Die Sterne live
in Berlin: Schon immer Disco
20.10.2009, 13:10, Text:
Benjamin Cries
[2 Kommentare]
Unser Autor war nicht nur beim Berliner Konzert von Frank Spilker und seinen Sternen dabei sondern auch beim Videodreh. Wie die meisten im Publikum....
19.10.2009, Berlin, Lido.
Das Krabbeltier hatte eine Mission. Nicht etwa - wie zuletzt Dave Yow von Jesus Lizard - beim Ritt durch den Konzertraum die irdische Seligkeit im engen körperlichen Kontakt zum Publikum zu finden. Nein, der bärtige Käppiträger hatte, über die Besucher des Konzertes von Die Sterne im Lido krabbelnd, anderes im Sinn. Per Handykamera hielt er von oben auf das Publikum.
Die aufopferungsvolle Filmerei folgte der Parole, die Sterne-Sänger Frank Spilker ausgegeben hatte: der Videodreh zum neuen Song "Nach fest kommt lose" war angesagt. Dazu sollten auch die Besucher ihren Teil beitragen und die Darbietung dieses Stücks mit ihren mobilen Geräten aufzeichnen. Allerdings kam nur eine übersichtliche Anzahl der Anwesenden dieser Aufforderung ihres Helden nach. In Zeiten von Datenflut und Ausspähungswahn ein Punkt für die Sterne-Fans.
Doch zur Band. Zu lesen war schon einiges über die "neuen" Sterne 2009. Die Erkenntnis des Konzerts lautet: es gibt Bewegung. Mit Klangteppichen, mächtig verhallter Stimme und zuweilen kreischenden Gitarren wurde die Abgrenzung der Handvoll neuer Songs gegenüber dem bisherigen Werk deutlich. "Wir waren schon immer Disco" rief der Frontmann trotzig von der Bühne. Wahr ist was wahr ist: weder der Schuster noch der Spilker sollten ewig bei ihren Leisten bleiben. Und der Discobeat war den Hamburgern in der Tat nie fremd. Doch bleibt zweifelhaft, ob die aufgemotzte Klanglichkeit nicht gerade die wesentliche Sterne'sche Stärke übertüncht, welche darin besteht, lakonisch-unaufgeregte Betrachtungen auf reduziertem Sound zu kredenzen und dabei gehörig zu grooven.
Da der Schwerpunkt indes auf bekanntem Liedgut lag, entwickelte sich ein zu Recht frenetisch bejubelter Gig, gespickt mit Highlights wie ""Universal Tellerwäscher", "Bis Neun bist Du OK" oder "Fickt das System". Wohl auch den Dreharbeiten geschuldet, präsentierte sich Spilker hyperaktiv, bearbeitete den Schellenring, tobte durch das darüber doch etwas verblüffte Publikum und malträtierte seine Gitarre derart hingebungsvoll, dass die abschließende Zugabe "Wenn Dir St. Pauli auf den Geist fällt" mit hübsch verstimmtem Instrument intoniert werden musste. Dem Song tat dies keinen Abbruch. Wer's nicht glaubt: Auch dieses prächtige Schauspiel wurde für die Nachwelt akribisch festgehalten von dem mittlerweile wieder sicher gelandeten und nun fleißig aus den Kulissen heraus filmenden Krabbeltier.
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Intro 20.10.2009 | 13:10:00
Unser Autor war nicht nur beim Berliner Konzert von Frank Spilker und seinen Sternen dabei sondern auch beim Videodreh. Wie die meisten im Publikum....
m4u7zh 21.10.2009 | 23:40:16
rummelsnuff waren ein ereignis, ich hatte da fast durchweg ein gefühl dass bei den sternen kaum aufkam. vielleicht zuviel lakonische "coolness". meine freundin meinte vor jahren mal als sie frank spilker das erste mal an der bar in der volksbühne sah: "das ist dochn bwler!" ganz so schlimm ist es nicht, aber irgendwie auch egal.
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