So war das Hurricane 2009
Bildergalerie: Bad motherfucking schizos!
22.06.2009, 11:23, Text:
Daniel Koch, Foto: Arne Sattler
[6 Kommentare]
Ein Sturm zog auf im niedersächsischen Scheeßel: Daniel Koch war für Intro beim Hurricane-Festivalwochenende mit dabei. Bilder vom Festival folgen in Kürze!
Freitag, 16 Uhr, Campingplatz: Das unlustige Grauen trägt eine C&A-Jeans, zerlatschte Pumas, eine grauenhaftgraue Jacke, einen Fünf-Euro-Haarschnitt und eine Meat-Loaf-Visage. Es nähert sich von links kommend der Imbissbude, unter deren Dach sich zwei Handvoll seiner Opfer gegen den Regen schützen wollen.
Es duckt sich gegen die stärker werdenden Windböen, nimmt seine Opfer ins Visier, setzt das dümmliche Angriffsgrinsen auf und schießt gleich los. Ohne Gnade, ohne Rücksicht, ohne Zögern: "Jetzt kommt der Hurricane zum Hurricane!" Die Wortsalve ist ein Volltreffer. Mundwinkel gehen in die Knie, Hirnwindungen verkrampfen sich, Schmerzensschreie werden ängstlich heruntergeschluckt, Lachmuskeln verfallen in Todesstarre. Doch die Attacke ist noch nicht vorbei - das Grauen legt nach: Ein lautes Lachen, ein nicht enden wollendes "Muchharrhaarrr" rollt über die ängstlichen Menschen hinweg, umweht von einem nach Dönertier und Zwiebeln stinkendem Atem...
Fotostrecke:Das war das Hurricane 2009
Na gut: Vielleicht ist dieser Vorfall ein wenig pathetisch ausgewalzt. Aber trotzdem werden sich alle einig sein, dass der unlustigste Witz über das Wetter beim Hurricane endlich aus der Welt geschafft werden sollte. Und dass jeder, der ihn raushaut, und sich dabei auch noch dermaßen lustig vorkommt, einen Schlag an den Hals verdient hat. Also: Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, bitte an news@intro.de
Aber zum Wesentlichen: Während sich das Wetter von seiner wildesten und schizophrensten Seite zeigte, und einen immer wieder von der Sonnenmilch ins Regencape und zurück trieb, zeichnete sich das Hurricane 2009 durch einen erstaunlich hohen Entspanntheitsgrad aus - begleitet von einem Soundtrack, der sich ebenso schizophren präsentiere wie das Wetter.
So gab's neben der typischen Indie-Pop- und Rock-Rutsche auch sonnigen Ska-Punk, sowie breiteierigen Balla-Balla-Culcha-Hamma-Candela-Sound und schnuffig-duffygen Soul-Schnarch-Pop - um nur ein paar zu nennen. Rund 60.000 Menschen waren dabei laut Veranstalter am Start, die sich aber entweder besser verteilten als 2008 oder vielleicht doch gar nicht ganz 60.000 waren. Zumindest hatte man im Vergleich zum Vorjahr das Gefühl, dass diesmal genau die richtige Menschenmenge den Eichenring zu Scheeßel bevölkerte - und nicht drölftausend zuviel.
Für den Festivalauftakt auf der Hauptbühne sorgten The Horrors, die vor allem eines bewiesen: Publikumsinteraktion ist überbewertet (und meistens eh peinlich bzw. - vgl. Auletta am Samstag und The Living End am Sonntag). Walz das Publikum einfach mit einer Krachwelle aus Krautrock und Shoegazer-Goth um und sieh zu, wie die damit fertig werden. Mission accomplished. Was vor allem die Engländer in der ersten Reihe unterschreiben würden.
Katy Perry versuchte dann wenig später, allen zu zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat und weiß, dass sie auf einem Festival spielt, das mal als Rockfestival begonnen hatte. Dafür hatte sie die schönsten Übungen aus dem Handbuch "Aerobic für Schweinerocker" und "Posen für Poser" einstudiert, zwei Kapital aus "1,2,3 - Anzählen für Punkrocker" gelesen und sogar gelernt, wie man eine Gitarre hält - für's Spielenlernen derselbigen blieb dann leider keine Zeit. Dazu hatte sie sich dann was Nettes angezogen, mit viel Luft untenrum, was gut für die Beinfreiheit ist, und los ging's. So konnte man erleben, wie sie sich zwischen aufgeblasenen Luftriesenkatzen und pinken Flamingos als das präsentierte was sie ist: Ein seelenloses Pop-Maschinchen, das man allerdings zweifellos mit den richtigen catchy Tunes gefüttert hatte.
Alle Katy-Perry-Gutfinder gingen dann auch wenige Stunden später zu den Kings Of Leon, die inzwischen die Verwandlung vom seelenvollen Prediger-Blues-Rock-Kommando zu seelenlosen Stadion-Rock-Menschmaschinen abgeschlossen haben. Wenn "Sex On Fire" so dröge daherkommt, dann lieber keusch bleiben. Hach, wenn die nicht so verdammt geil aussähen! Denn das bleibt ihr großes Plus: Sex mit schönen Menschen redet man sich ja immer, äh, schön. Auch, wenn der dann vielleicht gar nicht mal so gut ist.
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gre_gor 22.06.2009 | 15:13:32
und wo bleibt die erwähnung der wirklichen highlights?
portugal. the man, alexandria quartet, tomte, the whip, franz ferdinand....?
doctorlove 22.06.2009 | 15:17:51
auf der Südseite war es u.a. so
Live Reporter 23.06.2009 | 10:06:19
Sehr cooler Artikel, auch wenn, wie gre-gor schon erwähnte, ein paar Highlights unerwähnt bleiben...
Die Coca-Cola Soundwave Discovery Tour hat ja auch sechs die Newcomerbands TOS, ANDIOLIPHILIPP, The Rising Rocket, Phases Of Life, Whitenights und Videoclub ins Rennen geschickt.
Hier gibt es dazu meine Fotos und meinen Coca-Cola Soundwave Blog.
Und hier meine Vodcasts vom Wochenende:
Editiert von
Live Reporter am 23.06.2009 10:07:05
Julia Gudzent 23.06.2009 | 12:44:16
höhö, und da lästert der Mann mit dem 8-euro-haarschnitt von "blond ist geil" über die mit dem fünf-euro-haarschnitt... ;)
Daniel Koch 23.06.2009 | 13:42:15
@gre_gor: Na, dafür gibt's ja das Forum, dass jeder seine Highlights noch mit reinpacken kann. So eine Nachbesprechung kann ja nicht leisten, dass wirklich jeder Act abgehandelt wird... das würde ja endlos werden - und keiner lesen wollen.
@Julia: Du lebst also auch nach dem Interview noch? Dann scheint's geklappt zu haben. Die große Klappe sitzt ja auch wieder an ihrem Platz ;-) Der Unterschied ist ja, dass ich den Neun-Euro-Haarschnitt unter meinem Haarhelm trage. Und der war teuer!
leones 24.06.2009 | 22:49:05
Hail to the freaks
ich werd ganz schön runtergezogen beim lesen - kann dieses jahr an wohl aus zeitgründen an keinen festival teilnehmen, freut mich trotzdem zu lesen das es wieder cool war, seufz.
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