Gisbert zu Knyphausen live - in Hamburg: Speisung der Achthundert Artikelbild (groß)

Gisbert zu Knyphausen live

in Hamburg: Speisung der Achthundert

27.04.2010, 19:34, Text: Therése Gottschalk, Foto: Dennis Dirksen
[6 Kommentare]

Unsere Autorin Therése Gottschalk war beim Konzert des blaublütigen Melancholikers in Hamburg, lernte viel über innere Zerwürfnisse und ging am Ende erfrischt geläutert.

25.04.2010, Hamburg, Kampnagel.

Das Publikum auf den Sitzplätzen unterhält sich wie vor einem Theaterstück in gedämpfter Lautstärke. Der Gong zum Start erklingt, fehlt nur der geschlossen rote Vorhang: Heimspiel für Gisbert zu Knyphausen – rund 800 Zuschauer blicken gespannt herab auf die Bühne der Hamburger Theater-, Tanz- und Performance-Location Kampnagel um die Taufe des neuen Albums "Hurra! Hurra! So nicht." zu feiern.


Ein "Schön, dass ihr da seid" zur Begrüßung, dann setzen Knyphausen und Band mit dem Opener "Hey" gleich einen imposanten Auftakt: Harmonisches Gitarrenschunkeln, ein sich orkanartig zusammenbrauendes Inferno und sein ironisches "hey, hey, alles ist ok". Das Publikum ist aufgewühlt, die Körper in den Sitzreihen beugen sich angespannt nach vorne und wohin man auch blickt sieht man ernste, nachdenkliche Gesichter. Weiter geht es mit "Hurra! Hurra! So nicht." und damit hinein in den Strudel von Wut, Melancholie und Wortgewalt. Das hier ist keine Spaßveranstaltung – aber das war allen klar.

 
"Geht es euch gut?", fragt er in die Reihen und wirkt beim Anblick der großen Menschenwand ein wenig verloren. "Wir sind etwas nervös, aber das hat sich gleich erledigt." Soviel zum Stand der Dinge auf der Bühne – die Menge ist nach so viel musikalischer Vehemenz noch ganz benommen und braucht einen Moment, um mit tosendem Applaus zu reagieren. Für Erholung bleibt jedoch keine Zeit, Knyphausen legt mit dem Herzstück der Platte "Seltsames Licht" nach, singt über Tod, Liebe und ach, die Traurigkeit – nichts neues, doch insgesamt kommen die Songs viel tiefer, dichter als die des Erstlingswerks daher – magisch ziehen sie in den Bann, das Volk hängt an den Lippen des zornig Gitarre spielenden Propheten.

Zwischendurch nimmt er einen Schluck Wein aus seinem Glas und schon geht's weiter durch die Setlist. Bei "Melancholie" übermannt einen das Gefühl, inmitten eines Zwiegesprächs in Knyphausens Kopf gelandet zu sein, bei Klassikern wie "Flugangst" sieht man im Takt wippende Fußspitzen – die meisten jedoch lauschen regungslos den traurig-schönen Geschichten des Liedermachers.



Vergnüglich geht es dann aber doch auch zu, bei der Plattentaufe knallt der Korken, Knyphausen verteilt mit biblischem Eifer die Flasche Sekt an die erste Reihe ("Durchreichen, die Gläser, reicht sicherlich für alle") und dankt dem Publikum: "Yo, wir freuen uns – ach, ich weiß nix zu erzählen". Statt großer Rede gibt er großzügig Zugaben und reißt seine Gefolgschaft aus dem verträumt-sinnierenden in den ekstatisch applaudierenden Zustand: "Verschwende Deine Zeit" – so sein gutgelaunter musikalischer Abschiedsgruß nach zwei Stunden wohliger Tristesse. Wohin das führt? Wir werden sehen.

Termine Gisbert zu Knyphausen
08.05.2010 Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus » Details | Merken | Anreise
09.05.2010 Magdeburg, Moritzhof » Details | Merken | Anreise
10.05.2010 Hannover, Faust » Details | Merken | Anreise
11.05.2010 Kassel, Schlachthof » Details | Merken | Anreise
12.05.2010 Osnabrück, Kleine Freiheit » Details | Merken | Anreise
13.05.2010 Erlangen, E-Werk » Details | Merken | Anreise
14.05.2010 Wiesbaden, Schlachthof » Details | Merken | Anreise
14.05.2010 Wiesbaden, Schlachthof » Details | Merken | Anreise
15.05.2010 Karlsruhe, Tollhaus » Details | Merken | Anreise
17.05.2010 Saarbrücken, Sparte 4 » Details | Merken | Anreise

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  • AnnaMV 11.05.2010 | 10:39:02

    Super Artikel! Ich war auch dort und finde das Konzert gut reflektiert. Schöne Wortwahl.

  • User: gedankenfilme
  • gedankenfilme 11.05.2010 | 15:33:38
    Bring me Edelweiss
    und - oh nein - ausverkauft in kassel heut :( ausgerechnet! das heißt nun also für mich: MELANCHOLIE!!

  • User: Gerd Rubenbauer
  • Gerd Rubenbauer 11.05.2010 | 15:38:24

    Es gibt immer Karten auf dem Schwarzmarkt (auch zu normalen Preisen)! Also hingehen!!

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