Melt! 2009 - Der Sonntag mit Oasis, Patrick Wolf, Kasabian... Artikelbild (groß)

Melt! 2009

Der Sonntag mit Oasis, Patrick Wolf, Kasabian...

21.07.2009, 15:31, Text: Daniel Koch, Foto: Geert Schäfer



Der letzte Teil unserer umfassenden Melt!-Review: Mit dem Auftritt der Gebrüder Gallagher endete ein wildes Wochenende unter Baggern und Freunden. Daniel Koch berichtet.


Was musste man sich an den Melt!-Sonntag gewöhnen und was wurde anfangs mal genölt, ob man ihn denn überhaupt bräuchte. Im zweiten Jahr seines Bestehens konnte man nun sehen, dass er eigentlich ein ganz wunderbarer Abschluss für dieses sonst so hyperaktive Festival ist.


Das Programm ist ein wenig schlanker und mittlerweile auch gut aufgestellt, um Beatsüchtige und Gitarrenfreunde gleichermaßen zu unterhalten. Außerdem macht sich bei den ersten Auftritten stets eine entspannte Sonntagnachmittagsruhe breit, die gut zu einem Festivalausklang passt.

Vielleicht das Highlight des gesamten Wochenendes war wohl der Auftritt von Patrick Wolf, der um 17 Uhr das Programm auf der Hauptbühne eröffnete. Musikalisch eh ein ganz Großer war seine überdreht-campe Show von Anfang bis Ende ein Augen- und Ohrenschmaus. Das Bühnenoutfit, inspiriert vom futuristischen "The Bachelor"-Cover, musste Song für Song weichen, bis Wolf nur noch in Unterwäsche über die Bühne rannte, oder stöckelte, denn auf halber Strecke ließ er sich Plateau-Pumps mit Killer-Absätzen anreichen.


Um Erkältungen vorzubeugen, ließ er sich dann noch eine schwarze Federboa umhängen. Musikalisch ging die Reise von schwülstig-perfektem Pop bei "Who Will?" bis hin zu Atari-Teenage-Riot-inspiriertem Electro-Krach "Battle", bei dem sich Wolf ins Publikum warf, als wären ihm auch Hardcore-Konzerte nicht fremd.

Glasvegas kackten daraufhin leider ein wenig ab, was wohl daran liegt, dass ihr shoegazendes Tough-Guy-Schluchzen nur in England auf den ganz großen Bühnen funktioniert. Später am Abend machten Kasabian Oasis den Headliner-Slot eindeutig streitig. Obwohl sie ja Band-Buddies sind, hatten Kasabian vor allem bei "Shoot The Runner" oder dem frühen "Club Foot" eindeutig die euphorischeren Reaktionen ausgelöst. Bei Oasis gab’s dann nämlich wie gewohnt "Futtern wie bei Muttern", in der ihnen so eigenen Attitüde: "Hier sind unsere Hymnen, macht was drauß!" Oder eben auch nicht. Schade eigentlich – während die Oasis-Fans in den ersten Reihen Fahnen schwenkten und herzlich mitgröhlten, ließ sich manch einer nicht wirklich in Stadion-Britpop-Laune bringen.

Das sagt das Forum:

taxidermist

»Als Fazit kann ich nur sagen: Für mich wieder ein sehr schönes Festival, ich freue mich schon auf nächstes Jahr.«

Zum Thread


Kontrastprogramm lieferte den ganzen Tag über verlässlich die Gemini Stage, angefangen mit DJ Supermarkt von der Berlin-Battery-Crew, der ja schon sowas wie ein alter Melt!-Homie ist. Was man auch von seinen Kollegen sagen konnte. Seltsamerweise besorgte nicht Tiga den krönenden Stage-Abschluss, sondern unbekannte Trommler, die im Anschluss mit Drumsticks und Pfandbechern bewaffnet, die Metallpfeiler kurzerhand zum Percussioninstrument umfunktionierten. Ein wahnsinniger Moment, der noch besser wurde, als umstehende auch noch anfingen, die Mülltonnen kunstvoll zu bearbeiten.





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