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Das war das Pop Montreal

in Kanada: Eine Geschichte aus dem blühenden Land

08.10.2009, 12:13, Text: Thomas Venker, Foto: Thomas Venker

Kann das gut gehen? Ein auf mehr als 40 Locations verteiltes Festival? - und das in einer Stadt wie Montreal, die am Berg gebaut ist und dementsprechend fordernd zu erkunden. Bei aller Skepsis im Vorfeld kann die Antwort nur ein lautes "ja" sein. Denn so aussichtslos es erscheint, dass man sich und die anderen nicht verliert zwischen all diesen Orten und Künstlern, so selbstverständlich begegnet man dann doch immer all jenen, die man sehen und hören will.

CAN-Montreal, 30.09.-04.10.2009, diverse Locations

Das Pop Montreal Festival fand in diesem Jahr zum achten Mal statt - und man kommt nicht umhin es in aller Deutlichkeit zu postulieren: hier hat ein Festival im reichhaltigen Konkurrenzangebot der Stadt (die u.a. noch das Mutek-, das MEG, das M For Montreal- sowie das Montreal Jazz Festival beherbergt) seine eigene Berechtigung gefunden.


Es ist die Vielseitigkeit für die Pop Montreal steht, neben sehr viel Indie (hier gibt die eigene Szene ja sehr viel her) gibt es auch Pop, neben Avantgarde (Faust gastierten für Workshop und Konzert) auch Folk (Loudon Wainwright III), Jazz, Soul (z.B. die Legenden Lee Fields & Saidah Baba Talibah) und HipHop (u.a. Roxanne Shante), vom umfangreichen Rahmenprogramm aus Film (u.a. das Debüt von Sufjan Stevens´ experimentellen Kurzfilm "The BQE", seiner Hommage an den Brooklyn-Queens-Expressway), Kunst und Theorie (ein besonders gutes Panel widmete sich dem Weg von Popsignifikanzen durch die Genres und Kulturen) ganz zu schweigen.

Land, Stadt, fördert
Der Stadt Montreal ist es in den letzten zehn Jahren, einhergehend mit dem generellen Aufschwung der kanadischen Musikszene (das Ergebnis einer sehr zielgerichteten Aufbauarbeit - wo sonst bekommen Bands Zuschüsse für CD-Produktion, Inlands- und Auslandstouren, Messebesuche, Promotion...), gelungen, die eigene Kulturszene so effizient zu fördern, dass die Stadt aktuell neben ihrem umfangreichen Biotop junger, aufbegehrender Bands auch auf eine Vielzahl großartiger Locations schauen kann, die - auch das ein Resultat der speziellen Strukturen der Stadt -, von sehr vielen, in der Regel eher kleineren Veranstaltern bespielt werden und eben nicht nur von den Live Nations dieser Welt.

Jene spezielle Struktur meint eine sehr große Basis an DIY-orientierten Netzwerken, Labels wie Constellation oder Alien 8, die sich natürlich auch am marktwirtschaftlichen Erfolg messen lassen müssen, diesen aber nur als Axiom für die eigentliche inhaltliche Arbeit sehen, wie der Constellation-Labelchef bei einem der vielen guten Panels des Festivals ausführte. Die Szene der Stadt steht eng zusammen, tauscht sich aus. Das geht soweit, dass alle Festivals der Stadt einen Verbund gegründet haben, um gemeinsam für jeden das Optimale herauszuholen.

Pop M - eine Stadt bietet viele Konzerte
Das Pop Montreal ist diesem Zustand in diesem Jahr schon sehr nah gekommen. Als ein Beispiel für das spannende Programming kann der Festivaldonnerstag dienen. Da spielten zuerst die Silly Kissers, eine Bande begnadeter Early-Twenty-Somethings mit Wurzeln im K-Records-Sound einen heiteren Shopgig in einem Klamottenladen, danach trug Fever Ray im Metropolis, einem unsagbar schönen alten Theater, vor 2500 Leuten ihren visuell getragenen Popmystizismus zu Bühne, bevor im Anschluss nur wenige Meter weiter die Butthole Surfers im Olympia, einem nicht minder schönen Theater, die 80er anachronistisch wie ein Phönix aus der Asche wieder auferstehen ließen. Weiter ging es mit den Locals von Clues im Cabaret Juste Pour Rire, einer Doppellocation aus Konzertvenue und Partylocation, wobei in letzterer im Anschluss der aus Pasadena stammende Nosaj Thing einen Laptop-Set vorlegte, der so dunkel funkelte wie ein aus Antimaterie geschliffener Diamant.


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