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So ist das Reeperbahn Festival

Der Freitag: Intimes Raven gegen Deutschland

26.09.2009, 15:21, Text: Daniel Koch

Raven gegen Deutschland zur Tagesschauzeit, draußen unter Straßenlaternen gespielte Unplugged-Zugaben und mal wieder eine Stage-Invasion – das ist doch nun mal keine schlechte Bilanz für einen Abend.

Man kann und muss an dieser Stelle meckern, dass die Intro-Nasen in diesem Fall nur über die eigene Veranstaltung auf dem Reeperbahn-Festival schreiben. Was – soviel zur Verteidigung – in erster Linie logistische Gründe hatte, denn der Autor dieser Zeilen konnte das Hamburger Uebel & Gefährlich nicht verlassen und wurde im Zuge des von Bundesagentur für Arbeit initiierten Progamms "Schreibtischtäter an die Front" genötigt, vor jedem Act auf die Bühne zu steigen um selbigen ansagen zu können.


Der Lerneffekt: Endlich darf/muss man dann am nächsten Tag genau das lesen, was man sonst so leichtfertig in den Rechner haut: "Null Bühnenpräsenz, Charisma nicht vorhanden – und den Text vergessen hat er auch." Andererseits: Wäre dem nicht so gewesen, dass man in der Location eingebunkert war, hätte man sich am Ende der Nacht wohl trotzdem gefragt, ob man nicht mit seinem Dableiben alles richtig gemacht hätte. Denn: Raven gegen Deutschland zur Tagesschauzeit, draußen unter Straßenlaternen gespielte Unplugged-Zugaben und mal wieder eine Stage-Invasion, die dem anwesenden Melt!-Booker die Schweißperlen auf die Stirn trieb, weil er ja weiß, was so was mit teuren Bühnen anrichten kann – das ist doch nun mal keine schlechte Bilanz für einen Abend.



Aber der Reihe nach: Hier wäre ein guter Punkt, sich einzugestehen, dass man den Gedanken "Egotronic um acht Uhr auftreten lassen? Die vom Booking checken aber auch gar nix!" unauffällig unter die Hirnrinde hätte rutschen lassen sollen, anstatt ihn laut auszusprechen. Das ahnte man spätestens als Uebel & Gefährlich Cheffe Tino Hahnekamp ganz richtig prognostizierte: "Da wird der Schweiß von der Decke tropfen." Das tat er dann bereits eine Stunde und ein paar hundert eintrudelnde Gäste später. "Raven gegen Deutschland" zwei Tage vor der Bundestagswahl ist ja eh keine schlechte Idee, aber dass das so ankommen würde, hätte man dann vielleicht auch nicht gedacht. Torsun und Co. machten jedenfalls alles richtig, knallten all den Zugezogenen gleich zu Anfang ihr "Berlin Calling" an den Kopf, das natürlich in jeder Großstadt funktioniert: "Hamburg ist teuer, aber genauso billig / Und in Frankfurt sind die Leute auch feierwillig / Wir sind gekommen um zu bleiben / Wir sind hier um zu stoer'n / Doch wenn ihr ehrlich zu euch seid, wollt ihr genausowas hoer'n." Und alle so: Jawollyeah! Song Nummer zwei dann gleich die Wahlempfehlung für Sonntag: "Raven gegen Deutschland". Zu einer Zeit, als die gerade Diensthabende ARD-Atze bei der Tagesschau die ganzen "Ätsch, ich koaliere nicht mit denen"- oder "Wir sind schon jetzt Wahlsieger"-O-Ton-Lieferanten ansagen musste, ballten sich hier die Fäuste, öffneten sich die Schweißdrüsen, zuckten die Beine und grölten die Stimmen – ein herrliches "Fuck You!" ins Hauptstadtstudio. Aber Egotronic können ja auch versöhnlich, was sie mit einer "Wall Of Love" gebührend zeigten. Die Menge teilte sich, ging auf sich zu, umarmte sich, knutschte sich. Im Zugabenteil dann noch mal "Raven gegen Deutschland", im wilden Wechsel mit ollen Eurodance-Schmankerl wie dem guten "Mr. Vain". Da wurde dann gar bis zum Zigarettenautomaten am Klodurchgang geravt (was mal jeder nachmessen kann, was für eine eindrucksvolle Reichweite das ist). Hätten die Jungs noch a bisserl weiter gemacht, hätte man wahrscheinlich auch den Kondomautomaten auf dem Jungsklo geschafft.



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