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Das war das CMJ 2009

in New York: Zwischen Klunkern und Rezession

30.10.2009, 10:28, Text: Thomas Venker, Foto: Sibilla Calzolari

Thomas Venker verbrachte im Rahmen des CMJ Music Marathon & Film Festivals eine Woche im Big Apple, zwischen Angeben und Kopfschütteln, Limo und Subway.

20.10. - 25.10.2009, New York City, USA, diverse Locations.

Und wenn es doch alles anders ist? Wenn es doch keine Krise in der Musikindustrie gibt? Wenn alles nur eine schön-schaurige Geschichte ist, um den Festen mehr Bedeutung zu geben?

Dann muss man sich auch nicht wundern über das, was man so mit ansehen darf, wenn sich die Musikindustrie alljährlich in New York zum CMJ-Festival trifft. Da tönen dann nachts die Chief Executives irgendwelcher Onlinevertriebe von ihren stattlichen sechsstelligen Dollargehältern und den bar bezahlten Two-Bed-Room-Appartements in Brooklyn, legen die Eventbeauftragten von MP3-Shops und die Eventbooker exklusiver Hotels mal eben die American Express-Karten auf den Tisch, nicht ohne süffisant grinsend unendlichen Spesencredit zu verkünden, und erzählen einem Bands wie The XX ohne Lachen im Gesicht, dass sie nicht verstehen, warum sie für jede Fünf-Meter-Tour durch die Stadt auf ihrem endlosen Weg von Showcase zu Showcase zu Interview zu Dinner und zurück mit einer schwarzem Limo abgeholt werden müssen, die jedesmal 100-Dollar-Flatrate kostet.


Nun, zumindest auf letzteres ist die Antwort leicht: weil es eben zum Geschäft gehört, ordentlich zu blenden. Und auch die beiden anderen Geschichten sind leicht dechiffriert. Das ist eben Amerika. Das ist zwar auch das Land von Hardcore und Indie und unbezahlten Gigs ohne Essen und Unterkunft, aber dann eben doch nur auf der unteren Ebene.
Oben, da wo das richtige Biz stattfindet, da wird mit den gleichen Karten gezockt wie in anderen lukrativen Branchen - mit dem seltsamen Resultat, dass jemand, der sich um den Vertrieb von Musik der Indies kümmert, Summen verdient, von denen die Künstler, die die Songs geschrieben haben, sich noch nicht mal zu träumen getrauen. Irritierend. Da weiß man schon, warum ein Label wie beispielsweise Dischord noch immer die CDs für 7$ postpaid selbst anbietet.

Aber verstehen wir uns nicht falsch: Nicht alles schmeckt schal. Immerhin erzählte Baria Quereshi, zu diesem Zeitpunkt noch Gitarristin bei jenen The XX, die so viel in Limos durch den Big Apple fahren durften und nicht mehr, wie noch vor kurzem auf ihrer Promotour in Deutschland, während des Festivals in einem Youth Hostel sondern im feschen Tribeca Grand wohnten, zu fortgeschrittener Stunde, wieviel sie in den letzten drei Monaten verdient habe. Aber nicht in jenem Angeberduktus von oben, sondern total verwirrt - und als Zuhörer versteht man das natürlich angesichts ihres Teenageralters, freut sich aber auch, dass es in diesem Geschäft eben doch auch genug Leute gibt, die faire Künstler-Verträge machen.

Das ist doch mal was! Und auch bitter nötig. Denn, wie sie als nächstes erzählte - wo sie doch schon so am plaudern war -, sei der Preis für all das aufregende Leben derzeit schon hoch: alle ihre sozialen Beziehungen blieben auf der Strecke in den letzten Monaten angesichts keines einzigen Tages zuhause, mal ganz davon abgesehen, dass sie und die anderen Mitglieder der Band derzeit nur noch das Wichtigste miteinander reden würden...Mehr dazu aktuell auch in unseren News zum aktuellen Status von The XX.

Solche Geschichten erlebt man auf dem CMJ zuhauf. Auf der anderen Seite sieht man aber auch nachst eine Band auf einer großen Bühne vor ausverkaufter Halle spielen und sitzt ihr am nächsten Tag im L-Train, der Brooklyn mit Manhattan verbindet, gegenüber. Denn die Limos fahren dann halt doch nur für die Hypebands aus UK, die vielen (tollen) lokalen Bands, die müssen laufen. Aber das muss uns nicht leid für sie tun. Denn erstens hält Bewegung bekanntlich fit und zweitens sorgen solche Umstände für Zusammengehörigkeitsgefühl.


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  • User: Intro
  • Intro 30.10.2009 | 10:28:00

    Thomas Venker verbrachte im Rahmen des CMJ Music Marathon & Film Festival eine Woche im Big Apple, zwischen Angeben und Kopfschütteln, Limo und Subway.

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