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So war das Intro Intim

in Berlin: The Field, Circlesquare & White Rabbits live

27.11.2009, 13:21, Text: Christoph Dorner
[7 Kommentare]

Intro-Autor Christoph Dorner sah in The Field in Berlin einen Türöffner für diejenigen, die elektronische Musik gerne gut finden würden, es aber nicht hinbekommen...

26.11.2009, Berlin, Lido.


Es ist der 1. August 2009, der heißeste Tag des Jahres. Zumindest im sächsischen Nirgendwo mit Namen Olganitz, wo die Besucher des feinen Nachtdigital Festivals während dem sechseinhalb Stunden-Set von DJ Koze gegrillt werden. Am frühen morgen, man hat sich mit Tanzen und Espresso wach gehalten, spielen The Field (Foto) in Deutschland ihr erstes Live-Set anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Yesterday And Today".


Dazu reißt der Himmel auf wie bei Ankunft der Außerirdischen in Emmerichs "Independence Day" und die Farben laufen ineinander, dass es nur so eine Schau ist. Erst schwarz, dann rot, später blau - und es ist Tag. Später wird es wie aus Kübeln gießen und Blitze werden die Luft durchzucken. Zugegeben, mit diesem Panorama kann der milde, triste Winter in Berlin nicht ganz mithalten. Und doch entfaltet der hypnotische Sound des Schweden Axel Willner, der seine Musik beim Kölner Elektronik-Label Kompakt veröffentlicht, auch beim Intro Intim seine ganze Pracht.

Ein druckvoll gespieltes Schlagzeug, einige wenige, repitive Bass- und Gitarrenspuren sowie Techno-Bässe und auffahrende Trance-Bögen mit dem Grundelement kurzatmig dahingestöhnter, abschnittener Loops - im Grunde könnte man The Field auch als elektronisches Update von Post-Rock bezeichenen. Post-Post-Rock sozusagen. Ein Türöffner für diejenigen, die elektronische Musik gerne gut finden würden, es aber nicht hinbekommen. Dazu gehört auch, dass Willner in Tracks wie "Silent" oder "Over The Ice" Spannungszustände nicht ewig lange hochfährt wie einen alten Windows-Rechner, sondern vom selbstvergessenen Fluss des Techno und unmittelbaren Überwältigungsattacken innerhalb der Tracks lebt, die live zuverlässig die Zehnminutengrenze anpeilen. Für wen sich das langatmig und anstrengend anhört, der war schlicht und ergreifend nicht da. Und was für einen stoischer Fuchser dieser Axel Willner während dieser rauschenden Tanz-Sause auch noch gibt! Respekt, erst recht um 1:39 Uhr nachts.



Zuvor hatten im Lido in Kreuzberg bereits White Rabbits und Circlesquare ihre Visitenkarten hinterlassen. Der New Yorker Sechser mit dem Namensbezug zum Hasen aus "Alice im Wunderland" versprüht auf der Bühne direkt eine Dringlichkeit, die man in dieser Form auch nur selten vorgesetzt bekommt. Schneidig und behände bewegt sich die Band auf der Bühne - wohl auch, weil überall Instrumente und Menschen einander im Weg stehen. Mit zwei Sängern, einem zweiten Drum-Kit für doppelte Percussion-Power und tänzelnden Piano-Melodien schaffen es die White Rabbits ihre Hörer mitzureißen, obwohl die Band einen angenehm pathosfreien Spagat zwischen kratzigem Hochdruck-Indie und College-Rock vollzieht. Jedenfalls wird vorne in den Publikumsreihen bei Songs wie "Percussion Gun" oder "The Plot" aus Überzeugung mitgesungen und sich verzückt auf die Oberschenkel geschlagen. Ja, die White Rabbits haben bereits ihre Fans.

Circlesquare aus Vancouver sind eigentlich das Projekt von Jeremy Shaw, der mittlerweile nach Berlin umgezogen und bei !K7 gelandet ist. Sein heruntergekürzter Elektro-Pop mit schwellenden Sub-Bässen und Schlinger-Gitarren macht es einem trotz der Wahlverwandschaft mit The XX anfangs nicht gerade einfach. Schließlich bauscht sich der Sound nur in Ausnahmen zu kraftvollen, melodiösen Arrangments wie in "Hey You Guys" auf. Sonst dominiert unterkühlter Wave im Stop-and-Go-Modus, der seine Anziehung gerade über seine reduzierten DFA-Rhythmik generiert. Interessant sind auch die Videoprojektionen, die das Themenfeld Jugend, Musik und Gewalt fesselnd verhandeln. Da werden Catfights gezeigt, aufgestachelte Hardcore-Kids und Eintänzer mit epileptischen Anfällen. Circlesquare kommen so im Gesamteindruck sehr arty rüber, scheinbar genau der Sound für Berlin.



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  • User: Intro
  • Intro 27.11.2009 | 13:21:00

    Intro-Autor Christoph Dorner sah in The Field einen Türöffner für diejenigen, die elektronische Musik gerne gut finden würden, es aber nicht hinbekommen.

  • User: Christoph Dorner
  • Christoph Dorner 27.11.2009 | 16:48:05

    stimmt, da hab ich mich vertan. war natürlich ganz anderes zeug. kriegen wir von der journaille ja alles umsonst.

  • User: Augenlieder
  • Augenlieder 28.11.2009 | 16:59:12

    Dieser Seitenscheitel plus Dreitage unten/Respektbalken oben ist der epidemiehafte Horrorpart der Indiesache...

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