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The Whitest Boy Alive live

in Dortmund: Nach eigenen Regeln

07.12.2009, 17:22, Text: Christian Steinbrink, Foto: Katharina Poblotzki

2009 neigt sich dem Ende zu, und The Whitest Boy Alive scheinen zu den musikalischen Überfliegern des Jahres zu gehören. Das zeigte ihr Konzert in Dortmund, im übrigen das erste seit langem, das die (Ex-)Berliner nicht ausverkauften.

05.12.2009, Dortmund, FZW.

Konsens ist kein Wort, vor dem man sich fürchten müsste. Neben all der (scheinbaren) Pluralität im Pop, in dem sich Unmengen von Alben in gleichmäßig geringen Stückzahlen verkaufen, ist zwischendurch eine Band, die alle miteinander bejahen können, doch ganz wohltuend.


Man muss sich ja nicht mit der vermeintlichen Langeweile von Einvernehmlichkeit befassen, schließlich offenbaren Verlautbarungen dieserart meistens eine ihrerseits öde Pose von Distinktion. Stattdessen kann man auch einfach - tanzen. Oder den schneidigen Funk der vier Berliner Bubis feiern, der auf dem zweiten Album "Rules" vielleicht nicht mehr ganz so frisch daherkommt wie auf dem Debüt "Dreams", aber dennoch mehr und mehr zum passenden Soundtrack für alle Lebenslagen avanciert.

Ungeachtet dessen haben The Whitest Boy Alive den Schritt in den Mainstream schon lange und recht leichtfüßig vollzogen, und das ohne die in solchen Fällen immer zu befürchtenden Streuverluste. Ihre Konzerte sind voll und sehen immer noch so aus wie auf den ersten Touren. Nach dem Release von "Rules" hat die Band das Restjahr auf Tour verbracht, auf der gerade zurückliegenden Schiene haben sie Frankreich, Luxemburg und die Niederlande erobert, und den internationalen Kommentaren auf ihrem MySpace zufolge liegen da noch lange nicht ihre Grenzen. Der Reiz der Musik WBAs scheint universell erkennbar, so dass es gar nicht so kurios wirkt, dass gerade der Gig in Dortmund der Einzige ist, der sich in den letzten Wochen nicht ausverkaufte. Voll ist es im FZW trotzdem, auch und gerade in den vorderen Reihen. Der Show von Erlend Oye & Co. merkt man die Schule der zurückliegenden Festivalsaison an. Mehr denn je bemühen sie sich, ihr Publikum auch zu unterhalten, nicht allein mit ihrer Musik so wie noch zu Beginn, sondern auch mit Kommentaren und Interaktion. Einen Hang zum Größenwahn offenbaren The Whitest Boy Alive dennoch nicht, das verbietet ihnen wohl ihr Sinn für Stil, statt LED-Leinwand und gigantischer Lichtshow hängt bloß das gewohnte schwarz-weiße Stoffbanner an der Rückseite der Bühne.


Zu The Whitest Boy Alive gehören ihre mittlerweile recht zahlreichen Hits, ja, mindestens genauso wichtig ist aber der beständige Groove ihrer Musik. Singles stechen bei ihnen nicht über die Maßen heraus, auch nicht in Dortmund, das Reizniveau ist dafür gleichbleibend zu hoch. Es ist ein dankbarer Groove, auch schlüssig für diejenigen, die sich mit dem Tanzen sonst immer schwer tun, er ist aber dennoch nicht der einzige Zweck dieser Musik, dafür ist die lyrische Komponente im Gesang Oyes zu eindrucksvoll. Es scheint, als habe der weiße Funk von The Whitest Boy Alive einen ähnlichen Effekt wie der Downbeat von Kruder & Dorfmeister und Konsorten vor etwa zehn Jahren: Ein zunächst avancierter Groove, der massenwirksam einschlägt und eine Zeit lang ganze Jahrgangsstufen bewegt. So gesehen erstaunlich, dass WBA immer noch so solitär dastehen, und sicher auch ein Indiz für ihre Klasse.

Das Konzert in Dortmund bot in dieser Hinsicht außer der überdimensionierten Discokugel an der Decke des FZW wenig Neues. Stattdessen die bewährte, gut 90minütige Show der vier smarten und perfekt eingespielten Instrumentalisten, die (noch) nichts von ihrem Reiz eingebüßt hat. Eine Show, die mitsamt der stets ziemlich kruden Coverversionen so unterhaltsam und erhebend ist, dass man sie sich in regelmäßig kurzen Abständen immer wieder anschauen mag. Aber zunächst dürfen Asien, Nord- und Südamerika in den Genuss kommen. Es wird interessant sein zu sehen, welche neuen Ideen The Whitest Boy Alive dann von dort wieder mit nach Hause bringen werden...

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  • User: Intro
  • Intro 07.12.2009 | 17:22:00

    2009 neigt sich dem Ende zu, und The Whitest Boy Alive scheinen zu den musikalischen Überfliegern des Jahres zu gehören...

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