Social Distortion live
Über Banker, Punker und Co.
22.06.2009, 12:32, Text:
Raphael Schmidt
[7 Kommentare]
30 Jahre Social Distortion. In Anbetracht dieses Anlasses treibt es so manchem alteingesessenen Punkrocker die Tränen ins Auge. So war es kaum verwunderlich, dass die Düsseldorfer Philipshalle fast ausverkauft war und schon vor dem Eingang ein Bierbrunnen aufgeschlagen wurde, an welchen sich natürlich auch reichlich bedient wurde.
17.06.09 Social Distortion, The Gaslight Anthem Philipshalle Düsseldorf
Doch das auch der wildeste Punkrocker mal alt wird, das wurde an diesem Abend merklich zelebriert. Ob es nun der Oberfan ist, der in der Mitte des Konzertes seinen Mageninhalt verteilt oder eben doch Mike Ness, der bis auf wenige Ansagen seine Songs zwar kraftvoll, aber doch routiniert zum Besten gab.
Doch nach der Reihe. Die erste Vorband, The Black Sheep, wurde elegant verpasst und man startete sofort mit The Gaslight Anthem. Diese hatten den schweren Job vor einer Legende zu spielen. Dass ihnen dabei ein Bild entgegensprang, welches sie sicherlich nicht gewohnt sind, damit rechnete sicherlich niemand. So brüllte das Publikum zwischen den Songs schon nach dem Headliner des Abends und amüsierte sich mehr über die Lobeshymnen, die Sänger Brian Fallon auf Mike Ness und seine Mannen rieseln lies, anstatt die Band zu feiern, die gar nicht allzu verschieden zu Social Distortion ist. An der Leistung der Mannen kann es im Grunde nämlich nicht gelegen haben, denn die Band spielte ein solides Set, gab vom grandiosen "Sink or Swim" gerade 2 Songs zum Besten, lies die tolle Nachfolge-EP links liegen und spielte das aktuelle Erfolgsalbum in voller Gänze. Mit dem Übersong "Backsteats" verabschiedeten sich Fallon und seine Mannen unter dem üblichen Höflichkeitsapplaus und die Bühne wurde für den Headliner klar gemacht.
Fotostrecke:Social Distortion live
Social Distortion nämlich. Und was soll man sagen? Es machte alles einen etwas schleppenden Eindruck. So war die Stimmung scheinbar nur im vorderen Viertel zu spüren, Ness und seine Mannen wirkten noch distanziert und ebenso reserviert wie der Rest im Publikum. Ness wird doch jetzt nicht schwächeln? Er wird doch nicht sein wahres Alter präsentieren und dementsprechend Leistung zeigen? Es sind doch extra alle gekommen. Die Banker und die Punker, die Rockabillys und die Trunkenbolde und die Eltern, die heute mal nicht ihre Kinder begleiten sondern das Blatt wenden. Und plötzlich steht doch alles Kopf. "Don't Drag Me Down", jener Überhit vom Erfolgsalbum "White Light, White Heat, White Trash". Das Publikum steht Kopf und feiert wie es eigentlich von der ersten Minute an hätte feiern sollen. Alle anfänglichen Schwächen sind mit einem Mal dahin. Wie ausgewechselt scheint Band und Publikum. Auch Ness setzt endlich zum legendären Sprung an spielt seine überlebensgroßen Solos in die sterile Philipshalle. Dass die Stimmung ab jetzt eine Berg- und Talbahnfahrt erlebt, scheint die Band nicht zu stören. Sie für ihren Teil spielt ab jetzt souverän und mit Energie. Ness lässt ein paar (zugegeben: vorhersehbare) Ansagen läuten bevor er in die nächsten Songs übergeht und überzeugt fortan komplett. Dass nach gut einer Stunde schon "Good Night" gesagt wird, verwundert dabei eher, dass danach läppische 3 Songs folgen, schon weniger. Ein besonderes Konzert war das nicht, höchstens ein ganz nettes. So sollte demnächst nicht mehr mit einer "30th Anniversary Tour" geprahlt werden, dann schleppt man auch nicht ähnliche Erwartungen mit sich.
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oldman 24.06.2009 | 10:36:40
Stimmt - Es war ein passabler Gig, aber nicht mehr. Die erste halbe Stunde war großartig, dann nickte der Gig und auch das Publikum irgendwie ein. Der Schunkelfaktor war im zweiten Teil des Konzert leider zu hoch. Auch wenn die Band gut gespielt hat und auch der Sound einwandfrei war - sind das Trademarks für ein Punkrock Konzert?
...Nach "Bad Luck" hätte man eigentlich schon nach Hause gehen können, besser wurde es dann nicht mehr...Schade.
creation2 24.06.2009 | 10:50:03
Fortunist
...und es kommt tatsächlich ein neues Album?
doctorlove 24.06.2009 | 11:20:33
in München war's so
oldman 24.06.2009 | 14:51:10...und es kommt tatsächlich ein neues Album?
Angeblich soll was in Arbeit sein - allerdings waren die beide neuen Songs Can't Take it With You und Still Alive o.k. aber auch nicht mehr
Editiert von
oldman am 24.06.2009 14:51:34
The_Cappucino_Kid 24.06.2009 | 18:10:36
berlin war kurz und gut. nur ein bisschen leise.
Raphael Schmidt 24.06.2009 | 18:16:44
Still Alive fand ich ein wenig zu, wie soll ich sagen... kitschig, vorhersehbar, plakativ, langweilig. Scheiße !
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