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Leonard Cohen live

in Köln: Der alte Mann und die Mucker

02.07.2009, 12:34, Text: Thomas Venker, Peter Flore
[10 Kommentare]

Ein klassischer Spalter: Thomas Venker und Peter Flore haben den gestrigen Zwischenstopp der derzeit laufenden Welttour höchst unterschiedlich erlebt...

01.07.2009, Köln, Lanxess Arena.

Manchmal ist Rückbesinnung doch der richtige Weg. In unserem vorliegenden Fall beispielsweise in die Epoche der klassischen Komponisten. Bei diesen war es ja ganz üblich, dass die von ihnen geschriebenen Werke nicht selbstverständlich auch von ihnen selbst vorgetragen bzw. dirigiert wurden - spätestens mit dem Ableben hatte sich diese Frage dann ja sowieso erübrigt. Es gibt in diesem Sinne also nicht das Stück von Beethoven, sondern nur individuelle Lesarten.


Natürlich verhält es sich erstmal anders, wenn der Künstler selbst seine Stücke aufführt - womit wir bei Leonard Cohen wären. In diesem Fall hat man eine ganz genaue Vorstellung davon, wie die Stücke zu klingen haben - und ist mitunter extrem enttäuscht, wenn der Künstler sich anmaßt, nicht bei der einen Spielweise stehen geblieben zu sein, sondern partout meint, noch neue Impulse in sein Werk einbringen zu müssen. Wie kann er aber auch!

Leonard Cohen meinte beim gestrigen Konzert in der Kölner Lanxess Arena zwei spanischen Musikern Interpretationsvollmacht über seine großen Songs geben zu müssen. Das war ein schwerer Fehler, zumindest für jene Fans (wie mich), die Cohen vor allem für seine Schaffensepoche bis Anfang der 80er Jahre schätzen. Die damals entstandenen Songs sind zugleich von einer romantischen Schwere als auch einer lust for life, die dem Leben in seinem Auf und Ab gerecht wird, geschrieben und vorgetragen von einem Pfau, der stolz und ohne Ängste an den Abgründen dieser Schluchten wandelte. Zwischen diesem Leonard Cohen und dem heutigen steht ein längerer Aufenthalt im Kloster sowie der unvermeidliche Prozess des Alterns.

Nun spricht nichts dagegen, reifer und weiser zu werden, und wahrscheinlich war es auch so, dass der Cohen, dem ich den Wesenzug eines Pfaus zuschreibe, auch eine gewisse Arroganz in seinen heydays ausgelebt hat, aber trotz dieses positiven Aspekts: wenn diese einem offeneren Umgang mit anderen gewichen ist: Will man einen lover man wie Cohen so gewandelt sehen? Kniend vor dem Gitarristen, alles und jeden irgendwie goutierend?

Nein. Zumindest nicht ich. Genauso wenig, wie ich dieses Set (das in der Auswahl keine Wünsche offen ließ) in gedrosseltem Tempo und mit all den Schnörkeln, Soli und Verzierungen hören wollte - da half auch nicht, dass seine Stimme besser denn je klang. Dann doch lieber zuhause einen guten Single Malt einschenken und die Songs so hören, wie sie gedacht waren, als sich der Künstler auf seinem Zenit befand.
Thomas Venker

Auf der nächsten Seite: "Wohlige Schauer" - Peter Flore zum gestrigen Konzert.


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  • User: Intro
  • Intro 02.07.2009 | 12:34:00

    Ein klassischer Spalter: Thomas Venker und Peter Flore haben den gestrigen Zwischenstopp der derzeit laufenden Welttour höchst unterschiedlich erlebt...

  • livia_28755 03.07.2009 | 12:40:26

    Herzlichen Dank, Herr Flore, für das schöne, treffend dargestellte Konzertreview und die Entgegnung (meinem Empfinden nach: Richtigstellung) zu der Position von Herrn Venker. Für mich war das ein unvergesslicher Abend mit geradezu magischen Momenten.

    Kerstin Naumann

  • arminia1905 04.07.2009 | 11:19:03

    Als ich mir einen Tag nach dem Konzert eine CD mit alten Cohen-Songs anhörte, dachte ich nur: Mit der Stimme wie sie heute klingt, müsste er sein gesamtes Werk noch einmal neu aufnehmen. Einfach begeisternd.

  • User: Heidi Kabel
  • Heidi Kabel 04.07.2009 | 11:27:59

    Ja, die Stimme ist wirklich Wahnsinn. Dafür bestand das Publikum größtenteils aus Leuten, die ich eher auf einem Flippers-Konzert erwartet hätte. Und es war schon komisch auf einem Konzert die ganze Zeit nur zu sitzen. Und die Musik war leise, zumindest für mich, ich hatte nur noch Karten für die Ränge gekriegt. Aber insgesamt hat es sich trotzdem sehr gelohnt!

  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 04.07.2009 | 15:37:51
    Köstlich
    Leise war es tatsächlich, aber das ist bestimmt nur das Empfinden von uns jungen Leuten. Ich fand es da allerdings sehr angenehm, die ganze Zeit zu sitzen. Und ich fand es so sehr rührend, wie er nach jedem Applaus den Hut abnahm und dankbar Richtung Publikum nickte.

  • User: Heidi Kabel
  • Heidi Kabel 06.07.2009 | 21:03:23

    Ich weiß nicht so recht... Meinste, sagen wir mal, die Stones waren auch so leise? So dass die Leute "Psssst!" gesagt haben, wenn man sich mal mittelleise unterhalten hat? (Wie im Kino)

    Näher an der Bühne zu sitzen wäre auf jeden Fall ok gewesen, aber Stehen noch besser!

    Editiert von Heidi Kabel am 06.07.2009 21:16:26

  • User: zilix
  • zilix 10.07.2009 | 09:26:26

    ich könnte mir gut vorstellen, dass thomas venker, dann als 75-jähriger auf knien eine single malt schlürft, sich die letzten reste aus dem schnauzbart leckt und mit heissen tränen an das leonard cohen konzert zurückdenkt. jedenfalls war das konzert vor einem jahr ganz hervorragend, womöglich lag das aber daran, dass ich es stehend unter einem laubbaum verbracht hab, ein bier schlürfend und einfach glücklich war, dass der alte mann es noch bringt. entschuldigen möchte ich mich hier aber bei der unbekannten amerikanerin, welcher ich fotos per mail versprochen, sogar auf knien mache ich das!

    Editiert von zilix am 10.07.2009 09:27:47

  • User: Red Dog
  • Red Dog 10.07.2009 | 17:07:28

    Habe den alten Herren auch letztes Jahr in Hamburg gesehen und war durchwegs begeistert. Das klein wenig Muckertum auf der Bühne und der unnötige Szenenapplaus des Publikums für jedes noch so kleine Solo (von Cohen nach einem Ein-Finger-Keyboard Solo mit einem schön ironischen Thank you beantwortet) waren vollständig egal.
    Großartige Songs, eine tolle Stimme und von der Bühnenpräsenz, Ausstrahlung und Freundlichkeit die Leonard Cohen hat kann sich so mancher noch so grosse Star mal eine gehörige Portion abschneiden.

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