervorrufen, und die sind bei dieser Vorstellung von „Vexations“ in der Unterzahl. Doch auch die neuen Songs, wie „5 Steps / 7 Words“, die von Geigen und Trompeten verstärkt werden, verfehlen ihre Wirkung nicht.
In dem Strudel aus Discokugel-Lichtpunkten kann man sich getrost seiner Melancholie hingeben und in den nicht verheilten Wunden bohren, die von der letzten Liebe gerissen wurden. Den stehenden Ovationen nach zu urteilen, haben das nicht Wenige getan. Weltschmerz kann so schön sein - wenn Get Well Soon ihn zelebrieren.
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