So ist das Reeperbahn Festival
Auftakt am Donnerstag: "Die Scheißmucke leiser machen"
25.09.2009, 17:02, Text:
Daniel Koch, Foto: Thomas Victor
Festival-Hansdampf Daniel Koch treibt sich mal wieder in Sachen Livemusik herum. Für Intro berichtet er drei Tage live vom Hamburger Kiez.
24.-26.09.2009, Hamburg, St. Pauli, diverse Locations.
Hamburg muss noch bemerken, dass das Wochenende nun schon einen Tag früher eingeläutet wird. Das Reeperbahn Festival steht geputzt und glänzend auf dem Spielbudenplatz, die Zelte, Bühnen und Buden haben geöffnet und dennoch schleifen erst ein paar Gestalten durch das schöne Angebot, das hier draußen - zugänglich für jeden - neben den üblichen Verköstigungen auch smarte Indiemusike wie die von Mon)tag bietet, die um halb sechs das Openair-Programm einläuten dürfen.
Darüber hinaus gibt es auch wieder den Markt mit exklusiven Tourplakaten und die ein oder andere Merchbude. Dennoch muss man sich nicht sorgen - erfahrungsgemäß wird es am heutigen Freitag dort schon ganz anders zugehen, wenn sich das internationale Tourivolk, das angestammte Reeperbahn-Personal und die von Club zu Club schwirrenden Festivalbesucher um die Theken drängeln. Ansatzweise gab es das schon gestern Nacht, und es lohnte sich zuzuhören, denn nur so bekommt man eine ungefähre Vorstellung, wer wann wo überzeugte.
Fotostrecke:Reeperbahn Festival 2009: Der Donnerstag
Ein frühes Highlight gab es gleich zum Festival-Kick-off: Im Schmitz Theater bat MTV-Legende Ray Cokes ab 17 Uhr eine Stunde zur Audienz und präsentierte auf der Bühne eine Mischung aus Live-Musik, Talk-Show und, was bei ihm nicht verwundert, oft auch einer schlichten One-Man-Show. Aber der Mann kann's einfach: Lag dem ein oder anderen noch der hitzköpfige rausgewürgte Sermon des Herrn Gorny schwer im Magen, mit dem das vorhergegangene Panel beendet wurde, brauchte es nur einen smarten Spruch von Ray Cokes und es wart vergessen.
Der bekannte nämlich munter, er habe keine Lust auf einen Panelauftritt gehabt, er könne zum Thema Filesharing eh nix sagen, weil er es selber täte. "Just to buy the records afterwards, of course!" Dann gab es ganz wunderbar kurzweilige Unterhaltung, bei der man sich mehr als einmal fragte, warum zum Henker es so ein Format nicht mehr im Fernsehen gibt. (Anm. der Red.: Gibt es bald auf dem Intro-Channel bei putpat.tv zu sehen, Sendezeiten folgen!)
Musikalisch legten Biffy Clyro gleich zu Beginn eine Unplugged-Version ihres neuen Songs "The Captain" hin, später gab's unter anderem die vielleicht etwas zu zuckersüßen Au Revoir Simone, Soul-Buddy Alain Clark im Duett mit seinem Vater und die tollen Morton Valence. Herrlich bizarr auch sein Interview mit J Mascis, der tatsächlich ganze Sätze sprach und Ray Cokes augenscheinlich sehr respektierte. So lernte man folgendes über die Bandchemie von Dinosaur Jr: "We're no friends. But the good thing is: We've never been. They are like the weird cousins on a family holiday you don't really like. And propably they think I'm weird." Heute wünscht man sich dann bitte ein paar mehr Zuschauer und einen Fernsehprogrammdirektor, der sich das anschaut und denkt: "Das kauf ich, das kommt zur ARD!"
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